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1. FC Köln: Anthony Modeste – der Knipser, der sich erneut vom Acker macht

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Von: Max Dworak

Anthony Modeste wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und steht am Anstoßpunkt.
Anthony Modeste wird den 1. FC Köln Richtung Borussia Dortmund verlassen. © Laci Perenyi/ Imago

Der 1. FC Köln hat den Kampf um seinen besten Stürmer verloren. Ein Kommentar zum Abgang von Anthony Modeste.

Köln – Einmal Anthony Modeste sein – das wär’s doch. Vor 50.000 jubelnden Fans im RheinEnergie-Stadion auf dem Rasen zu stehen, Tor um Tor zu erzielen und immer das Gefühl zu haben, dass eine ganze Stadt hinter einem steht. Der Franzose hatte beim 1. FC Köln eine absolute Sonderstellung, seinen Stammplatz unter Steffen Baumgart konnte ihm keiner streitig machen. Die Betonung liegt auf „hatte“ und „konnte“. Es gibt Ärger im Paradies, denn Kölns bester Knipser verabschiedet sich mit einem durchaus faden Beigeschmack aus der Domstadt. Die belesene Anhängerschaft wird nun zustimmen: Verwundert haben dürfte es die wenigsten, dass diese Geschichte letztlich einen derartigen Verlauf nahm.

1. FC Köln: Anthony Modeste kokettiert im Trainingslager mit Wechsel

Im Trainingslager in Donaueschingen horchte die Sportpresse auf, als der 20-Tore-Mann aus der Vorsaison Anfang Juli seinen vermeintlichen Wunsch nach Veränderung kundtat: „Ich bin 34 Jahre alt und wenn etwas kommt, wo ich noch zwei oder drei Jahre spielen kann, werde ich mit dem Verein reden. Wir haben nur eine Karriere, um Titel zu holen, aber auch um Geld zu verdienen.“ Cheftrainer Baumgart, der just in diesem Moment nur wenige Meter entfernt saß und selbst eifrig Fragen beantwortete, dürfte im Nachgang nicht sonderlich erfreut über die Aussagen seines Noch-Spielers gewesen sein. Dieser fügte übrigens noch spöttisch hinzu: „Ich denke, der Top-Verdiener muss langsam weg.“

Das kolportierte Jahressalär von dreieinhalb Millionen Euro, das der FC dem 34-jährigen Top-Verdiener bis zuletzt zahlte, wurde garantiert nicht der Porto-Kasse entnommen. Gerade deshalb schmerzt es doch sehr, dass der Angreifer, den alle bedingungslos liebten, derart unzufrieden mit seiner Situation – speziell der finanziellen – gewesen zu sein schien.

Alle Jahre wieder…

…kommt in diesem Falle nicht das Christuskind, sondern beginnt das Wechsel-Theater um Modeste auf ein Neues. Bereits vor fünf Jahren, als die Rückennummer 27 mit seiner Treffsicherheit für den Einzug in die UEFA Europa League gesorgt hatte, war der Publikumsliebling dem Ruf des Geldes gefolgt und Richtung China abgewandert. Auch zu jener Zeit sorgte der Torjäger bis zu seinem Abgang nach Asien für Negativ-Schlagzeilen, unter anderem zofften sich seine Berater mit dem Bundesligisten wegen der Höhe diverser Provisionen. Das Abenteuer in der Ferne, das Modeste trotz ausstehender Gehaltszahlungen zu einem stinkreichen Mann gemacht haben dürfte – wenn er es denn in Relation zu Normalsterblichen nicht vorher ohnehin schon war – wurde nach anderthalb Jahren wieder zu den Akten gelegt.

Dass der FC seinen Ex-Spieler im November 2018 wieder in der Familie begrüßte und ihm seine verbalen Fehltritte gänzlich verziehen hatte, ließ zu jener Zeit wohl auch viele Vereinsverantwortliche hoffen, „Tony“ wüsste diese Geste entsprechend wertzuschätzen.

Am Ende siegt das reichere Team

Die Corona-Pandemie hat dem FC schwer zugesetzt, das zeigte nicht zuletzt ein gewaltiger Umsatz-Verlust von 85 Millionen Euro. Doch Modeste verkaufen? Das war für Baumgart und Sport-Chef Christian Keller eigentlich nie eine Option. Letzterer betonte kurz nach Amtsantritt im April, welche Bedeutung der Star-Stürmer trotz seines fortgeschrittenen Alters habe: „Wir glauben, dass er auch mit 34 noch in der Lage ist, Tore zu schießen, wenn wir ihn richtig einsetzen – und das wird das Trainerteam tun. Er ist für diese Mannschaft elementar wichtig. Gleichermaßen sind wir momentan nicht in der Lage, einen Top-Vertrag zu verlängern. Tony weiß, dass wir ihm aktuell nichts über 2023 hinaus anbieten können. Wenn wir im Herbst klarer sehen, wie unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten sind, sieht das sicher anders aus.“

Baumgart, der in der Zwischenzeit mit Sargis Adamyan und Steffen Tigges zwei neue Stürmer für die kommende Spielzeit erhalten hatte, schien die Diskussion um Modeste mit Gelassenheit zu verfolgen: „Wenn etwas kommt, dann reden wir. Wenn nichts kommt, reden wir nicht.“ Am 7. August, dem Tag des ersten Bundesligaspiels der Saison 2022/23, als sein Schützling längst mit einem Bein im Signal-Iduna-Park von Liga-Konkurrenten Borussia Dortmund stand, waren seine Worte dann etwas härter: „Jemand, der unseren Weg nicht mehr mitgeht, der ist dann halt nicht mehr dabei.“ Das Abschiedsspiel gegen den FC Schalke 04 blieb ihm daher knallhart verwehrt. Die völlig richtige Konsequenz. Auch die verbale Ohrfeige an Schwarz-Gelb, die der Kölner Erfolgscoach für die zeitlich äußerst ungünstige Bekanntgabe des Deals verteilte, war alles andere als ungerechtfertigt.

Wenn sich eine Türe schließt…

Nun ist der Tag X eingetreten, über den keiner bis zuletzt so wirklich sprechen wollte: Modeste wechselt zu Borussia Dortmund. Die Tormaschine ist weg und der UEFA Europa Conference League-Teilnehmer steht vor der entscheidenden Frage: Was tun? Nun ja, gegen Königsblau ist die erste Vorstellung ohne den Neu-Dortmunder, der sein Gehalt mit dem Wechsel wohl auf sechs Millionen Euro nahezu verdoppelt hat, prompt geglückt. Wer künftig der Mann für die Tore ist, weiß wohl selbst am Geißbockheim noch niemand genau. Mit Florian Dietz und dem bereits erwähnten Tigges hat der FC jedenfalls zwei Mittelstürmer im Kader, die zumindest rein physisch in der Lage sind, ihren prominenten Vorgänger abzulösen. Klar ist: Die Post-Modeste-Offensive muss ein schweres Erbe antreten – ob sie dafür bereit ist oder nicht.

Modeste lässt seinen Herzensverein ein zweites, mit großer Wahrscheinlichkeit auch letztes Mal, zum Start einer verheißungsvollen Spielzeit im Stich. Neben all den schönen Erinnerungen, die der Franzose den Rheinländern beschert hat, bleibt am Ende allerdings eines im Gedächtnis: Dankbarkeit im Profifußball gibt es scheinbar nicht. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Rheinland & NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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