Bayer plant „erheblichen Personalabbau“ – Leverkusen wohl stark betroffen
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer führt ein neues Organisationsmodell ein. Bis Ende 2025 sollen dadurch viele Jobs abgebaut werden. Wer betroffen ist.
Leverkusen – Wie angekündigt, wird sich bei Bayer unter dem neuen Chef Bill Anderson einiges ändern. Man habe damit begonnen, weltweit ein „neuartiges Organisationsmodell“ einzuführen, teilte der Chemiekonzern aus Leverkusen am Mittwochabend (17. Januar) mit. Zum Leidtragen vieler Mitarbeitenden. Denn im Zuge der großen Umstrukturierung sei ein „erheblicher Personalabbau in den Konzerngesellschaften in Deutschland“ geplant. Der Vorstand der Bayer AG sowie die Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat haben sich auf Grundsätze für die Zukunft des Dax-Konzerns verständigt.
Bayer streicht massiv Stellen: Welchen Jobs davon betroffen sind und wo

Bereits mit Antritt des neuen CEO Bill Anderson war ein großer Sparkurs bei Bayer angekündigt worden. Dieser wird nun nach und nach in die Realität umgesetzt. In den „kommenden Monaten“ sollen die betroffenen Stellen gestrichen werden. Bis „spätestens Ende 2025“ möchte der Leverkusener Konzern den Abbau abgeschlossen haben.
Betroffen sind laut Mitteilung „auch Beschäftigte mit Führungs- oder Koordinationsaufgaben“. Um den betroffenen Mitarbeitenden mehr Zeit zu geben, möchte Bayer bis Ende 2026 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Ab dem 31. Dezember 2026 seien diese dann aber möglich. Mit diesem Schritt soll den Betroffenen laut Bayer genug Zeit gegeben werden, um sich nach neuen Jobs umzuschauen oder bei Bedarf auch entsprechend umzuschulen.
Auch Bayer-Standort in Leverkusen könnte betroffen sein
Da der Stellenabbau vorerst nur in Deutschland durchgeführt wird, könnte auch der Bayer-Standort in Leverkusen stark betroffen sein. Insgesamt hat der Pharmakonzern hierzulande rund 22.200 Mitarbeitende, davon etwa 6700 allein in der Stadt am Rhein. Weltweit sind es knapp über 100.000.
Wie viele Menschen genau vom Stellenabbau bei Bayer betroffen sind, lasse sich laut dem Konzern aber „vorerst nicht beziffern“. Durch die Umstrukturierung möchte das Leverkusener Unternehmen „Hierarchien abbauen, Bürokratie beseitigen, Strukturen verschlanken und Entscheidungsprozesse beschleunigen“, weshalb wohl vor allem die Management-Ebenen betroffen sein sollen. Im Rheinland hatten zuletzt mehrere große Unternehmen einen massiven Stellenabbau angekündigt. So sollen bei Ford in Köln über 3000 Jobs wegfallen, bei Vodafone in Düsseldorf werden derweil 1300 Jobs gestrichen.
Neuer Bayer-Chef will radikalen Kulturwandel durchsetzen – Konzern steht unter Druck
Überraschend kommt der große Stellenabbau bei Bayer nicht. Der neue CEO Anderson hatte bereits angekündigt, den Pharmakonzern einem radikalen Kulturwandel zu unterziehen, der vor allem viele Manager den Job kosten dürfte. „Zwischen mir und unseren Kunden gibt es immer noch zwölf Ebenen“, hatte er im November 2023 gesagt. „Das ist einfach zu viel. (...) In Zukunft wird praktisch jeder im Unternehmen in kleinen, selbstverwalteten Teams arbeiten, die sich auf einen Kunden oder ein Produkt konzentrieren – so wie es ein Kleinunternehmer tun würde.“ Alles, was nicht zum Erreichen der Mission beitrage, werde demnach verschwinden.
Meine news
Bayer steht aktuell unter Druck. Im Pharmageschäft fehlen neue Kassenschlager, bei den langjährigen Gewinnbringern wie dem Augenpräparat Eylea und dem Gerinnungshemmer Xarelto laufen die Patente nach und nach aus. Das Agrargeschäft leidet unter schwachen Preisen für den Unkrautvernichter Glyphosat und Milliardenkosten für die US-Rechtsstreitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Mittel. Der Aktienkurs ist in der Folge gefallen. Deshalb wurde auch eine Aufspaltung des Konzerns zuletzt nicht mehr ausgeschlossen. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.