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Düsseldorf: Eilantrag gegen „Protected Bike Lane“ in Holthausen abgelehnt – Arbeiten werden fortgesetzt

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Von: Stefanie Knupp

Eine vielbefahrene Straße mit zwei Fahrradfahrern auf ungesicherten Radwegen
In solchen Situationen kann es brenzlig werden. In Holthausen sollen abgetrennte Radwege schützen (Symbolbild). © Robert Michael/picture alliance/dpa

Ein Unternehmen hat gegen einen abgetrennten Radweg geklagt und scheiterte jetzt vor Gericht. OB Stephan Keller will Düsseldorf 2025 als fahrradfreundlichste Großstadt sehen.

Düsseldorf – Die Pläne zur Umsetzung einer „Protected Bike Lane“ in Düsseldorf-Holthausen dürfen fortgeführt werden. Ein ortsansässiges Unternehmen war gerichtlich gegen das Vorhaben der Stadt vorgegangen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat einen Eilantrag heute abgelehnt.

Die Einrichtung des abgetrennten Radweges auf der Straße „Am Trippelsberg“ hatte die Stadt schon im November vergangenen Jahres angekündigt. Auf einem 1,2 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bonner Straße und Karweg sollten 10 Zentimeter hohe Trennelemente künftig Radfahrer vor dem fließenden Verkehr schützen. Ein Industrieunternehmen, das auf Lkw-Schwerverkehr angewiesen ist, wollte die Einrichtung per Eilantrag vorläufig zu stoppen.

Düsseldorf: Unternehmen hat keinen Rechtsanspruch auf vorteilhafte Verkehrsregelung

Das Verwaltungsgericht folgte dem Antrag nicht und schreibt zur Begründung, „dass die Abmarkierung der Radfahrstreifen die bisherigen Verkehrsverhältnisse nicht ändere.“ Das Unternehmen müsse hinnehmen, dass die Fahrbahn enger werde und Parkplätze und Lkw-Aufstellflächen wegfielen. Es besitze keinen Rechtsanspruch darauf, dass die Stadt die für ihn vorteilhafte Verkehrsregelung beibehalte, die bislang auf der öffentlichen Straße neben seinem Betriebsgelände gegolten habe.

Damit darf die Stadt mit den Arbeiten an Düsseldorfs erster Protected Bike Lane fortfahren. Das Unternehmen hat die Möglichkeit, dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Münster einzulegen.

Düsseldorf: Radweg wird durch aufgeschraubte Elemente geschützt

Auf der öffentlichen Straße im Reisholzer Hafengebiet will die Stadt auf beiden Seiten Radwege mit einer Breite von 1,95 Meter markieren. Es verbleiben mindestens 6,50 Meter an Fahrbahn für den restlichen Verkehr. Die Bike Lane soll baulich durch 10 Zentimeter hohe aufgeschraubte Elemente abgegrenzt werden. Wie wichtig sichere Radwege sind, zeigen leider immer wieder Unfälle zum Nachteil von Radfahrern – nicht nur in Düsseldorf.

Warum die erste „Protected Bike Line“ in Düsseldorf ausgerechnet durch ein Industriegebiet führt? An der Straße „Am Trippelsberg“ führen die überregionale Radroute Erlebnisweg Rheinschiene, der EUROGA-Radweg und der Rheinradweg entlang, erklärte die Stadt im November 2020. Der Radverkehr sei deshalb entsprechend hoch. Das Projekt schlägt mir insgesamt 250.000 Euro zu Buche. Darin enthalten ist zum einen die „Protected Bike Lane“ an sich (150.000 Euro), zum anderen der barrierefreie Ausbau der Bushaltestelle. Die Fahrradanlage wird aus der Pauschale zur Radverkehrsförderung finanziert.

Düsseldorf: OB Stephan Keller gibt ambitioniertes Ziel aus

Wir wollen bis 2025 die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands werden

OB Dr. Stephan Keller

Die Stadt Düsseldorf wird wohl in den nächsten Jahren noch einige Radverkehrsprojekte anschieben oder fortsetzen. Schließlich hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller noch in dieser Woche angekündigt: „Wir wollen bis 2025 die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands werden.“ Viele Projekte im Rahmen des Ausbaus des Radhauptnetzes laufen bereits oder werden dieses Jahr in Angriff genommen.

Im Frühjahr 2021 soll beispielsweise der letzte Bauabschnitt des Gesamtprojektes am Knotenpunkt Karlstraße/Worringer Straße starten. Am Ende der Arbeiten stehen den Düsseldorfer Radfahrern 1,6 Kilometer sicherer Radweg, durchgehend vom Oberbilker Markt über den Worringer Platz bis zum Wehrhahn zur Verfügung.

Radverkehr in Düsseldorf: ADFC begrüßt die Ansage des Oberbürgermeisters und bietet Hilfe an

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Düsseldorf begrüßt das Ziel des Oberbürgermeisters. „Die Botschaft des Oberbürgermeisters ist äußerst ambitioniert und sehr motivierend für uns“, erklärt Lerke Tyra, stellvertretende Vorsitzende des Düsseldorfer ADFC via Pressemitteilung „Wir bieten unsere konkreten Vorschläge und eine gute Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung an.“ 

Gradmesser für Kellers Ambitionen wird der vom ADFC alle zwei Jahre durchgeführte Fahrradklima-Test, dessen Ergebnis für 2025 somit schon feststehen sollte. In den vergangenen Jahren schnitt die Landeshauptstadt bei der Befragung eher bescheiden ab. Platz 9 gab es 2018 unter den 14 Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Die nächsten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests soll es im März diesen Jahres geben. Noch schlechter als Düsseldorf stand beim Vergleich der Fahrradfreundlichkeit der Rhein-Nachbar Köln da. Die Zustände sind vielerorts so bedenklich, dass sich sogar Satiriker Jan Böhmermann in das Thema einmischte. (sk)

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