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Anna Kim: „Geschichte eines Kindes“ – Nominiert für den Deutschen Buchpreis

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Von: Sven Trautwein

Anna Kim hat mit „Geschichte eines Kindes“ einen berührenden und aufwühlenden Roman geschrieben, der auf einer wahren Lebensgeschichte beruht. Mein Buchtipp.

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Am Vorabend der Frankfurter Buchmesse wird der Deutsche Buchpreis verliehen. 20 Titel standen auf der Longlist, sechs davon haben es ins Finale geschafft. Anna Kims „Geschichte eines Kindes“ ist ein Buch, das berührt. Die Geschichte beruht auf einer wahren Lebensgeschichte und macht es dadurch noch eindringlicher und aufwühlender. Auch wenn das Buch nicht auf der Shortlist zu finden ist, gehört es in jedes Bücherregal und auf jede Leseliste.

Anna Kim „Geschichte eines Kindes“: Über das Buch

Cover zum Roman „Geschichte eines Kindes“ von Anna Kim
Anna Kim „Geschichte eines Kindes“ © Suhrkamp

In einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Wisconsin bringt im Juli 1953 die zwanzigjährige Telefonistin Carol Truttman ein Kind zur Welt. Noch in derselben Nacht gibt sie den Jungen zur Adoption frei. Daniel, so sein Name, bleibt in der Obhut eines Sozialdienstes. Bald sehen sich die betreuenden Kinderschwestern mit einem aus ihrer Sicht schwerwiegenden Verdacht konfrontiert: Das Baby scheint, anders als von der Mutter angegeben, nicht »weiß« zu sein, sondern, wie es in der Behördensprache der damaligen Zeit heißt, »indianisch«, »polnisch« oder »negrid« – ein Skandal in einer homogen weißen, den rigorosen Gesetzen der Rassentrennung unterworfenen Gesellschaft. Eine Sozialarbeiterin soll die wahre ethnische Herkunft des Kindes ermitteln. Dazu muss sie allerdings den Vater des Kindes ausfindig machen, dessen Identität die leibliche Mutter nicht preisgeben will …

Suhrkamp

Anna Kims „Geschichte eines Kindes“ bietet zwei Hauptstränge. Hier ist zum einen die Ich-Erzählerin Franziska, Tochter einer südkoreanischen Mutter und eines deutschen Vaters, die als Autorin in Österreich lebt. Über ein Stipendium kommt sie in die USA nach Green Bay. In Gesprächen mit ihrer Vermieterin kommen sie sich näher, bis diese von ihrem Mann Danny erzählt, der der einzige Afroamerikaner in Green Bay gewesen sei. Daniel, 1953 geboren, wird gleich von dessen Mutter zur Adoption freigegeben und vom Sozialdienst betreut, da das Baby „anders“ und „nicht weiß“ sei.

Anna Kim. Foto: Werner Geiger/Suhrkamp Verlag
Anna Kim – Autorin von „Geschichte eines Kindes“ © Werner Geiger/Suhrkamp Verlag

Anna Kim weiß genau, worüber sie schreibt. 1977 in Südkorea geborgen, kam sie im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland und zog später weiter nach Wien, wo sie heute lebt und arbeitet. Das „racial profiling“, bei dem Menschen nur aufgrund ihres physischen Erscheinungsbildes eingeordnet und kontrolliert werden, dürfte die Autorin in ihrer Jugend selbst erlebt haben. So entsteht mit „Geschichte eines Kindes“ ein komplexer und vielschichtiger Roman, der auch in gewisser Weise ihre Geschichte erzählt.

Anna Kim „Geschichte eines Kindes“: Mein Fazit

Mit dem Wechsel zwischen Ich-Erzählung und Wiedergabe aus den Akten über Daniel in trockener Sprache, nimmt Anna Kim den Leser tief mit in die Geschichte hinein. Sie beschäftigt auch nach der Lektüre des Romans und regt zum Nachdenken an.

Anna Kim „Geschichte eines Kindes“

2022 Suhrkamp, ISBN-13 978-3-518-43056-9

Preis: Hardcover 23 €, E-Book 19,99 €, 220 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Anna Kim

Anna Kim wurde 1977 in Südkorea geboren, zog 1979 mit ihrer Familie nach Deutschland und schließlich weiter nach Wien, wo die Autorin heute lebt. Für ihr erzählerisches und essayistisches Werk erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Literaturpreis der Europäischen Union.

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