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Kündigung, weil Mann Desinfektionsmittel für 40 Euro aus Firma klaute – Fall landet vor Gericht

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Desinfektionsmittel im Metro - Großmarkt in Düsseldorf.
Desinfektionsmittel sind besonders seit dem Beginn der Corona-Pandemie sehr gefragt. © imago images / Norbert Schmidt

Weil er zu Beginn der Corona-Pandemie an seinem Arbeitsplatz Desinfektionsmittel geklaut haben soll, wurde einem Mann fristlos gekündigt. Nun stand der Fall vor Gericht.

Düsseldorf – Ein Paketzustellunternehmen kündigte einem langjährigen Mitarbeiter, weil er zu Beginn der Corona-Pandemie eine Liter-Flasche Desinfektionsmittel gestohlen haben soll. Jetzt wurde die Kündigung vor Gericht bestätigt.

Düsseldorf: Gericht weist Klage nach Kündigung ab: „Desinfektionsmittel war Mangelware“

Gerade mal 40 Euro soll die Flasche Desinfektionsmittel Wert gewesen sein, die ein Angestellter eines Paketzustellunternehmens am Anfang der Corona-Pandemie entwendet haben soll. Die Firma, bei der der Mann seit 2004 als Be- und Entlader sowie Wäscher für die Fahrzeuge gearbeitet hat, kündigte ihm daraufhin fristlos.

Der Mann reichte vor Gericht Klage gegen die Kündigung ein. Doch nun bestätigte das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf die Entscheidung des Unternehmens und wies die Klage ab. „Der Kläger hat in einer Zeit der Pandemie, als Desinfektionsmittel Mangelware war, eine nicht geringe Menge entwendet“, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Zudem habe er in Kauf genommen, dass seine Kollegen leer ausgingen.

Düsseldorf: Laut Gericht verschwanden mehrfach Desinfektionsmittel aus der Firma

Der Werkschutz des Unternehmens fand die Flasche bei einer Stichprobenkontrolle an der Ausfahrt des Firmengeländes im Kofferraum des Mannes. Wie das Gericht mitteilte, seien zur damaligen Zeit immer wieder Desinfektionsmittel aus den Waschräumen der Firma verschwunden.

Der Beschuldigte behauptete, dass er während der Arbeit stündlich zu seinem Auto gegangen wäre, um sich die Hände zu desinfizieren. Das Desinfektionsmittel habe er für sich und eventuell seine Kollegen verwenden wollen. Zudem müsse er es nicht stehlen, da seine Frau in der Pflege arbeite und die Familie dadurch versorgt werde.

Landesarbeitsgericht in Düsseldorf: Ausführungen des Klägers „nicht nachvollziehbar“

Das Gericht glaubte seinen Ausführungen nicht. „Es ist zudem nicht nachvollziehbar, dass er das Desinfektionsmittel auch für die Kollegen verwenden wollte, denn weder hatte er ihnen gesagt, wo er das Mittel aufbewahrt noch ihnen den Autoschlüssel gegeben, damit sie es benutzen können“, betonten die Richter in ihrem Urteil. Außerdem sei die aufgefundene Flasche nicht angebrochen gewesen.

Das Gericht bestätigte daher die Kündigung in zweiter und letzter Instanz. Eine Abmahnung sei trotz der langen Beschäftigungszeit im Unternehmen nicht erforderlich gewesen. (bs mit dpa)

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