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1. FC Köln: Albert Streit, Norbert Meier und die Kopfnuss

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Von: Max Dworak

Norbert Meier und Albert Streit stehen sich Stirn an Stirn gegenüber.
Ein wortwörtliches Kopf-an-Kopf-Duell: Norbert Meier (links) und Albert Streit. © Chai v.d. Laage/Imago

Der Nikolaustag steht für ein erfreuliches Ereignis – eigentlich. Am 6. Dezember 2005 rückte beim 1. FC Köln eher eine Auseinandersetzung in den Vordergrund.

Köln – Als starker Schneefall weite Teile Deutschlands in eine weiße Winterlandschaft verwandelt, beschließt die DFL die Verlegung zahlreicher Bundesliga-Spiele. So wird auch die für den 4. Dezember angesetzte Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln zwei Tage später stattfinden. Aus diesem Liga-Spiel resultiert wohl eine der merkwürdigsten Szenen, die es in der jüngeren Bundesliga-Geschichte gegeben hat. Eine Begegnung, die den Zuschauern besonders wegen zweier Streithähne in Erinnerung bleiben wird.

1. FC Köln: Nachholspiel gegen den MSV Duisburg an Nikolaus

Schon vor diesem ominösen 14. Spieltag in der Fußball-Bundesliga steht der 1. FC Köln unter Druck. Trainer Uwe Rapolder, der aufgrund von neun sieglosen Spielen in Serie im Fadenkreuz der Kritik steht, sagt vor der Nachhol-Partie im Ruhrpott: „Es geht für uns ums Überleben. Eine Niederlage ist verboten.“ Verständlich: Mit mageren elf Punkten aus dreizehn Begegnungen und dem 15. Platz machen die Domstädter keine gute Figur. Der Gegner unter Coach Norbert Meier steht allerdings noch schlechter da und befindet sich auf dem vorletzten Rang mit neun Zählern.

Der 1. FC Köln, am Spieltag zuvor mit 1:3 gegen den Hamburger SV verloren, beginnt das Spiel gleich mit einem dicken Patzer: Nach nur fünf Minuten flankt Dirk Lottner – die FC-Legende spielte von 2004 bis 2006 beim MSV Duisburg – einen Ball von links in den Kölner 5-Meter-Raum. Die Defensive um Marvin Matip und Dimitrios Grammozis irritiert sich gegenseitig, weshalb MSV-Stürmer Abdelaziz Ahanfouf aus kurzer Distanz einschieben kann. Viele FC-Fans, die in die ausverkaufte MSV-Arena gekommen waren, befürchten bereits die zehnte Saison-Niederlage.

1. FC Köln: Lukas Podolski mit dem Ausgleichstreffer

Nach dem Rückstand sieht es zunächst auch nicht so aus, als würde der 1. FC Köln das Ruder noch einmal herumreißen können. Nach genau 30 Minuten gelingt es Youngster Lukas Podolski fast ein wenig überraschend, das Spiel wieder auszugleichen. Der 20-Jährige kann einen langen Ball von Mitspieler Christian Rahn erwischen und lässt dem Duisburger Keeper Georg Koch mit seinem gefürchteten, linken Fuß keine Abwehrchance.

Nach zwei vergebenen Gelegenheiten auf Seiten der Duisburger wird der 1. FC Köln ab der 60. Minute deutlich mutiger. Gleich vier Mal haben die Geißböcke den Führungstreffer auf dem Schlappen, können die Angriffe aber nicht mit der nötigen, letzten Konsequenz zu Ende spielen.

Die 83. Minute: Albert Streit gegen Norbert Meier

Beide Teams unternehmen gegen Ende des Duells nicht mehr allzu viel, um noch einen Dreier einzufahren. In der 83. Minute kommt es jedoch zu dem unschönen Höhepunkt: Der Kölner Mittelfeldspieler Albert Streit, der eher unauffällig agiert, legt sich den Ball nach einer missglückten Duisburger Ecke weit vor und versucht, seinem Gegenspieler Razzie Tjikuzu zu entwischen. Sein Widersacher kann den Ball jedoch zur Seitenlinie klären.

Eine Aktion, die zunächst harmlos zu verlaufen scheint, sorgt in Sekundenbruchteilen für mächtig Aufsehen: Norbert Meier und Albert Streit stehen sich wenige Augenblicke direkt gegenüber und schauen sich böse an. Plötzlich bewegt der Duisburger Coach seine Stirn in Richtung des Kölner Profis. Unmittelbar danach gehen die beiden theatralisch zu Boden: „Das war klar, dass so etwas in einem solchen Spiel passieren musste“, hört man den Kommentator der Live-Übertragung sagen.

Nach diesem Zwischenfall, durch welchen Albert Streit Rot sieht und Norbert Meier in den Innenraum verwiesen wird, passiert nichts nennenswertes mehr. So trennen sich die beiden Abstiegskandidaten mit einem Unentschieden. Der Kölner Akteur wird vom DFB nicht weiter bestraft und fehlt dem FC nur im RheinEnergie-Stadion gegen Werder Bremen. Den zweiten im Bunde trifft es jedoch hart: Norbert Meier muss 12.500 Euro Strafe zahlen und darf zudem für drei Monate keine Trainertätigkeit ausüben.

Norbert Meier: „Ich war damals selber schockiert von mir“

Ganze sechs Jahre nach diesem Fight vertrugen sich die zwei schließlich auch öffentlich wieder. BILD begleitete die Versöhnung damals: „Es ist halt passiert. Er hat einen Fehler gemacht, ich schon tausend“, bewertete Albert Streit die Situation rückblickend. Norbert Meier, der eigentliche Initiator des ganzen, schien etwas erschrocken über seinen Kopfstoß zu sein: „Ich war damals selber schockiert von mir. Wir hatten vorher nie etwas miteinander zu tun. Die Szene ist eine absolut lächerliche Geschichte. Ich habe sie noch lächerlicher gemacht. Ich bin der Ältere, ich bin der Coach, ich muss mich im Griff haben. Ich hatte nie etwas gegen Albert.“

Im Nachgang wurde der Stirn-Kampf zwischen Albert Streit und Norbert Meier wohl deutlich heißer gekocht, als er es tatsächlich war. Dass die Streithähne dies mittlerweile genau so sehen, ist wohl aus heutiger Sicht das wichtigste. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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