Zwei Stunden für eine Strähne: 50 Auserwählte häkeln Rapunzel-Zopf für Brüder-Grimm-Festspiele

Rund 1200 Menschen wollten helfen, den sechs Meter langen Rapunzel-Zopf für das gleichnamige Märchen bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau zu häkeln. 50 von ihnen wurden ausgelost - und haben sich nun zu einer ersten Häkel-Session getroffen.
Hanau - Es waren einmal viele fleißige Häklerinnen. Sie hörten von einem Aufruf und wollten alle mithelfen, damit Rapunzel bei den Brüder Grimm Festspielen in Hanau einen prächtigen Zopf bekommt. An dem soll der Prinz im Juni zu seiner Angebeteten auf den Turm klettern. Die Festspielleitung hat unter den rund 1200 Freiwilligen, die ihre Mithilfe angeboten haben, 50 ausgelost.
50 Auserwählte häkeln Rapunzel-Zopf für Brüder-Grimm-Festspiele
Sechs Meter lang soll der Zopf werden und am 7. Juni bei der Premiere von „Rapunzel“ erstmals auf der Bühne zu sehen sein. Die einzelnen Stränge aus Wolle, die die Häklerinnen fertigen, werden zu einem dicken Zopf zusammengefügt und dekoriert. Erstmals haben sich die Häklerinnen und ein einzelner Häkler nun im Stadthof in Hanau getroffen, um die ersten Zopf-Strähnen zu häkeln.
Mit viel Finesse soll dann bei den Aufführungen der Eindruck erweckt werden, dass es sich bei dem Zopf aus Wolle um Rapunzels märchenhaft langes Haar handelt, wie Wiebke Quenzel, Chef-Maskenbildnerin der Festspiele, erklärt. Sie hatte auch die Idee zu der Häkel-Aktion.
Die Resonanz auf den öffentlichen Aufruf „Ein Zopf für Hanau“ war nach Worten von Festspiel-Sprecher Jeroen Coppens überwältigend. Selbst aus Berlin und dem Ausland hätten sich Freiwillige gemeldet. „Zu 99 Prozent handelte es sich um Frauen“, sagt Coppens.
„Es ist wunderbar zu sehen, wie viele Menschen hier im Stadthof zusammengekommen sind, um Teil dieses tollen Projekts zu sein“, sagte Hanaus Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri (SPD) anlässlich des Auftakt-Häkelns am Dienstag nach Ostern. Auch Wiebke Quenzel zeigte sich beeindruckt von der Energie im Stadthof: „Es ist unglaublich, wie viel Schwung und Freude hier spürbar ist. Ich bin begeistert von der Schnelligkeit, mit der direkt losgelegt wurde.“
Zwei bis drei Stunden dauert eine Strähne für Rapunzel-Zopf
„Wir sind in unserer Familie große Fans der Festspiele und ich bin aus einer Generation, in der man Häkeln noch in der Schule gelernt hat“, sagt Anke Triffterer aus Raunheim. „Als ich dann von der Aktion gehört habe, dachte ich mir, das passt gut zusammen. Deshalb habe ich mich gemeldet und freue mich jetzt, dabei sein zu können.“
Und wie lange dauert es für eine routinierte Häklerin, bis sie ihren gut sechs Meter langen Wollstrang mit Luft- und Kettmaschen gefertigt hat? „Zwei, maximal drei Stunden“, erklären zwei Frauen, die sich zu dem öffentlichen Häkeltermin im Stadthof eingefunden haben.
Die Brüder-Grimm-Festspiele
Die Festspiele in Hanau, der Geburtsstadt der Brüder Grimm, gehen in diesem Jahr in ihre 41. Saison. Los geht es mit dem Musical „Die Bremer Stadtmusikanten“ am 9. Mai. Neben „Rapunzel“ stehen auch noch die Stücke „Hänsel und Gretel“, „Bunbury - Ernst sein ist alles“ und „Tschick“ auf dem Spielplan.
Bis Dienstag (22. April) wurden bereits 50.000 Karten im Vorverkauf geordert - so viel wie noch nie zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Festspiele, wie Bürgermeister Maximilian Bieri berichtete. Karten sowie weitere Informationen rund um die Festspiele gibt es hier.
Ursprünglich hatte das Festspiel-Team laut einer Mitteilung der Stadt Hanau sogar mal überlegt, das gesamte Rapunzel-Zimmer auf der Bühne mit Häkel-Haar auszulegen. Sieben Quadratmeter wären das gewesen. „Von dieser Idee haben wir dann aber wieder Abstand genommen“, sagt Quenzel und lacht.

Für die anderen Häklerinnen, die nicht für die Zopf-Aktion ausgelost wurden, gibt es übrigens auch noch etwas zu tun: Sie fertigen bunte Häkel-Blumen, die ebenfalls bei den Rapunzel-Aufführungen zu sehen sein sollen. In welcher Form genau das passiert, wollte die Festspielleitung noch nicht verraten. Noch bis Dienstag, 13. Mai, können Häkelblumen bei der Verwaltung der Brüder-Grimm-Festspiele im Olof-Palme-Haus in Hanau abgegeben werden. (mit dpa-Material)