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Chef der Altstadtwache erklärt, wer hinter den Krawallen am Samstagabend steckt

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Polizisten im Einsatz in der Innenstadt von Düsseldorf.
100 Jugendliche haben in der Innenstadt von Düsseldorf einen Polizeieinsatz ausgelöst. © Gerhard Berger/dpa

Es ist wenige Tage her, da randalierten 100 Jugendliche in der Altstadt. Die Polizei hat die Gruppe schon länger im Visier. Wird die jugendliche Szene durch Corona aggressiver?

Düsseldorf – Nach den Tumulten in der Düsseldorfer Altstadt, steht vor allem eine Frage im Raum: Wird die Jugend in Düsseldorf zunehmend brutaler? Der Leiter der Polizeiinspektion Mitte, Thorsten Fleiß, spricht von einer neuen, jüngeren Szene, die sich erst während des neuen Teil-Lockdowns gebildet hat. Was hat es damit auf sich?

Tumulte in Düsseldorf: Was hat es mit der neuen Szene in der Altstadt auf sich?

Thorsten Fleiß hat die Jugendlichen, die am Samstagabend einen Streifenwagen attackierten, schon länger im Visier. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur berichtete der Leiter der Polizeiinspektion Mitte von einer neuen, jungen Szene, die sich erst im zweiten Teil-Lockdown gebildet hat. Der Treffpunkt dieser Gruppe sei der Eingang zur Altstadt vor einer U-Bahn-Station. Die Jugendlichen, die der Polizei bekannt sind, kommen alle aus weniger wohlhabenden Stadtteilen Düsseldorfs. Die Polizei nimmt an, dass ihnen wegen Corona zu Hause in den engen Wohnungen die Decke auf den Kopf falle.

In diesem Jahr war dies die vierte Tumultlage in der Düsseldorfer Altstadt, wie Fleiß mitteilte. Er betonte aber auch, dass der Vorfall am Samstag eine neue Dimension habe. Zwar gab es auch im Sommer größere Gruppen, die an den Wochenenden oder frühmorgens Unruhe stifteten. Die Personen waren jedoch älter und kamen auch aus dem Umland, wie dem Ruhrgebiet. Außerdem sei die Szene im Sommer aggressiver gewesen, zum Beispiel habe die Gruppe auch mit Flaschen geworfen.

Düsseldorf: Das ist am Samstag, dem 5. Dezember in der Altstadt passiert

Wie die Polizei berichtete, haben am Samstagabend, dem 5. Dezember, 100 bis 120 Jugendliche randaliert und gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen. Als die Polizei einschritt und einen der Unruhestifter festnahm, ließen sich die Jugendlichen dies nicht gefallen. 50 von ihnen attackierten den Streifenwagen, in dem der 16-Jährige festgehalten wurde und forderten dessen Freilassung. Einige der Jugendlichen kletterten dabei auch auf das Polizeifahrzeug und beschädigten es. Beim Eintreffen weiterer Polizisten flüchtete die Gruppe. Im Zusammenhang mit dem Vorfall hat die Polizei zehn Jugendliche vorläufig festgenommen und sie später wieder ihren Eltern übergeben. Verletzt wurde bei den Krawallen in der Innenstadt niemand.

Krawalle in Düsseldorf: Polizisten wappnen sich gegen Gefahrenlage

Um sich gegen derartige Eskalationen zu wappnen, hat die Polizei nun ihre Einsatztaktik in der Altstadt angepasst. So sind Polizisten dort nun in Vierer-Teams unterwegs. Dabei sprechen zwei Beamte die auffälligen Personen an, zwei sichern nach außen ab. Auch die Video-Überwachung werde nun ausgeweitet, so Fleiß. Die personellen Kapazitäten wurden ebenfalls aufgestockt: „Wir sind jetzt bereits am frühen Abend kräftemäßig entsprechend aufgestellt. Es gibt eine schnelle Ansprache: Wenn unsere - teilweise selbst noch jungen Kollegen - eine Situation sehen, wo es zum Beispiel zu noch scherzhaft gemeinten Rangeleien kommt, zu pseudo-aggressivem Verhalten, da gehen sie ran“, sagt Fleiß.

Der nächste Schritt nach dieser Ansprache sei dann der Platzverweis. Und wenn die Unruhestifter dann immer noch nicht aufhören, kommen sie in Gewahrsam und verbringen die Nacht auf der Wache, so Fleiß. Ob die verschärften Maßnahmen bei den Jugendlichen Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten. Gegen die randalierenden Jugendlichen am Samstagabend wird währenddessen weiter ermittelt. (nb mit dpa)

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