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Düsseldorf will Straßen umbenennen – auch die Porschestraße

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Von: Oliver Schmitz

Landeshauptstadt Düsseldorf Schild am Ortseingang
Die Anwohner sollen bei den neuen Straßennamen in Düsseldorf mitentscheiden. ©  Felix Jason/Imago

In Düsseldorf sollen zukünftig elf Straßen einen neuen Namen bekommen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Nun nimmt sich der Stadtrat dem Thema erneut an.

Düsseldorf – Bereits seit geraumer Zeit steht fest: Elf Straßen in Düsseldorf sollen einen neuen Namen erhalten. Zuletzt war der Vorgang etwas ins Stocken geraten, nun war er jedoch wieder Thema im Stadtrat.

Düsseldorf: Diese Straßen sollen umbenannt werden

StraßennameNamensgeberBegründung
Pfitznerstraße (Benrath)Hans Erich PfitznerNähe zum Nationalsozialismus
Wissmannstraße (Unterbilk)Hermann von WissmannKolonialist, unterdrückte Bevölkerung in Ostafrika
Porschestraße (Flingern-Nord)Ferdinand PorscheVerstrickungen mit dem NS-Regime
Petersstraße (Urdenbach)Dr. Carl PetersKolonialist mit stark ausgeprägter rassistischer Einstellung
Lüderitzstraße (Urdenbach)Franz Adolf Eduard von LüderitzKolonialist, Ausbeutung in Namibia
Woermannstraße (Urdenbach)Adolph WoermannKolonialist, beteiligt am Genozid an den Herero
Leutweinstraße (Urdenbach)Theodor LeutweinKolonialpolitiker, bewaffnete Feldzüge gegen einheimische Bevölkerung
Schlieffenstraße (Morsenbroich)Alfred Graf von SchlieffenBefürworter Völkermord in Namibia
Wilhelm-Schmidtbonn-Straße (Garath)Wilhelm Schmidt(bonn)Nähe zum Nationalsozialismus
Heinz-Ingenstau-Straße (Stockum) Heinz IngenstauArbeit in NS-Organisationen
Hans-Christoph-Seebohm-Straße (Hellerhof)Hans-Christoph SeebohmNähe zum NS-Regime

Bereits 2018 hatte der Düsseldorfer Stadtrat eine Prüfung von insgesamt 99 Straßennamen in Auftrag gegeben. Im letzten Jahr gab es dann den Abschlussbericht der zuständigen Historiker, welche insgesamt zwölf Namen als „schwer belastet/nicht haltbar“ ausmachten. Die Gründe für die Einschätzung fielen unterschiedlich aus. Die Namensgeber sind aber größtenteils durch Antisemitismus, Nationalsozialismus oder Kolonialismus belastet.

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie und der Kommunalwahl 2020 hatte sich das Thema immer wieder nach hinten verschoben, sodass erst in Frühjahr 2021 im Stadtrat eine Entscheidung gefällt wurde. Dabei folgte man der Empfehlung in großen Teilen. Einzige Ausnahme war der „Münchhausenweg“. Diesen würde man eher mit dem Baron von Münchhausen und nicht seinem antisemitischen Nachfahren in Verbindung setzen, begründete Grünen-Fraktionssprecher Norbert Czerwinski im Anschluss.

Straßenumbennung in Düsseldorf: Anwohner sollen eingebunden werden

Nun nimmt die Umbenennung aber erneut Fahrt auf, denn bei der Ratssitzung am Donnerstagnachmittag (16. September) stand das Thema mal wieder auf Tagesordnung. Dabei wurde ein Konzept und eine mögliche Projektgruppe für die Umbenennung besprochen.

Das konkrete Ergebnis ist zwar noch offen, jedoch ist man sich bei den Fraktionen von CDU, Grüne, SPD/Volt und FDP einig, dass die Anwohner der Straßen in den Prozess miteinbezogen werden sollen. Sie sollen sich an der Auswahl der Namen beteiligen können. Bei Personennamen sollen aber vor allem Frauen ausgewählt werden. Die Kosten für neue Ausweise und Dokumente möchte die Stadt übrigens ganz oder zumindest teilweise übernehmen.

Sobald die Umbenennung der richtig kritischen Straßen erfolgt ist, möchte sich der Stadtrat noch mit weiteren teilweise belasteten beziehungsweise diskussionswürdigen Namen beschäftigen. (os) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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