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Düsseldorf: Urteil im Wehrhahn-Prozess – Angeklagter freigesprochen

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Von: Benjamin Stroka

Ein Schild mit dem Hinweis „Düsseldorf Wehrhahn S“
Am 27. Juli 2000 explodierte in Düsseldorf am Bahnhof Wehrhahn eine Rohrbombe, die zehn Menschen schwer verletzte. Eine Mutter verlor ihr ungeborenes Kind. © Martin Gerten/dpa

2018 wurde der Angeklagte im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer Wehrhahn freigesprochen. Jetzt entschied der Bundesgerichtshof über das Urteil.

Update vom 14. Januar, 13:30 Uhr: Im Revisionsprozess vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hat es eine Entscheidung gegeben: Ein lange als Attentäter verdächtigter Mann aus der rechten Szene ist seit Donnerstag rechtskräftig freigesprochen. Damit wurde das Urteil des Düsseldorfer Landgerichts aus 2018 vom BGH in Karlsruhe bestätigt, nachdem gegen den heute 54-Jährigen eindeutige Beweise fehlten. Dieser Freispruch sei auf rund 100 Seiten rechtsfehlerfrei begründet, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Jürgen Schäfer bei der Urteilsverkündung.

Schäfer ging aber auch auf die Opfer ein, sagte, es sei noch einmal deutlich geworden, wie groß das Leid der Opfer sei. Ihr Leben sei von einer Sekunde auf die andere nicht mehr dasselbe gewesen. (dpa)

Düsseldorf: Mehr als 20 Jahre nach Bombenanschlag – Entscheidung über Urteil im Wehrhahn-Prozess naht

Düsseldorf/Karlsruhe – Es war eines der schlimmsten Verbrechen in der Düsseldorfer Nachkriegsgeschichte. Im Juli 2000 erschütterte ein Sprengstoffanschlag am S-Bahnhof Wehrhahn auf zwölf Sprachschüler aus den ehemaligen GUS-Staaten die NRW-Landeshauptstadt. Am Donnerstag soll der Bundesgerichtshof sein endgültiges Urteil fällen.

Düsseldorf: Anschlag am S-Bahnhof Wehrhahn kostete einem ungeborenen Kind das Leben

Am 27. Juli 2000 explodierte eine in einer Plastiktüte versteckte Rohrbombe am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn. Zehn größtenteils jüdische Sprachschüler aus Osteuropa wurden bei dem Anschlag zum Teil lebensgefährlich verletzt. Eine schwangere Frau verlor ihr ungeborenes Kind, als es im Mutterleib von einem Metallsplitter getroffen wurde. Es war eine Horror-Tat – und sie ist bis heute nicht aufgeklärt.

Erst 2017 wurde ein Verfahren gegen einen Mann, der Kontakte in die rechtsradikale Szene haben soll, eröffnet. Der Angeklagte galt schon kurz nach dem Anschlag als tatverdächtig, wurde aber nicht angeklagt. Erst als ein früherer Mithäftling des mutmaßlichen Neonazis behauptet hatte, der Verdächtige habe ihm die Tat gestanden, wurde Anklage wegen zwölffachen Mordversuchs aus Fremdenhass erhoben.

Beim Prozess kam es jedoch zu Widersprüchen und der Zeuge erwies sich als nicht besonders glaubwürdig. Das Landgericht Düsseldorf sah die Schuld des Angeklagten daher als nicht erwiesen an und sprach den Mann 2018 frei. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert und legte Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein. Die finale Entscheidung wird für Donnerstag (14. Januar) erwartet.

20 Jahre nach Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf: Fehlende Aufklärung „unverzeihlich und unbegreiflich“

Allerdings ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die Bundesrichter das Verfahren gegen den mittlerweile 54-Jährigen neu aufrollen. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, habe bereits bei der mündlichen Verhandlung im November niemand eine Aufhebung des Urteils gefordert. Daher sei davon auszugehen, dass der Freispruch des Landgerichts bestehen bleibt.

Im Juli vergangenen Jahres, zum 20. Jahrestag des Anschlags, kritisierte die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die bislang fehlende Aufklärung des Anschlags als „unverzeihlich und unbegreiflich“. Die Strafverfolgung müsse sich weiterhin bemühen, den oder die Täter zur Verantwortung zu ziehen, forderte sie damals in einem Statement. (bs)

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