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Düsseldorf: Wo bleiben die Impfungen für das medizinische Personal? Notarzt übt scharfe Kritik am Land NRW

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Von: Benjamin Stroka

Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens bereitet eine Spritze für eine Impfung gegen das Coronavirus vor.
In Düsseldorf wurden bis zum Jahresende erst 2546, der vorhandenen 4402 Dosen verimpft (Symbolfoto). © Maya Alleruzzo/dpa

Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Düsseldorf kritisiert das Land NRW. Er fordert sofortige Impfungen für das medizinische Personal im Kampf gegen das Coronavirus.

Düsseldorf – Sie kämpfen seit Monaten an vorderster Front gegen das Coronavirus: Ärzte, Pfleger und Rettungsdienste. Doch bei den Impfungen gegen COVID-19 in NRW stehen sie offensichtlich erstmal hinten an. Scharfe Kritik zu diesem Vorhaben übt jetzt der Notarzt und ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Düsseldorf, Dr. Frank Sensen.

Aufruf auf Facebook: Leitender Notarzt aus Düsseldorf fordert Impfungen für das medizinische Personal

Auf seiner Facebook-Seite startete Sensen, explizit als „Privatperson“, einen emotionalen Aufruf, der bereits über 200 Mal geteilt wurde. „Ich fordere die Landesregierung NRW auf, mit sofortiger Wirkung und damit ohne weitere schuldhafte Verzögerung die COVID-19-Impfung von medizinischem Personal der höchsten Prioritätengruppe unverzüglich zuzulassen und aktiv zu unterstützen“, schreibt Sensen.

Er sei als Arzt, wie viele Tausend andere in NRW, in der direkten Versorgung von Corona-Patienten tätig und damit unmittelbar selbst betroffen. „Nach zahllosen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus ärztlichem Dienst, Pflege und Rettungsdienst, spreche ich hier ausdrücklich für die gesamte Gruppe des medizinischen Personals“, betont Sensen.

Der leitende Notarzt kritisiert, dass bislang ausschließlich Menschen in Pflegeeinrichtungen geimpft würden. Dies entspräche nicht den Vorgaben des Bundes. Obwohl es aktuell organisatorische Probleme bei den Impfungen in den Pflegeeinrichtungen gebe und dementsprechend „relevante Mengen an Impfdosen“ verfügbar seien, werde laut Sensen das medizinische Personal in der Corona-Versorgung trotzdem offiziell nicht geimpft.

„Gerade dieses Personal aber ist trotz Schutzausrüstung in besonderem Maße einem beruflich bedingtem Infektionsrisiko ausgesetzt. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen sind schwer erkrankt, viel zu viele sind gestorben. Die Impfung dieses Personenkreises würde diese effektiv schützen“, klagt Sensen.

Leitender Notarzt aus Düsseldorf: Land NRW handelt „ethisch und moralisch verwerflich“

Dann spricht Sensen sogar mögliche rechtliche Schritte an: „Nehmen Sie die Ihnen obliegende Aufgabe wahr, die im Gesundheitswesen Tätigen vor vermeidbaren Schädigungen zu schützen“, fordert der Arzt vom Landesgesundheitsministerium. Diesen Schutz wissentlich zu verwehren sei „ethisch und moralisch verwerflich“ und spätestens bei Eintritt eines Schadens zivil- und strafrechtlich zu belangen. „Ich appelliere an Sie: Geben Sie unverzüglich den vorhandenen Impfstoff für die Impfung von medizinischem Personal der obersten Priorität frei“, fordert Sensen vom Land NRW.

Seit dem 27. Dezember wird in Düsseldorf offiziell gegen das Coronavirus geimpft. Allerdings noch nicht im dafür vorgesehenen Impfzentrum der Stadt in der Merkur-Spiel-Arena, sondern zunächst ausschließlich in Pflegeeinrichtungen. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, seien die bislang für Düsseldorf zugeteilten Impfdosen noch nicht vollständig verbraucht. Demnach erhielt die NRW-Landeshauptstadt bis zum Jahresende 4402 Impfdosen, aber davon seien nur 2546 in 14 Pflegeheimen verimpft worden. Das Problem sollen fehlende Einverständniserklärungen aus den Heimen sein. (bs)

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