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Düsseldorf: Sieben Männer wegen illegaler Geldtransfers angeklagt – es geht um über 200 Millionen Euro

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Beschlagnahmte Geldbündel liegen in einer Kiste beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen.
Bei Razzien zum „Hawala-Banking“ konnten Polizei und Staatsanwaltschaft 2019 mehrere Millionen Euro sicherstellen. © picture alliance/dpa/Landeskriminalamt NRW

Mit einem sogenannten „Hawala-System“ sollen sieben Männer illegale Geldtransfers in Millionenhöhe ins Ausland ermöglicht haben. Jetzt werden sie in Düsseldorf angeklagt.

Düsseldorf – Nach einer Großrazzia im Jahr 2019 hat die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf Anklage gegen sieben Männer wegen mutmaßlich illegaler Millionentransfers ins Ausland erhoben. Den Angeschuldigten werden die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstöße gegen das Waffen- sowie das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz vorgeworfen, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Die Gruppe soll ein sogenanntes Hawala-System aufgebaut haben, um Kunden – außerhalb des staatlich genehmigten Banken- und Finanzwesens – die Möglichkeit zu geben, Geld zu überweisen. Insbesondere zwischen Deutschland und der Türkei sei dabei Geld verschoben worden. Das Volumen an einem Werktag habe bis zu einer Million Euro betragen.

Hawala-Banking: So funktioniert das illegale Geldtransfergeschäft

Dem mutmaßlichen Rädelsführer wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Erbringung unerlaubter Zahlungsdienste in 2367 Fällen vorgeworfen. Die Gesamtsumme aus diesen Transaktionen belaufe sich auf rund 213 Millionen Euro. Zudem werde ihm unerlaubter Besitz einer halbautomatischen Waffe vorgeworfen.

Ein sogenanntes Hawala-System wird für Geldüberweisungen abseits traditioneller Bankkanäle genutzt. Das System beruhe auf einer Vertrauensbasis der Beteiligten, die oftmals der gleichen Ethnie angehörten, und habe sich in Regionen mit wenig entwickelten Banksystemen herausgebildet, heißt es in einer Analyse des Bundesfinanzministeriums. Es erlaube „Gelder nahezu ohne jede Möglichkeit der Rückverfolgung zu transferieren“.

Hawala-Banking: Polizei fand 2019 bei einer Großrazzia mehrere Millionen Euro in Bargeld und Edelmetallen

In dem Fall hatte es im November 2019 eine Großrazzia in mehreren Bundesländern gegeben. Polizei, Steuerfahndung und Justiz gingen mit mehr als 60 Durchsuchungsbeschlüssen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und in den Niederlanden gegen die Beschuldigten vor. Dabei sicherten sie riesige Werte, darunter mehr als sechs Millionen Euro Bargeld und mehr als sieben Millionen Euro in Edelmetallen.

Einem weiteren Angeschuldigten wird die Unterstützung der kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Er soll mindestens 6596 Kilo Gold von den Mitbeschuldigten angekauft und durch Auszahlung des Preises in Istanbul die Liquidität des Netzwerks in der Türkei gestützt haben. Das Landgericht Düsseldorf hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht über die Eröffnung eines Hauptverfahrens entschieden. Einer der Männer sitzt in Untersuchungshaft.

Ende Januar fand ebenfalls eine Großrazzia wegen Finanzdelikten in NRW statt. Diese hatten allerdings nichts mit dem sogenannten Hawala-Banking zu tun. Dort ging es in erster Linie um Geldwäsche. (bs/dpa/lnw)

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