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1. FC Köln: Als Albert Caspers zum Präsidenten gewählt wurde

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Von: Max Dworak

Albert Caspers gut gelaunt im Portät.
Albert Caspers war vom 7. Dezember 1997 bis zum 7. Mai 2004 der siebte Präsident des 1. FC Köln. © Team 2/Imago

Am 7. Dezember 1997 übernimmt Albert Caspers die Führung des finanziell gebeutelten 1. FC Köln. Der Verein hofft durch den Geschäftsmann auf Besserung.

Köln – Ende der 90er Jahre war die „Goldene Ära“ des 1. FC Köln, wie man die erfolgreichste Zeit des Klubs von den 60ern bis Mitte der 80er Jahre durchaus bezeichnen kann, lange vorüber. Längst war eine Epoche angebrochen, in der es dem Traditionsverein finanziell und sportlich nicht mehr so gut ging wie einst. Mit Albert Caspers bekleidet nun ein echter Wirtschaftsprofi das Amt des Vereinspräsidenten.

1. FC Köln: Albert Caspers, der erfolgreiche Ford-Funktionär

Als der siebte Präsident seine neue Aufgabe antritt, ist er für die meisten Vereinsmitglieder längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Durch seine Mithilfe gelingt es den Domstädtern schon 1994, eine lukrative Partnerschaft mit dem Automobil-Hersteller Ford einzutüten, die bis heute Bestand haben soll. Bereits seit 1995 bereicherte der studierte Ingenieur neben seiner Tätigkeit als Aufsichtsrats-Vorsitzender der Ford-Werke AG den Verwaltungsrat des 1. FC Köln. Obwohl der gebürtige Pfälzer selbst – wenn auch nur im Kreisligabereich – Fußball spielte, ist es wohl in erster Linie das monetäre Feingefühl, das ihn zur Ausübung dieses Postens legitimiert.

Die Situation der Kölner, die im Sommer 1998 erstmals in die 2. Bundesliga absteigen, ist ein Jahr nach Caspers Übernahme kompliziert: In der Tabelle steht der 1. FC Köln im Mittelfeld, was nicht unbedingt zur allgemeinen Ruhe im Verein beiträgt. Besonders, da Neu-Trainer Bernd Schuster zu Beginn der Saison groß angekündigt hatte: „Alles andere als Platz eins wäre eine Enttäuschung.“ Zum Saisonende muss der gescheiterte Ex-Profi seine Koffer packen und wird durch Ewald Lienen, der zuvor den Erstligisten Hansa Rostock gecoacht hatte, ersetzt.

1. FC Köln: Wiederaufstieg und neues Stadion

Dass der Präsident mit der Wahl des Ostwestfalen goldrichtig lag, wird bereits in der ersten Spielzeit unter Ewald Lienen deutlich. Albert Caspers zeigt sich angesichts des Wiederaufstiegs in das Oberhaus im Sommer 2000 begeistert von der Arbeit des neuen FC-Trainers: „Er weiß mit der kölschen Lebensart umzugehen.“

Einige Monate zuvor, im Januar 2000, schreibt der Express erstmals von dingfesten Plänen zum Bau des RheinEnergie-Stadions. Dieser Meilenstein wird während seiner beiden Legislaturperioden wohl die größte Errungenschaft von Albert Caspers sein. Mit dem damaligen Geschäftsführer Claus Horstmann und dem neuen Kölner Oberbürgermeister Harry Blum zurrt der Verein ein Finanz-Paket in dreistelliger Millionenhöhe zur Realisierung des Projektes fest. Dass es sich dabei jedoch nicht ausschließlich um seinen Verdienst handelt, stellt Albert Caspers klar: „Sprechen wir in diesem Zusammenhang lieber vom 1. FC Köln und nicht von mir.“

Albert Caspers feuert Ewald Lienen

Nach drei Jahren sieht sich Albert Caspers, der im November 2001 im Amt des Präsidenten bestätigt wird, am 27. Januar 2002 gezwungen, den Abgang von Trainer Ewald Lienen zu verkünden: „Wir haben den Glauben daran verloren, mit Lienen aus der schwierigen Situation herauszukommen. Es gab keinen Anlass mehr, viel mit ihm zu besprechen“, zudem fügt er an: „Das ist einer meiner unglücklichsten Tage.“ Grund für die Entlassung: Ewald Lienen hatte es nicht geschafft, die anfängliche Euphorie bei seiner Ankunft dauerhaft zu festigen. Zum Zeitpunkt seines Rausschmisses steht der Verein auf dem 16. Tabellenplatz der ersten Liga.

Auch mit dem neuen Fußballlehrer Friedhelm Funkel kann der 1. FC Köln den Abstieg nicht mehr abwenden. Am Ende soll mit Marcel Koller noch ein weiterer Übungsleiter unter die Amtszeit von Albert Caspers fallen. Bereits im Frühjahr 2003 zieht der ehemalige Ford-Vorstand ein ehrliches Fazit unter seine bisherige Arbeit: „Ich bin verantwortlich für zwei Abstiege. Ich habe das Personal eingestellt, ich habe Verträge unterschrieben“, und gibt im selben Atemzug das primäre Vereinsziel bekannt: „Sportlich wollen wir eine stabile Tabellensituation in der Bundesliga erreichen, damit wir nicht mehr absteigen [...] Dafür die finanziellen und personellen Voraussetzungen zu schaffen, ohne in eine Schieflage zu geraten ist oberstes Ziel - eine Gratwanderung.“

1. FC Köln: Albert Caspers macht den Weg für Wolfgang Overath frei

Gegen Ende seiner Schaffenszeit beim 1. FC Köln rückt zunehmend ein Name in den Vordergrund, der bei den Geißböcken fußballerisch einen absoluten Heldenstatus genießt: Wolfgang Overath. So trifft sich Albert Caspers mit dem Weltmeister von 1974, um erste Gespräche zu führen, in welcher Funktion der Ex-Kicker seinen Herzensklub unterstützen kann. Dem Vernehmen nach bietet Albert Caspers seinem späteren Nachfolger unter anderem das Amt des Vizepräsidenten an, was Wolfgang Overath jedoch ablehnt: „Mit dem Gefühl, einen Präsidenten über sich zu haben, konnte er sich nicht anfreunden“, wird der Noch-Präsident im Tagesspiegel zitiert.

Am 7. Mai 2004 – der 1. FC Köln war gerade zum dritten Mal unter seiner Führung in die Zweitklassigkeit abgestiegen – legt Albert Caspers schließlich seinen Posten nieder und macht den Weg für Wolfgang Overath frei, der bis dato als beratende Instanz des Präsidiums fungiert hatte: „Zum einen bin ich nicht länger bereit, mich dem Druck der Medien und anderer Interessengruppen weiter auszusetzen. Zudem hoffe ich, daß ich durch diesen Entschluß angesichts wieder aufkeimender Diskussionen um die Präsidentschaft des 1. FC Köln weiteren Schaden vom Verein abwenden kann“, so der scheidende Präsident in der offiziellen Pressemitteilung.

Bis heute ist der Name Albert Caspers vielen Vereinsmitgliedern und Fans positiv in Erinnerung geblieben. Nach knapp zehn Jahren Abstinenz zeichnet der 1. FC Köln seinen ehemaligen Boss als Ehrenmitglied des Klubs aus. Im offiziellen Statement heißt es am 27. Februar 2014: „Albert Caspers hat sich große Verdienste um den 1. FC Köln erworben. Unter anderem hat er den bei seiner Amtsübernahme finanziell angeschlagenen Club konsolidiert. Diese und andere seiner Leistungen als FC-Präsident sind aus unserer Sicht in den vergangenen Jahren zu wenig gewürdigt worden.“ Nur ein knappes Jahr darauf, am 6. Januar 2015, verstirbt Albert Caspers im Alter von 81 Jahren. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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