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Stillstand statt Fortschritt: Der 1. FC Köln muss endlich wieder seine Identität finden

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Horst Heldt und Markus Gisdol konnten den 1. FC Köln 2020 nicht beflügeln.
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Da war mehr drin: Das Jahr 2020 verlief für den 1. FC Köln sportlich enttäuschend und mit einigen Nebengeräuschen. Höchste Zeit die Ärmel hochzukrempeln!

  • Der 1. FC Köln konnte 2020 fußballerisch zu keinem Zeitpunkt längerfristig überzeugen
  • Viele der Neuzugänge konnten nicht überzeugen, einige Abgänge hingegen schmerzen langfristig
  • Die jüngste Entwicklung macht Hoffnung, dass der FC 2021 wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt

Fast neun Monate kein Bundesligasieg. Allein dieser Fakt reicht aus, um das Jahr 2020 des 1. FC Köln als verkorkst abzustempeln. Die Probleme des Effzeh aber liegen tiefgründiger – und sind zu einem Großteil hausgemacht. Ein Kommentar

Das Ende eines Kalenderjahres bedeutet immer eine Zäsur, die gerne zum Anlass dient, Bilanz zu ziehen. Für viele war das Jahr 2020 eines zum Vergessen (Stichwort Corona), für den 1. FC Köln ein Jahr mit Höhen und Tiefen.

Ein hervorragender Start bis Anfang März, gefolgt von einer katastrophalen Sieglos-Bilanz bis hin zum Turnaround Ende November. War das nun gut oder schlecht?

Gut war sicher in erster Linie: Der Zwischenspurt im Frühjahr 2020 reichte für den Klassenerhalt. Ein großer Erfolg, wenn man bedenkt, wie schlecht der Effzeh in die vergangene Spielzeit gestartet war. Viel Anlass zur Freude gab es für Beobachter abgesehen von den ersten zwei, drei Monaten dieses Jahres aber nicht.

1. FC Köln: Fußballerisch weiter auf der Suche nach Identität

Fast neun Monate mussten FC-Fans auf einen Sieg in der Bundesliga warten. Dabei sahen sie in der Regel Fußball ohne nennenswertes Konzept, ohne Ideen und Spielwitz. Im Grunde sucht Trainer Markus Gisdol bis heute nach einer fußballerischen Identität für den Effzeh, sowohl taktisch als auch konzeptionell.

Sein „Buddy“ Horst Heldt vermochte es nicht, ihm mit geschickten Spielertransfers entscheidend unter die Arme zu greifen. Von den 2020 geholten Neuzugänge enttäuschten (mit Ausnahme von Ondrej Duda) in dieser Saison bislang zu viele. Schlecht ist auch, dass es bislang nicht gelang, sich von Kaderleichen wie Christian Clemens oder Marco Höger, die den Etat des Vereins nach wie vor belasten, zu trennen.

1. FC Köln: Schmerzende Abgänge und schlechte Außendarstellung in 2020

Der 1. FC Köln befindet sich einmal mehr im Abstiegskampf. Sollte dieser am Ende gelingen, sind alle Beteiligten froh. Die Erwartungshaltung ist gesunken in den letzten Jahren. In Köln kann man das sogar als positiv bewerten. Es zeigt aber auch, dass der Effzeh auf der Stelle tritt – im besten Fall.

Nicht gut in Erinnerung bleiben auch einige Personalentwicklungen im Jahr 2020. Abgesehen von Abgängen im Profibereich wie dem von Jhon Cordoba (sicherlich nachvollziehbar) oder Simon Terodde (eher weniger), wird in Zukunft wohl vor allem der unrühmliche Wechsel des damaligen Jugendspielers Florian Wirtz (jetzt ca. 25 Mio. Euro wert) schmerzen, den der 1. FC Köln zum Rivalen Bayer 04 Leverkusen ziehen ließ.

Auch auf Funktionärsebene sorgte die ein oder andere Nachricht in den letzten zwölf Monaten für Achselzucken. Kaderplaner Frank Aehlig gab seinen Abschied bekannt, er wird fehlen. Deutlich unrühmlicher lief die Trennung von Medienchef Tobias Kaufmann ab.  Vom Effzeh als einvernehmlichen Lösung dargestellt, folgte eine Kündigungsschutzklage des Geschassten – für den 1. FC Köln eine peinliche Kommunikationspanne, die an längst überstandene Zeiten bei den Geißböcken erinnerte.

1. FC Köln: Mit positiven Eindrücken ins neue Jahr

Es bleibt der Eindruck, dass der 1. FC Köln 2020 kein wirklich rundes Bild abgab. Immerhin, die Vorzeichen für 2021 stehen besser. Markus Gisdol sitzt wieder fest im Sattel, sein Trend zu jungen Spielern (viele davon Eigengewächse!) trägt Früchte. Zudem dürfte der 1. FC Köln ab Sommer von der Neuverteilung der TV-Gelder profitieren. Und so sind am Geißbockheim alle froh, wenn das neue Jahr eingeläutet wird.

Beten allein wird dabei allerdings nicht helfen, die Situation des Klubs wieder in bessere Gefilde zu steuern. Horst Heldt muss den Kader ausdünnen und gezielt verstärken, Markus Gisdol der Mannschaft endlich seine Handschrift aufdrücken. Der Coach selbst übrigens bewertet 2020 als Kraftakt.

„Allen hat dieses Jahr unglaublich viel abverlangt. Nicht nur uns Trainern, sondern auch den Spielern. Der ganzen Belegschaft, unserem Staff“, sagt Markus Gisdol. Die FC-Fans fehlen in seiner Aufzählung. Vielleicht, weil er weiß, dass sie es gewohnt sind. Optimistisch bleiben sie trotzdem – hoffentlich zurecht. (ps)

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