Nach Tegut-Deal: Wie es für Filialen und Mitarbeiter weitergehen könnte

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Von: Sabrina Mehler

Viele Hofbieberer fragen sich, wie das Gebäude in der Ortsmitte, in dem der Tegut-Markt noch untergebracht ist, nach einer Schließung genutzt wird.
Die Tegut-Filiale in Hofbieber wird geschlossen, das war bereits vor dem Verkauf der Kette bekannt. © Rainer Ickler

Der Schweizer Handelskonzern Migros hat die Supermarktkette Tegut verkauft. Was wird nun aus Filialen, Unternehmenszentrale, Mitarbeitern und regionalen Lieferketten?

Bekannt ist bislang, dass Migros rund 200 der mehr als 300 Filialen sowie das Logistikzentrum in Michelsrombach an Edeka verkaufen will. Beide Seiten haben bereits eine Vereinbarung unterzeichnet; das Geschäft bedarf noch der Zustimmung des Kartellamtes. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden.

Darüber hinaus verhandelt Migros mit Rewe über das zweitgrößte Filialpaket. Der Discounter Aldi Nord soll sich für eine einstellige Zahl von Standorten interessieren, und laut Lebensmittel-Zeitung könnte Tante Enso mit seinen halbautonomen Mini-Supermärkten – und mit Ex-Tegut-Chef Thomas Gutberlet als neuem Geschäftsführer an der Spitze – ebenso in Verkaufsgespräche einsteigen. Für Migros könnte dieser Wettbewerb den Verkaufserlös erhöhen, zugleich würde er den deutschen Lebensmittelmarkt verändern – vor allem in Osthessen.

Tegut-Verkauf: Diese Unternehmen interessieren sich für Filialen

Besonders bitter ist die Entwicklung für die Beschäftigten in der Tegut-Zentrale am Gerloser Weg in Fulda. „Wie viele Mitarbeitende dort weiterbeschäftigt werden, steht noch nicht fest“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Günter Ledermann auf Nachfrage – das sei Teil des Vertrags zwischen Edeka und Migros. Nach Informationen unserer Zeitung steht allerdings allen Mitarbeitenden der Zentrale die Kündigung bevor.

Die Tegut-Zentrale im Gerloser Weg in Fulda.
Den Mitarbeitern der Tegut-Zentrale in Fulda droht die Kündigung. (Archivfoto) © Sabrina Mehler

Schon Ende 2024 waren im Zuge eines damals angekündigten Sanierungsprogramms rund 120 Stellen abgebaut worden. Nun scheint der gesamte Standort der Zentrale vor dem Aus zu stehen. In einem Brief an die Beschäftigten schreibt der Betriebsrat, man stehe in engem Austausch mit der Geschäftsführung: „Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich Klarheit über die weiteren Schritte zu bekommen. Zusätzlich nehmen wir rechtliche Schritte in Anspruch, um euch bestmöglich zu unterstützen und eure Interessen zu schützen.“

Mitarbeitern der Tegut-Zentrale in Fulda droht die Kündigung

Der Einschnitt kommt in einer Phase, in der Tegut sein Filialnetz bereits deutlich verändert hat. In der Region wurde erst kürzlich das Aus des Marktes in Hofbieber sowie der Filiale in Wüstensachsen angekündigt. Auffällig ist dabei, dass die Entwicklung nicht überall gleich verlief: Während in Osthessen Standorte aufgegeben wurden, expandierte das Unternehmen gleichzeitig in anderen Teilen Deutschlands. Noch vor knapp einem halben Jahr hatte Migros berichtet, dass unter anderem in Darmstadt und Frankfurt gerade erst neue Tegut-Märkte eröffnet wurden.

Unklar ist auch die Zukunft eines Projekts in Petersberg: An der Landwehr waren die bekannten Tegut-Zelte wegen schlechter Bausubstanz abgerissen worden. Noch vor wenigen Monaten hatte Migros beteuert, dass der Markt wieder aufgebaut werden soll. Verantwortlich für die Umsetzung ist die Werner Projektentwicklung GmbH, der das Areal gehört. Auf Anfrage erklärt das Unternehmen, man habe derzeit keine näheren Informationen und könne daher keine Auskunft geben. Ein Edeka befindet sich quasi um die Ecke in der Pacelliallee, ebenso wie ein Rewe in der Alten Ziegelei.

Offene Fragen gibt es vielerorts: Welche Märkte werden künftig von Wettbewerbern übernommen, welche finden womöglich keinen neuen Eigentümer? Mancherorts könnten sich aber auch unerwartete Chancen ergeben: In Hünfeld beispielsweise kämpft der dortige Rewe-Markt seit Jahren mit einem beengten Standort. Eine mögliche Lösung wäre der Umzug 200 Meter weiter – in die Räume von Tegut im Haune-Center.

Zieht Rewe in Hünfeld bald an Tegut-Standort im Haune-Center?

Ein weiterer zentraler Punkt in den aktuellen Diskussionen ist das Logistikzentrum in Michelsrombach. Das 92.000 Quadratmeter große Lager war für einen dreistelligen Millionenbetrag errichtet und mit über 650 Beschäftigten erst 2023 eröffnet worden. Laut Migros will Edeka das Lager übernehmen, trotzdem sorgt die Situation bei den Beschäftigten für Unsicherheit. Der Grund: Die regionale Edeka-Gesellschaft Edeka Hessenring plant derzeit ein weiteres Logistikzentrum in Melsungen – nur 70 Kilometer von Michelsrombach entfernt.

Das Tegut-Aus hat jedoch nicht nur Folgen für Beschäftigte. Viele Unternehmen könnten einen wichtigen Vertriebspartner verlieren. Zu den regionalen Produkten, die seit Jahren zum Sortiment von Tegut-Märkten gehören, zählen etwa Backwaren der antonius-Bäckerei, Spirituosen der Schlitzer Destillerie, Eis der Eisheiligen aus Gersfeld und Eier aus der Rhön.

„Tegut war für antonius über viele Jahre hinweg ein wichtiger und zuverlässiger regionaler Partner“, erklären etwa Ulrich Schmitt und Swen Friedrich von der Geschäftsleitung von antonius. Märkte seien mit Gemüse wie Kohl und Rettich, Getreide für Müsli, Fruchtaufstriche und Chutneys beliefert worden. In einigen Filialen gab es sogar eigene Regale und eine Brotauswahl. Antonius werde infolge der Übernahme nun die Anbau- und Produktionsplanung anpassen. „In den kommenden Wochen werden wir neue Absatzwege für unsere Produkte erschließen und dazu mit bestehenden sowie potenziell neuen Partnern sprechen“, sagen Schmitt und Friedrich. Grundsätzlich blicken beide zuversichtlich nach vorn. Der Markt für regional und nachhaltig erzeugte Lebensmittel habe sich etabliert, man sei überzeugt, auch künftig gute Abnehmer zu finden.

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