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Das Thriller-Genre und seine Sub-Genres: Welche Unterschiede es gibt

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Von: Jessica Bradley

Aufgeschlagenes Buch mit Brille
Buch mit Brille © Rene Traut/Hotspot-Foto

Dass Romane in thematische Gruppen - die sogenannten Genre - eingeteilt werden, hilft uns, die für uns richtigen zu finden. Eine davon ist das Thriller-Genre, das sich wiederum in viele Sub-Genre unterteilt. Hier erkläre ich, welche Arten von Thrillern es gibt.

Das Schwierigste gleich vorneweg: In wie viele Sub-Genre man das Thriller-Genre unterteilen möchte, hängt vom Zweck ab. Manche Lesende interessieren sich vielleicht nur für historische Spionagethriller aus dem Weltkriegs-London und nutzen daher eine feinere Genre-Gliederung, als wer nur den groben Überblick will. Ich werde in diesem Artikel alle wichtigen Thriller-genres vorstellen.

Manchmal ist es außerdem nicht leicht zu entscheiden, zu welchem Genre ein bestimmter Roman gehört, weil er irgendwie in mehrere und in keines richtig passt. Und wer weiß: Was heute noch in keine Schublade will, begründet vielleicht demnächst ein neues Sub-Genre. Wie die Welt wandelt sich auch die Literatur. Um diese Übersicht anschaulicher zu machen, beschreibe ich die einzelnen Genres und gebe jeweils ein paar Beispiele. Mal sehen, was man Neues für sich entdecken kann.

Das Thriller-Genre:

Doch zuerst das Wichtigste: Was ist eigentlich ein Thriller? Das englische „to thrill“ bedeutet in Spannung versetzen, mitreißen, fesseln. Und genau das soll ein Thriller auch leisten: Er soll sein Publikum in Atem halten. Um das zu erreichen, werden große gefahren geschildert - oft für die Hauptfigur selbst -, ein dramatisches Ereignis jagt das nächste und häufig ist es ein Rennen gegen die Zeit.

Hochspannung ist in vielen Romanformen vorhanden. Aber im Thriller ist sie das Kernelement. Den gesamten Roman wird die Spannung aufrechterhalten, und es gibt nur kleine bis gar keine Atempausen. Thriller sind oft sehr actionreich. Die Lesenden werden gerne direkt ins geschehen geworfen. Und meist geschehen im Verlauf des Buches Verbrechen.

Die Sub-Genre:

Und dann fangen die Unterschiede an: Die Hauptfiguren kämpfen gegen Einzelpersonen, Gruppen, Verschwörungen, den Staat, Öko- und Naturkatastrophen. In manchen Fällen geschieht dies auf moralische, psychologische oder physische Art und Weise. Thriller können einen sehr dunklen Unterton haben und auf Unstimmigkeiten, z.B. im sozialen Bereich, hinweisen. In den Thriller-Sub-Genre kommen bestimmte Kriterien hinzu: Politik, Spionage, Horror, Romantik, Fantasy, Sciences-Fiction, Verschwörungsmythen oder Unerklärliches. Geschieht das nicht, hat man es mit einem sogenannten „klassischen“ Thriller zu tun. Beispiele sind „Tödliches Vergessen“ von Connie Roters oder „Früchte die man sät“ von Rosenfeld und Höjrd. Dort stehen zwar psychologische Motive im Vordergrund, doch dreht sich die Geschichte nicht um so etwas wie einen psychopatischen Killer.

Der Psycho-Thriller:

Womit wir zum nächsten genre kommen. Der Psycho-Thriller ist uns spätestens dank Alfred Hitchcocks Verfilmung des Romans „Psycho“ von Robert Bloch bekannt. Auch Romane wie „Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris und der Roman „Playlist“ von Sebastian Fitzek sind uns ein Begriff. Sie stehen stellvertretend für dieses Genre.

Hier wird auf die emotionale Reaktion der Lesenden hingearbeitet. Man soll psychisch mit der Hauptfigur mitleiden. Die Bedrohung lauert meist beispielsweise im direkten Umfeld des Protagonisten. Entweder sind nahestehende Personen in Gefahr oder es droht ein versteckter Gegenspieler. Als Aggressoren dienen hier Soziopathen oder Psychopaten. Sie zeichnen sich durch nicht nachvollziehbaren oder schwer nachvollziehbaren Motive oder Rachegelüste aus.

Der Mystery-Thriller:

Manchmal weiß die Hauptfigur eines Psychothrillers nicht, wer oder was die Quelle der Bedrohung ist, der sie sich entgegenstellen muss. Dann haben wir einen Mystery-Thriller vor uns – von Mystery, Geheimnis. Das Böse schlägt aus dem Nichts zu. Man bekommt das Gefühl, eine unbekannte Kraft sei am Werk, gegen die man nichts ausrichten kann. Dieses Sub-Genre kann auch deutlich mehr brutale Gewalt beinhalten. 

Ich denke da an den Mystery-Thriller „Sieben“, der literarischen Bezüge zu Dantes „Göttlicher Komödie“ hat - eine Mischung aus Psycho- und Mystery-Thriller. Hier kommen auch religiöse Motive zum Tragen. Andere Romane spielen mit Legenden oder dem Anschein einer übersinnlichen Gefahr. Die bekannte Serie „Akte X“ nutzt solche Komponenten. Dieses Sub-Genre ist nicht nur spannend, sondern kann die Lesenden auch gruseln. Hier ähneln es den Horror-Thrillern. Beispiele sind „Dunkelsteig“ von B.C. Schiller oder „Die Wälder“ von Melanie Raabe.

Der Polit-Thriller:

Wie sehr sich Thriller-Sub-Genre überschneiden können bzw. sich Romane nicht eindeutig zuordnen lassen, zeigen die Polit-Thriller. Verschwörungs-Thrillern und Spionage-Thriller passen dazu. In vielen Fällen geht es um Terrorismus, korrupte Politiker oder verschworene, geheime Organisationen. Ein bekanntes Beispiel sind Dan Browns „Sakrileg“ oder „Illuminati“. Auch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ von Peter Høeg oder „Die purpurnen Flüsse“ von Jean-Christophe Grangé gehören in dieses Genre. Politische Attentate, wie in „Tödliche Hetze“ von Matthias P. Gilbert oder die Strafverfolgungen wie in „Der Fall des Präsidenten“ von Marc Elsberg sind geläufige Themen des Polit-Thrillers.

Um eine mögliche Spielart des Thrillers handelt es sich bei den historischen Thrillern, auf die ich nicht gesondert eingehen möchte. Ich illustriere sie einfach mit Folgendem: Nimm die Handlung eines Thrillers und lasse sie in einer anderen Zeit spielen. So macht es “Ein Präsident verschwindet“ von Ralf Langroth – ein historischer Polit-Thriller.

Der Justiz-Thriller:

Der bekannteste Autor dieses Genre ist John Grisham. Der ehemalige Rechtsanwalt hat viele bekannte Gerichts-Thriller geschrieben:. „Der Regenmacher“, „Die Akte“, „Der Verdächtige“ und „Die Jury“ sind nur einige von ihnen. In diesem Genre, insbesondere bei Grisham, geht es um einen (meist jungen) Anwalt, der sich mit den Großen anlegt – und hoffentlich gewinnt.

Übervorteilte Minderheiten, ökonomisch Benachteiligte und Ausgebeutete, zu Unrecht Verurteilte spielen im Gerichts-Thriller gern eine Hauptrolle. Dreh- und Angelpunkt in diesem Genre sind die Gerichtsverhandlungen.

Der Hightech-Thriller:

Er wird auch Sciences-Fiction-Thriller genannt. Diese Thriller Art beschäftigt sich u. a. mit technischen Szenarien aus der nahen Zukunft. Beispiele hierfür sind Michael Hirtzys „Vor dem Abgrund“ oder „Countdown zum Untergang“: Entwickler von Nato-Bots, sehen sich urplötzlich einer unüberwindbaren Gefahr gegenüber. Inhaltliche Überschneidungen gibt es manchmal mit dem Sub-Genre der Öko-Thriller.

Der Öko-Thriller:

Ähnlich wie im Sciences-Fiction-Thriller kann im Öko-Thriller eine unbekannte „Macht“ als Gegner drohen, welche diesmal eher aus dem Naturbereich stammt. Dies können Tiere sein, wie in „Der Schwarm“ von Frank Schätzing, oder eine Pandemie, wie in „Noah“ von Sebastian Fitzek. Auch Michaels Crichtons Romane „Jurassic Park“ oder „Beute“ gehören u.a. in dieses Genre. Hier sind wir natürlich an einer Schnittstelle zu Thrillern, die sich um (Natur-)Katastrophen drehen .Andererseits kann es im Öko-Thriller um eine Gefahr für die Natur gehen.

Dieses Sub-Genre des Thrillers hinterfragt Umweltverschmutzungen, den Kapitalismus oder in manchen Fällen die Digitalisierung, worin eine Verwandtschaft zum Hightech-Thriller zu sehen ist. Im Kern jedoch ist es eine Frage von Mensch vs. Natur.

Der Romance-Thriller:

Es erstaunt wenig, dass man Thriller auch mit Romantik verschneiden kann. Dieses Sub-Genre bietet erotische oder romantische Geschichten. Der Aspekt des Thrillers hält sich damit die Waage. Becca Fosters Roman „Blind Date – Tödliche Verführung“ gehört in diese Kategorie. Größtenteils ist hier eine Frau die Hauptperson, die romantische Gefühle entwickelt - entweder zum Gegenspieler oder dem Ermittler. Als Randbemerkung möchte ich festhalten, dass es natürlich auch Fantasy-Thriller gibt – sogar solche mit Romance-Anteil wie bei „Twilight“.

Der Horror-Thriller:

Fantastisch geht es auch im Horror-Thriller oft zu. Diese Kategorie ist jedoch eher aufgeweicht, denn meist rutscht sie doch eher ins Horror-Genre. Ein Beispiel ist der Roman „Epiphanie“ von Nicole Siemer. Selbst Thomas Harris Serie um den Kannibalen „Hannibal Lecter“ würde in dieses Sub-Genre passen. Genauso der Roman „Hyde and Seek“ von John Polson, der mit Robert de Niro verfilmt wurde. Ebenfalls passt in diese Kategorie die Romane von Stephen King. Einige von ihnen haben Thriller-Elemente. Wie z.B. „Billy Summers“.

In dieser Roman Kategorie werden explizit Genre-Eigenschaften von Horror benutzt: extreme Gewalt oder übernatürliche Bedrohungen. Letztere sind aber nicht zwingend. Und selbst wo Übernatürliches schimmert, kommt manchmal am Ende heraus, dass die Täter doch Menschen sind. Dies ist ein entscheidender Unterschied zum klassischen Horror-Genre.

Der regionale Thriller:

Ob forensischer oder medizinischer Thriller, ob die gewalttätige Hard-Boiled-Variante oder ein Thriller im Noir-Stile. Es ließen sich noch einige immer speziellere Thriller-Genres aufzählen. Es gibt sogar religiöse Thriller um mythische Gegenstände oder kirchliche Geheimnisse. Stattdessen möchte ich zum Schluss die regionalen Thriller erwähnen, die natürlich mit jeder der oben genannten Arten von Thrillern kombiniert werden können.

Bekannt geworden durch den Hype um skandinavischen Thriller- Autoren gibt es regionale Thriller mittlerweile auch als Sub-Genre. Dazu beigetragen haben u. a. Henning Mankells „Der Mann, der lächelte“, Stieg Larssons „Verblendung“, Adler Olsens „Erbarmen“ und Ann Cleeves „Die Nacht der Raben“. Diese Thriller spielen hauptsächlich in einer bestimmten Region und haben inhaltlich einen großen Bezug zu diesen Landschaften oder Orten. Keine Gegend, keine Großstadt wurde so noch nicht erschlossen. Und das ist auch gut so, denn kein Thrill ist schließlich größer als derjenige, der uns ganz nahe rückt.

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