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Düsseldorf: Intelligente Ampel statt Umweltspur – so teuer wird das neue Projekt von OB Keller

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Von: Benjamin Stroka

Autos im Stau neben der leeren Umweltspur in Düsseldorf.
Die Umweltspuren in Düsseldorf werden von vielen Autofahrern kritisiert. © David Young/dpa

Düsseldorfs neuer OB Stephan Keller ersetzt die umstrittenen Umweltspuren durch intelligente Ampelanlagen. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben soll 4,7 Millionen Euro kosten.

Update vom 23. Dezember, 10:05 Uhr: Es gibt neue Details zum Plan von Oberbürgermeister Stephan Keller, die Umweltspuren in der Stadt durch „intelligente Ampeln“ zu ersetzen. Wie die Stadt Düsseldorf bekannt gab, wird das Projekt voraussichtlich drei Jahre dauern und 4,7 Millionen Euro kosten. 60 Prozent, also rund 2,8 Millionen Euro werden dafür vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Verfügung gestellt. „Dieses Modellprojekt wird neue Maßstäbe setzen“, verspricht OB Keller.

Düsseldorf will mit dem Modellprojekt ein „umweltsensitives Verkehrsmanagementsystem“ aufbauen, das Verkehrsinformationen sammelt und den Verkehr in der Stadt steuert. „Hierbei werden laufend aktuelle Verkehrs- und Umweltdaten erhoben“, teilte die Stadt Düsseldorf in einer Presseerklärung mit. Diese gewonnenen Daten würden die Grundlage für eine intelligente Verkehrstechnik legen. So soll es möglich sein, in Echtzeit auf die Werte zu reagieren und Ampelphasen, Höchstgeschwindigkeiten sowie Verkehrsinformationen stets der aktuellen Situation anzupassen.

„Intelligente Ampeln“ in Düsseldorf: BUND meldet Zweifel an Idee von OB Keller an

Update vom 22. Dezember, 12:41 Uhr: Nach der offiziell angekündigten Abschaffung der Umweltspuren, melden sich nun die ersten Stimmen aus der Wirtschaft zu Wort. Dabei zeigen sich sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK), als auch die Handwerkskammer (HWK) gegenüber der RP ziemlich erleichtert: „Die Düsseldorfer Unternehmen können aufatmen. Zumindest mit Blick auf die Umweltspuren“, meint IHK-Geschäftsführerin Marion Hörsken. HWK-Präsident Andreas Ehlert sieht darin sogar eine „Verbesserungen der Verkehrssteuerung“ in Düsseldorf.

Der Umweltverband BUND sieht die ganze Sache jedoch nicht ganz so optimistisch. So äußert sich Dirk Jansen, NRW-Geschäftsführer des BUND, doch sehr zweifelnd. Er glaube nicht daran, dass „die Pförtnerampeln funktionieren“. Jedoch ist Jansen auch nie von den Umweltspuren überzeugt gewesen, zumindest nicht in der umgesetzten Art und Weise: „Sie sind nur ein Notbehelf und reichen nicht aus, um die Grenzwerte einzuhalten. Abschreckender wäre es gewesen, sie in beide Fahrtrichtungen einzurichten.“ Den darüber hinaus als „Stufe 3“ geplanten schnellen Ausbau des Radwegnetzes begrüßt Jansen. Jedoch fehle ihm der Glaube daran, dass dieser letztlich auch so und vor allem in der notwendigen Geschwindigkeit umgesetzt werde.

Zumindest für die IHK ist mit der intelligente Ampelsteuerung auch noch nicht alle Arbeit getan. Laut Hörsken gilt es auch nach der Abschaffung der Umweltspuren darum, die Verkehrswende nicht aus dem Blick zu verlieren. Dazu müsse man die Kapazitäten des öffentlichen Nahverkehrs, Mobilstationen, Park&Ride und Bike&Ride konsequent ausbauen. Das könne aber natürlich, genau wie die Verkehrsplanung, „nur in Kooperation mit den Nachbarkommunen gelingen.“ (os)

Stephan Keller schafft die Umweltspuren in Düsseldorf ab – Intelligente Ampelsteuerung kommt

Update vom 18. Dezember, 15.00 Uhr: Die umstrittenen Umweltspuren sollen in Düsseldorf in wenigen Monaten wegfallen. Der neue Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) kündigte am Freitag an, dass die Umweltspuren ab dem 1. März 2021 Geschichte sein werden. Klimaschutz und nachhaltige Mobilität seien ihm eine Herzensangelegenheit. „Aber die Umweltspuren hatten ihren Namen noch nie verdient“, sagte Keller bei der entsprechenden Pressekonferenz. Die Spuren, die nur für bestimmte Fahrzeuge ausgewiesen sind, verursachten Staus und Emission, seien so schlecht für Umwelt und Wirtschaft.

Sein Konzept sehe eine intelligente Ampelsteuerung auf belasteten Strecken, einen schnelleren Radwegeausbau und besseren öffentlichen Nahverkehr vor. Keller machte deutlich, dass mit den Maßnahmen, die die Umweltspuren eins zu eins ersetzen würden, sowie Gesprächen Dieselfahrverbote in der Landeshauptstadt weiterhin verhindert werden sollen. Düsseldorf sei die einzige Stadt in Nordrhein-Westfalen, zu der es noch ein anhängiges Gerichtsverfahren gebe. In allen anderen Fällen aus NRW hätten sich die Städte mit der Deutschen Umwelthilfe verständigt.

Der CDU-Politiker zeigte sich optimistisch, dass er für sein Konzept eine Mehrheit im Rat erhält und auch der Rechtsstreit beendet werden kann. Die CDU will im Stadtparlament mit den Grünen zusammenarbeiten, die bisher mit der SPD und der FDP für Mehrheiten gesorgt hatten. (os/dpa)

Düsseldorf: Intelligente Ampel statt Umweltspur? „Gewollte Staus“ sollen Pendler zu Bus und Bahn drängen

Erstmeldung vom 4. Dezember 2020:

Düsseldorf – Das Abschaffen der unbeliebten Umweltspuren auf Düsseldorfs Straßen war eines der zentralen Themen im Wahlkampf des neuen Düsseldorfer Oberbürgermeisters Stephan Keller (CDU). Jetzt werden seine Pläne immer konkreter.

OB Keller nennt die Umweltspuren in Düsseldorf: „umweltfeindlich und stauverursachend“

Die drei Sonderspuren auf Merowingerstraße, Prinz-Georg-Straße und Werstener Straße sorgen seit ihrer Einführung 2019 immer wieder für Staus und Frust auf den Straßen in Düsseldorf. Entsprechend nutzte OB Stephan Keller dieses Thema als einen seiner zentralen Schwerpunkte im Wahlkampf.

Der CDU-Politiker trat am 1. November offiziell die Nachfolge von Thomas Geisel (SPD) an und möchte nun die Abschaffung der Umweltspuren so schnell wie möglich angehen. „Es gibt wohl kaum ein Thema, das – neben Corona – bei uns so viele Menschen beschäftigt wie die umweltfeindlichen und stauverursachenden Umweltspuren“, schreibt Keller auf seiner persönlichen Website.

Kölner „Pförtnerampeln“ als mögliches Modell für den Verkehr in Düsseldorf

Sein offizielles Konzept will Keller, der zuvor als Stadtdirektor in Köln tätig war, noch vor Weihnachten vorstellen. Düsseldorf hatte unter der Leitung von Kellers Vorgänger Thomas Geisel die Umweltspuren eingeführt, um einem drohenden Dieselfahrverbot zu entgehen.

Keller plant als Alternative hingegen mit intelligenten Ampelschaltungen. „Das habe ich auch im Wahlkampf schon so angekündigt, denn mit dem Thema intelligente Ampelschaltung bin ich noch aus meiner Zeit als Verkehrsdezernent vertraut“, so Keller. Dabei geht es um sogenannte Pförtnerampeln, die die Stadt Köln seit 2019 ebenfalls einsetzt. Pförtnerampeln kennt man ansonsten auch von besonders stark befahrenen Autobahnauffahrten, bei denen sie per Zuflussregelung Staus vermeiden sollen.

In Köln regeln sie den Verkehr je nach Tageszeit, sorgen aber besonders im morgendlichen Pendlerverkehr zwischen 6 und 9 Uhr auch regelmäßig für gewollte Staus durch verlängerte Rotphasen für Autofahrer. „Stündlich werden nur noch 700 Kraftfahrzeuge durchgelassen. Das sind 500 weniger als normalerweise“, teilte die Stadt Köln im Oktober 2019 mit. Durch die Pförtnerampeln solle die Luftbelastung reduziert werden und die Staus sollten Pendlern einen Anreiz schaffen, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Ampelanlage mit Luftmessstation gekoppelt – auch dieses Modell wird für Düsseldorf diskutiert

Ähnlich könnten auch OB Kellers Pläne für Düsseldorf aussehen. Zusätzlich soll laut „Rheinischer Post“ auch eine digitale Lösung diskutiert werden, die sich ebenfalls an einem Kölner Vorbild orientieren könnte. Denn am Clevischen Ring in der Domstadt wurden Ampelanlagen mit einer Luftmessstation gekoppelt.

Wenn die Umweltbelastung durch den Verkehr zu groß wird, signalisiert die Station das an die Ampeln und diese lassen dann weniger Autos durch. Ob all diese Ideen aber wirklich für weniger Staus als die aktuell in Düsseldorf genutzten Umweltspuren sorgen werden, kann erst die Zukunft zeigen. (bs)

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