1. 24RHEIN
  2. 1. FC Köln

1. FC Köln: Alte Weggefährten berichten – so tickt Bundestrainer Hansi Flick

Erstellt:

Von: Peter Stroß

Hansi Flick im Trikot des 1. FC Köln
Hansi Flick wechselte 1990 zum 1. FC Köln, wo er drei Jahre später seine Profikarriere beendete. © Norbert Schmidt/IMAGO

Zwischen 1990 und 1993 spielte der heutige Bundestrainer Hansi Flick beim 1. FC Köln. Bei Gesprächen mit alten Mannschaftskollegen wird klar: Dieser Mann war schon immer besonders.

Köln – Hansi Flick hat in den vergangenen Jahren einen Traineraufstieg hingelegt, der seinesgleichen sucht. Nicht viele hätten ihm den Durchbruch beim FC Bayern München als Cheftrainer zugetraut, der ihn zum logischen Nachfolger von Jogi Löw als Nationaltrainer machte. Nun steht Flick am Donnerstagabend (2. September), vor seinem Debüt als Bundestrainer gegen Liechtenstein (Anstoß um 20:45 Uhr). Doch nicht nur in seiner Trainerkarriere, auch als Aktiver feierte der Coach Erfolge.

Mit dem FC Bayern gewann er viermal die Deutsche Meisterschaft, bevor er sich im Sommer 1990 dem 1. FC Köln anschloss. Vor seiner Premiere als Bundestrainer berichten die ehemaligen Weggefährten Franz Wunderlich, Olaf Janßen, André Trulsen und Erich Rutemöller über den Spieler und Menschen Hansi Flick – und darüber, was ihn so besonders macht.

Weggefährten beim 1. FC Köln über Hansi Flick: „Aufrecht und respektvoll“

Franz Wunderlich, Flicks alter Effzeh-Weggefährte (beide spielten in der Saison 1990/91 zusammen in Köln) und heutiger Sportvorstand von Drittligist FC Viktoria Köln, hat nur gute Erinnerungen an seinen ehemaligen Teamkameraden. Das letzte Mal sahen sich Wunderlich und Flick, damals noch Co-Trainer der Nationalmannschaft, vor einigen Jahren zufällig in der VIP-Lounge des 1. FC Köln.

Auch lange nach ihrer aktiven Zeit war das Aufeinandertreffen noch „super aufrecht und respektvoll. Hansi hat einfach nicht vergessen, wer er ist“, so Wunderlich. „Er war immer sehr höflich zu mir, er hat ja durchaus ein paar Titel gefeiert mit den Bayern zu der Zeit, aber das hat er nie jemanden spüren lassen. Hansi hat nie raushängen lassen: ‚Ich komme vom FC Bayern und du von den Amateuren‘, ganz im Gegenteil.“

NameHansi Flick
Geboren24. Februar 1965, Heidelberg
Größe1,77 m
Position als SpielerMittelfeld

1. FC Köln nach Sieg gegen München: Bayerischer Abend bei Hansi Flick

An sein Profi-Debüt hat Wunderlich gute Erinnerungen, und das auch dank Hansi Flick: „Mein erstes Bundesliga-Spiel vergesse ich nie. Da haben wir 4:0 gegen die Bayern gewonnen, ich wurde in der 80. Minute eingewechselt. Danach hat Hansi einen Bayerischen Abend bei sich zu Hause veranstaltet, auch mit einigen Bayern-Spielern. Das war schon toll.“

Fragt man Wunderlich nach Flicks Erfolgsgeheimnis, hat dieser eine klare Meinung: „Zum einen eine hohe Fachkompetenz, aber noch wichtiger ist ein gutes Gespür dafür, wie man mit Spielern menschlich umgeht. Und ich glaube, dass das sein großes Geheimnis ist – seine Menschlichkeit und sein Führungsstil.“

Hansi Flick und Olaf Janßen: Damals wie heute Kollegen

Auch Olaf Janßen hat über seinen alten Weggefährten ausschließlich Positives zu berichten. Während Flicks Zeit beim 1. FC Köln stand Janßen jedes Jahr mit ihm im Kader – und als sein Nebenmann auf der Doppel-Sechs oft auf dem Platz. „Hansi war ein ehrlicher Spieler, hat alles dem Mannschaftserfolg untergeordnet und stets all seine Energie in die tägliche Arbeit und ins Spiel gesteckt“, berichtet Janßen.

„Wir waren direkte Konkurrenten für die Sechser-Position und haben beide alles gegeben, um zu spielen.“ Aber dieser Kampf sei niemals mit unfairen Mitteln ausgetragen worden. „Im Gegenteil, wir haben uns gegenseitig gepusht, es entwickelte sich eine Win-win-Situation unter Kollegen.“

Hansi Flick bejubelt mit Olaf Janßen (Nr. 6) den 1:0-Sieg des 1. FC Köln gegen Werder Bremen am 25.08.1990. Links: Torschütze Ralf Sturm und Pierre Littbarski.
Hansi Flick bejubelt mit Olaf Janßen (Nr. 6), Ralf Sturm (l.) und Pierre Littbarski (2.v.l.) den 1:0-Sieg des 1. FC Köln gegen Werder Bremen am 25.08.1990. © WEREK/IMAGO

Auch neben dem Platz hat Janßen den in Heidelberg geborenen Flick stets als tadellos und menschlich wahrgenommen. „Das ist seine DNA. Einfach ein angenehmer Kollege, der immer für jeden ein offenes Ohr hatte und sich auch um Dinge gekümmert hat, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten. Hansi wollte andere stets unterstützen.“

Als Aktiver beim 1. FC Köln: Nicht nur der „nette“ Hansi Flick

Die Wege von André Trulsen und Hansi Flick kreuzten sich Anfang der 90er-Jahre beim 1. FC Köln. Der Verteidiger kam im Sommer 1991 vom FC St. Pauli zu den Geißböcken. „Hansi hat mir meinen Einstieg enorm erleichtert und mir geholfen, beim 1. FC Köln anzukommen.“ Neben seiner offenen und hilfsbereiten Art hatte der heutige Erfolgscoach stets ein offenes Ohr für die Themen und Fragen seiner Mitspieler. „Hansi war damals schon ein echter Team-Player und stand für ein gutes Miteinander“, so Trulsen.

Auf dem Feld konnte der „nette“ Hansi aber auch ganz anders. „Er war extrem ehrgeizig, wollte jedes Spiel gewinnen, auch im Training. Hansi konnte da schon sehr bissig sein“, so Trulsen. „Dass Hansi mit seiner ruhigen, menschlichen und authentischen Art so erfolgreich ist, freut mich sehr. Ich glaube, das ist auch ein Stück weit sein Geheimnis.“

Hansi Flick beim 1. FC Köln: „Der Trainer steckte schon damals in ihm“

Einer, der Flick seit seinem ersten Tag im Effzeh-Trikot kennt, ist Erich Rutemöller, sein erster Trainer in Köln. „Er war ein sehr laufstarker Spieler im Mittelfeld. Sehr pflichtbewusst, sehr aufmerksam“, erinnert sich Rutemöller, „was nicht nur Hansis Spiel betraf, sondern auch seine Gedanken, die er sich grundsätzlich machte.“

Der erfahrene Fußballlehrer bezeichnet Flicks Einstellung als „positiv kritisch – indem er viel fragte und auch seine Meinung kundtat. In Hansi steckte schon damals ein bisschen Trainer.“ Rutemöller, der den Effzeh von Juni 1990 bis August 1991 trainierte, sind Flicks strategische Fähigkeiten im Gedächtnis geblieben. „Hansi hat sich nicht nur um seine eigene Rolle und Position gekümmert, sondern sich für das ganze Geschehen auf dem Platz interessiert.“

Hans Flick als Profi des 1. FC Köln: Kein Status-Gehabe

Aber: „Wenn er manches anders sah, dann hat er das auch mitgeteilt.“ Er habe mit Flick auch nicht immer nur über Taktik gefachsimpelt. „Doch in der unmittelbaren Vorbereitung vor dem Spiel merkte man, dass er sich mehr Gedanken machte als manch anderer.“

Status-Gehabe wegen seiner titelreichen Bayern-Vergangenheit? „Nein, das hat Hansi nie gezeigt. Das sieht man ja auch heute, das ist gar nicht seine Art. Hansi war damals ein Mannschaftsspieler, der sich eingebracht hat, der fürs Team gelaufen ist und gekämpft hat.“ Zwischen 2000 und 2007 leitete Erich Rutemöller die Fußball-Lehrer-Ausbildung des Deutschen Fußball-Bundes. Diese durchlief auch Hansi Flick, der 2003 unter Rutemöller als Jahrgangsbester abschloss.

„Er war ein absolut vorbildlicher ,Schüler‘, der alles wissen wollte, interessiert und neugierig war und lernen wollte, wie man Wissen vermittelt.“ Was Hansi Flick, schaut man sich die vergangenen Jahre an, offenbar ziemlich gut gelungen ist. (ps mit Material von Köln.Sport) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant