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Nach Teenie-Attacke auf Retter in Düsseldorf: „Haben es verpasst, uns zu kümmern“

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Von: Mick Oberbusch

Menschen laufen an den Restaurants in der Bolkerstraße in der Altstadt von Düsseldorf vorbei.
Auf der Bolkerstraße in Düsseldorf haben Jugendliche einen Rettungseinsatz behindert. (Symbolbild) © Schöning/Imago

Nach den Vorfällen in Düsseldorf übt ein Streetworker Kritik – an Staat und Politik. Jugendliche hatten dort Rettungskräfte behindert und attackiert.

Düsseldorf – Die Vorfälle vom Wochenende, als in Düsseldorf eine große Gruppe Jugendlicher einen Rettungseinsatz in der Altstadt behinderte und im Zuge dessen auch Polizisten attackierte, sorgt bei den Streetworkern vor Ort für eine Menge Arbeit. Der Vorfall muss aufgearbeitet werden, nachdem ein tatverdächtiger 15-Jähriger im Zuge des Vorfalls festgenommen und im Anschluss einem Erziehungsberechtigten übergeben wurde. Wer sich mit dieser Arbeit mit Jugendlichen bestens auskennt, ist Franco Clemens, der sich für den Verein „Rheinflanke e.V.“ bereits seit Jahren in der Jugendarbeit engagiert.

Düsseldorf: Jugendliche behindern Rettungseinsatz – „Hotspot“ seit Jahren bekannt

Clemens zufolge handelt es sich bei den Vorfällen am Wochenende allerdings beileibe nicht um einen Einzelfall. „Die Zuspitzung der Lage in der Altstadt von Düsseldorf ist nicht neu, wir haben dort bereits in der Vergangenheit eine Reihe von Vorfällen beobachtet. Der dortige Hotspot ist Polizisten, Ordnungskräften und auch Streetworkern bereits seit Jahren bekannt“, erklärt er im Gespräch mit 24RHEIN. Nun käme jedoch ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor hinzu: Die Unzufriedenheit der Jugendlichen mit der aktuellen Corona-Situation.

„Bislang waren die zunehmende Verrohung und der Respektverlust gegenüber den Ordnungskräften bei bestimmten Jugendkulturen oftmals mit sozial prekären Lebensverhältnissen oder Bildungsarmut zu erklären“, so Clemens, der aber gleich anfügt: „Mittlerweile jedoch beobachten wir auch eine Reihe von Vorfällen, die sich mit Beginn der ständig verändernden Corona-Maßnahmen seitens der Politik in einem Auf und Ab als Stimmungslage wiederspiegeln.“

Düsseldorf: Streetworker mit Kritik an Corona-Maßnahmen der Politik

Was er damit meint: Durch die Pandemie und die damit verbundenen Regelungen, die unter anderem Treffen von Jugendlichen an öffentlichen Plätzen regulieren, habe sich ein großes Frustpotential bei eben diesen Jugendlichen angestaut. „Und dann reicht das Kommando von zwei, drei Rädelsführern, um einen solchen ‚Protest‘ gegen die Ordnungshüter durchzuführen.“

So, wie es am Wochenende in Düsseldorf auf der Bolkerstraße passiert sei. „Seit dem ersten Lockdown haben wir die Jugendlichen gar nicht mehr auf dem Schirm und es verpasst, uns zu kümmern.“ Mit „wir“ und „uns“ meint Clemens Staat und Politik. „Da hat sich unter den Jugendlichen, ob sie nun aus sozialen Brennpunkten kommen oder nicht, eine große Unzufriedenheit breit gemacht.“ Eine Unzufriedenheit, gegen die es nun anzusteuern gelte.

Das ist die „Rheinflanke“

Gründung: 2006

Ziel: Verbesserung der Zukunftsperspektiven von Kindern und Jugendlichen durch vielfältige Angebote

Kontakt: Telefon 0221 / 34 09 13 93 oder per Mail an info@rheinflanke.de

Mit den eben angesprochenen Rädelsführern sei man im Gespräch – um zu verhindern, dass eine solche Situation auch in Zukunft eskaliert. Dass dafür noch eine Menge Arbeit zu tun ist, weiß kaum jemand besser als Franco Clemens selbst. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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