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Saturn in Düsseldorf Flingern schließt: Mitarbeiter streiken

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Von: Jana Wehmann

Mitarbeiter stehen in Warnwesten mit Plakaten vor einem Saturn in Düsseldorf-Flingern.
Die Mitarbeiter des Saturn in Düsseldorf-Flingern streiken – ihre Filiale im B8-Center soll schließen. © Wehmann/24RHEIN

Der Saturn in Düsseldorf-Flingern soll im Herbst schließen. Nun gehen die 40 Mitarbeiter auf die Straße und streiken.

Düsseldorf – Die Saturn-Mitarbeiter in Düsseldorf-Flingern sind wütend – und das zeigen sie beim Streik vor der Filiale im B8-Center am Freitag deutlich. Da der Saturn-Standort zum 30. September geschlossen werden soll, gebe es für die rund 40 Mitarbeiter keine Zukunft mehr. Sie sollen entlassen werden, so Guido Löffler, Betriebsratsvorsitzender von Saturn in Flingern.

Nach der ersten Verhandlungsrunde, die zwischen dem Betriebsrat und Saturn am 4. Juni stattgefunden hat, setzen sich die Mitarbeiter in Fliegern nun für ihre Rechte und ihren Arbeitsplatz ein. „Wir haben ein erstes Angebot erhalten, das war allerdings eine Frechheit“, sagt Guido Löffler während des Streiks gegenüber 24RHEIN. Der Streik vor der Saturn-Filiale findet im Rahmen der aktuellen Verdi Tarifrunde im Einzelhandel Nordrhein-Westfalen statt.

Saturn in Düsseldorf schließt: 40 Mitarbeiter verlieren Jobs

Obwohl der Mietvertrag der Saturn-Filiale im B8-Center in Düsseldorf-Flingern noch etwa dreieinhalb Jahre laufe, soll die Saturn-Filiale bereits im Herbst 2021 schließen – und die Mitarbeiter sollen gehen. Von der Schließung des Saturn in Düsseldorf-Flingern sind etwa 40 Mitarbeiter betroffen, einige von ihnen arbeiten bereits mehr als 20 Jahre bei Saturn.

Wie nun mit den Mitarbeitern vor Ort gesprochen und umgegangen werde, sei „katastrophal“, so Löffler. „Es wird überhaupt nicht auf Augenhöhe verhandelt und die Geschäftsführung war nicht einmal vor Ort. Wir bekommen nur die Anwälte zu sprechen – das ist respektlos“, sagt Rabia El Jebbari, ebenfalls im Saturn-Betriebsrat in Düsseldorf-Flingern.

Saturn in Düsseldorf Flingern schließt – weil wirtschaftliche Perspektive fehlt

Aufgrund der Corona-Pandemie gebe es für den Saturn-Markt in Düsseldorf-Flingern „keine wirtschaftlich zufriedenstellende Fortführungsperspektive“, sagte bereits eine Saturn-Sprecherin auf 24RHEIN-Anfrage. Für die etwa 40 Mitarbeiter sei die Begründung nicht plausibel. Denn: „Trotz Corona-Krise haben die Kunden hier vor Ort ihre Waren abgeholt und wir standen ihnen bei Fragen zur Seite. Aktuell verzeichnen wir auch wieder eine positive Entwicklung. Es wurde sich überhaupt nicht um den Standort bemüht“, erklärt Löffler während des Streiks vor der Filiale.

Guido Löffler und Rabia El Jebbari vom Betriebsrat der Saturn-Filiale in Düsseldorf Flingern stehen vor einem Streik-Plakat.
Guido Löffler und Rabia El Jebbari vom Betriebsrat der Saturn-Filiale in Düsseldorf Flingern. © Wehmann/24RHEIN

Saturn-Schließung in Düsseldorf-Flingern: Mitarbeiter streiken

Bevor die Saturn-Filiale vor etwa elf Jahren in die Räumlichkeiten im B8-Center eingezogen ist, wurde der Markt in Wehrhahn betrieben. Seit dem Umzug seien zahlreiche Mitarbeiter entlassen wurden, so der Betriebsrat. „Wir sind mit 74 Mitarbeitern nach Flingern umgezogen, jetzt sind wir nur noch 40“, erklärt Löffler gegenüber 24RHEIN.

Dass die Saturn-Mitarbeiter keine Wechselangebote in andere Filialen in der Region erhalten würden, sei für den Betriebsratsvorsitzenden nicht verständlich. „Da der Altersdurchschnitt knapp unter 50 Jahren liegt, ist die Situation für uns nicht einfach. Viele haben es schwer – gerade jetzt zu Corona-Zeiten – einen Job zu finden“, sagt Löffler. Durch den Streik wollen sie nun zeigen, dass Saturn nicht fair vorgehe. „Wir fordern den Erhalt des Standortes und unserer Arbeitsplätze“, sagt Mitarbeiterin Amal El Jabbi. „Das bisherige Angebot war ein Schlag ins Gesicht. Wir fordern eine faire und gerechte Abfindung“, sagt Rabia El Jabbi.

Tarifverhandlungen im Einzelhandel NRW: Verdi fordert mehr Gehalt – Streik in Düsseldorf

Im Rahmen des Streiks, der auf Grundlage der aktuellen Tarifrunde im Einzelhandel NRW erfolgt, kommen auch zahlreiche Mitarbeiter von Primark-, Douglas- und Schnitzler-Mitarbeitern aus Düsseldorf zur Saturn-Filiale. Um den Arbeitgebern im Einzelhandel mehr Druck zu machen, haben am Freitag etwa 95 Menschen vor der Saturn-Filiale gestreikt.

Auch Miriam Jürgens von Verdi Düssel-Rhein-Wupper ist vor Ort: „Die Elektronik-Branche ist kein Verlierer, sondern eher ein Krisengewinner“, sagt Jürgens. Auch die Parfümeriekette Douglas schließt in Düsseldorf drei Verkaufsfilialen.

Einzelhandel NRW: Die Forderungen von Verdi

Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel NRW werden am 22. Juni fortgesetzt. Verdi fordert 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Gehalt, Lohn und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, ein Mindeststundenentgelt von 12,50 Euro und die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. 

Media Markt-Saturn in Krise: Weitere Filialen sollen schließen

Nachdem die Saturn-Filiale in Siegburg Mitte April geschlossen wurde, folgten laut Löffler die Filialen in Bergisch-Gladbach und Herford. Da laut Media Markt-Saturn insgesamt 13 der 419 Standorte bis Herbst 2022 geschlossen werden sollen, fallen etwa 1.000 Arbeitsplätze weg. Nach den Erkenntnissen des Betriebsrats in Düsseldorf-Flingern würden jedoch mehr Märkte von der Schließung betroffen sein.

Wie geht es nun in Flingern weiter? „Wir sind kampfbereit und werden weiter laut bleiben“, sagt Löffler deutlich. Bis zur Schließung der Saturn-Filiale Ende September sollen die Mitarbeiter, die seit Dezember in Kurzarbeit waren, nun den Normalbetrieb aufrechterhalten. Weitere Streiks seien jedoch laut Löffler nicht ausgeschlossen. Die nächste Verhandlungsrunde stehe noch in diesem Monat an. (jaw)

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Korrektur: In einer früheren Version des Artikels sind wir nicht darauf eingegangen, dass der Streik auf Grundlage der Tarifverhandlungen Einzelhandel NRW stattfindet. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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