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Düsseldorf plant neue Eigentumswohnungen, doch kaum einer darf sie kaufen und einziehen

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Von: Benjamin Stroka

Mehrere Wohnhäuser an einer Straße in Düsseldorf.
Der Wohnungsmarkt in Düsseldorf ist seit Jahren umkämpft (Symbolbild). © Marcel Kusch/dpa

Bezahlbare Eigentumswohnungen für Menschen in systemrelevanten Berufen. Das plant die Stadt Düsseldorf. Doch das Vorhaben wird zum Teil scharf kritisiert.

Düsseldorf – Verzweiflung, Unverständnis und Kritik: Das sind die wohl häufigsten Reaktionen, die die seit Jahren fast unverändert hohen Mietpreise in Düsseldorf bei den Einwohnern der NRW-Landeshauptstadt hervorrufen. Nun plant die Stadt ein neues Wohnungskonzept, das Menschen in systemrelevanten Berufen helfen soll.

Düsseldorf: In Gerresheim sollen 30 Wohnungen für Menschen in systemrelevanten Berufen entstehen

Im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim plant die Stadt den Bau von bezahlbaren Eigentumswohnungen. Gekauft werden dürfen diese Wohnungen nur von Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind und ein bestimmtes Maximaleinkommen jährlich nicht überschreiten. Zu den systemrelevanten Berufen zählen zum Beispiel Berufe in den Bereichen Lebensmittelversorgung, Gesundheit, Energie oder Finanzwesen. Dem entsprechenden Beschluss stimmte der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung der NRW-Landeshauptstadt am Mittwochabend zu.

Es geht um ein städtisches Grundstück an der Bertastraße in Gerresheim (Google-Karte entspricht nur dem ungefähren Standort), das die Stadt verkaufen möchte. Der Käufer soll dann bezahlbare Eigentumswohnungen für systemrelevant Berufstätige bauen. Insgesamt sollen auf dem Grundstück rund 30 Wohnungen entstehen. Die Stadt Düsseldorf betont, dass bei dem Plan auch „ökologisches Bauen“ berücksichtigt werde und bei der Wahl eines Investors neben dem Kaufpreis, ebenfalls entscheidend sei, wer den günstigsten Weiterverkaufspreis der Wohnungen anbietet.

SPD und Linke kritisieren die Stadt Düsseldorf: „Miete zu hoch? Dann kauf dir doch ne Eigentumswohnung“

Zum Teil scharfe Kritik übten SPD und Linke. Die Düsseldorfer SPD reagierte auf ihrer Facebook-Seite mit einem Bild von Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als Sklavenhalter und Plantagenbesitzer Calvin Candie aus dem Film „Django Unchained“. Darunter schrieb sie: „Miete zu hoch? Kauf dir doch ne Eigentumswohnung!‘ CDU, Grüne und FDP halten das für ein faires Angebot für Krankenschwestern, Polizeibeamte, Altenpfleger. Für Menschen in diesen systemrelevanten Berufen soll an der Bertastraße in Gerresheim gebaut werden - aber nur Eigentumswohnungen. Unser Vorschlag: Stattdessen günstige Mietwohnungen zu bauen. Da war Klatschen ja noch besser.“

Auch die Linke übte Kritik und bezeichnete das Vorhaben als „Mogelpackung“. „Da wird unter einem sozialen Deckmäntelchen ein städtisches Grundstück privaten Investoren hinterhergeworfen“, sagte die Sprecherin der Linke-Ratsfraktion, Julia Marmulla, vor der Abstimmung. Auch sie forderte stattdessen Mietwohnungen, da Eigentumswohnungen, gerade für Verkäuferinnen, Pflegerinnen und Hebammen, zu teuer blieben.

Kein maximaler Verkaufspreis festgelegt – Stadt Düsseldorf will mögliche Kalkulationen nicht beeinflussen

Neben der Systemrelevanz des Berufs wurde als weitere Bedingung von der Stadt festgelegt, dass die Wohnungen nur an Menschen abgegeben werden dürfen, die maximal 60 Prozent mehr verdienen als die Einkommensgrenze für öffentlich geförderten Wohnungsbau. In Düsseldorf läge diese Grenze für einen Single-Haushalt bei rund 48.500 Euro brutto im Jahr, bei Eltern mit einem Kind bei 72.800 Euro.

Einen maximalen Verkaufspreis für die neuen Wohnungen habe man in dem Konzept nicht festgelegt, „um nicht schon jetzt mögliche Kalkulationen zu beeinflussen“, so ein Stadtsprecher. Für die Stadt Düsseldorf ist es die erste „Konzeptausschreibung“ mit diesem Ziel. Und es muss nicht die letzte sein: „Sollte das Angebot der Stadt positiv aufgenommen werden, sind weitere Vorhaben denkbar.“ (bs/dpa)

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