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Dem 1. FC Köln droht der siebte Abstieg der Vereinshistorie: Die Gründe für den Absturz sind vielschichtig

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Von: Peter Stroß

Rafael Czichos (l.) und Jan Thielman schauen enttäuscht
Rafael Czichos (l.) und Jan Thielmann sind über das schwache Abschneiden in dieser Saison enttäuscht. © Thilo Schmuelgen/dpa

Der 1. FC Köln kann in der Bundesliga nicht mehr gewinnen. Keine offensive Durchschlagskraft, wenig Ideen, viele individuelle Fehler. Eine Analyse.

Köln – Acht Spiele hat der 1. FC Köln in der Bundesliga hinter sich. Magere drei Punkte stehen bis dato auf dem Konto. Saisonübergreifend liest sich die Bilanz noch schlimmer: Seit acht Monaten warten die „Geißböcke“ auf einen Bundesligaerfolg. Derzeit rangiert der Effzeh auf Tabellenplatz 17 und befindet sich somit im Abstiegskampf. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen und die Gründe für das schlechte Abschneiden zu benennen.

Kein Konzept – der 1. FC Köln agiert unter Markus Gisdol ideenlos

Für Offensivfußball steht der FC in der jüngeren Vergangenheit nicht unbedingt. In dieser Spielzeit präsentiert sich die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol aber bislang erschreckend fantasielos. Vor allem gegen Teams auf Augenhöhe zeigten sich die Kölner uninspiriert. Fakt ist: 119 Torschüsse sind viel zu wenig. Nur drei Bundesligateams zielten bislang seltener auf des Gegners Gehäuse. Der 1. FC Köln schafft es derzeit nicht, den Ball in den gegnerischen Strafraum zu bringen.

1. FC Köln: Keine Tore, keine Punkte

Kaum verwunderlich also, dass die Offensive des 1. Fußball-Club Köln ligaweit niemanden das Fürchten lehrt. Acht Tore stehen bislang zu Buche, nur Sebastian Andersson und Dominick Drexler trafen doppelt. Die wenigen Chancen, die sich das Team erarbeitet, werden nicht konsequent genutzt. Mit einer Chancenverwertung von 6,7 Prozent belegt der Effzeh auch in dieser Statistik im Ligavergleich einen schlechten Platz (15.).

Lange Bälle auf den schwedischen Sturmtank werden auf Dauer nicht reichen, um mehr als ein Tor pro Spiel zu erzielen. Weil Dauerpatient Anthony Modeste weiter fehlt, stehen Markus Gisdol aber kaum Alternativen im Angriff zur Verfügung. Eine taktische Umstellung auf zwei Spitzen scheint bis zur Winterpause utopisch, somit muss der Cheftrainer dringend Wege finden, seine Mittelfeldspieler ins Offensivspiel einzubringen. Weder Ismail Jakobs, Ondrej Duda, Salih Özcan noch Dominick Drexler, die im RheinEnergie-Stadion gegen Union Berlin von Anfang ran durften, stehen allerdings für ausgewiesene Torgefahr.

Viel zu viele individuelle Fehler unter Markus Gisdol

„Hinten muss die Null stehen“ – diese Phrase haben sich schon viele Abstiegskandidaten im Kampf um den Klassenerhalt auf die Fahne geschrieben. Dies gilt insbesondere für Teams, denen es an Durchschlagskraft mangelt. 14 Gegentreffer in der Bundesligasaison 2020/21 sind zwar kein katastrophaler Wert, allerdings verteilte der Effzeh dabei deutlich zu viele Geschenke.

Bereits fünf Elfmeter bekam die Gisdol-Elf gegen sich gepfiffen, hinzu kommen kapitale Aussetzer von fast der gesamten Abwehrreihe. Das Resultat sind nicht nur verschenkte Punkte, sondern auch verlorenes Selbstbewusstsein.

Horst Heldts Neuzugänge wie Ondrej Duda und Marius Wolf enttäuschen

Nach dem Abgang von Jhon Cordoba im Sommer fürchteten nicht wenige FC-Anhänger, dass er eine nicht zu füllende Lücke hinterlassen würde. Fakt ist: Sebastian Andersson macht seine Sache nicht schlecht, kann aber bislang nicht an die Leistungen seines Vorgängers anknüpfen. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass die übrigen Verpflichtungen bislang enttäuschen. Ondrej Duda, einst als Königstransfer in der Mittelfeldzentrale gepriesen, sucht noch seine Rolle.

Bislang unter ihren Möglichkeiten blieben auch Marius Wolf und Dmitrios Limnios, die eigentlich für reichlich Wirbel auf den Flügelpositionen sorgen sollten. Hinzu kommt, dass die arrivierten Kräfte wie Timo Horn, Sebastian Bornauw oder Jonas Hector unter ihrem Niveau performen.

Die Gründe für die Negativserie sind somit vielschichtig – und gleichsam schwer zu beheben. Viel Zeit allerdings bleibt Markus Gisdol genau dafür aber nicht mehr, die Geduld eines Bundesligisten ist bei anhaltender Erfolgslosigkeit bekanntermaßen begrenzt. Mit Borussia Dortmund wartet am kommenden Wochenende (28.11., 15:30 Uhr) nicht gerade ein Aufbaugegner auf den 1. FC Köln. (ps)

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