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Heiner Brand lobt FC-Coach Steffen Baumgart – „ein ehrlicher Typ“

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Von: Simon Ommer

Handball-Ikone Heiner Brand ist schon viele Jahre Anhänger des 1. FC Köln.
Handball-Ikone Heiner Brand ist schon viele Jahre Anhänger des 1. FC Köln. © Oliver Zimmermann/Imago

Er steht für den Handball in Deutschland, wie kaum ein anderer: Heiner Brand. Mit 24RHEIN spricht der Weltmeister-Trainer von 2007 über seine zweite Leidenschaft, den 1.FC Köln.

Für viele ist er das Gesicht des deutschen Handballs. Als Spieler wurde er Weltmeister, sechsmal Deutscher Meister, holte viermal den DHB-Pokal, je zweimal den Europapokal der Pokalsieger und den Europapokal der Landesmeister sowie zahlreiche weitere Titel. Für die jüngere Generation ist der Gummersbacher aber vor allem als Nationaltrainer bekannt, mit der DHB-Auswahl wurde er sowohl Europa- als auch Weltmeister. In seiner Freizeit unterstützt er auch einen Fußballverein: den 1. FC Köln. Im Interview spricht er über seine besondere Verbindung zum Klub, die aktuelle Situation und Trainer Steffen Baumgart.

Herr Brand, Sie sind bekennender Fan des 1. FC Köln. Wie ist diese Verbindung entstanden?

Ich bin schon ewig FC-Fan. Die Verbindung zum Verein stammt noch aus der Zeit mit Wolfgang Weber, Wolfgang Overath und Bernd Cullmann – das waren alles Spieler, die aus der Umgebung stammten, aus dem Kölner Umland. So ist es bei mir als Gummersbacher ja auch irgendwie. Durch den regionalen Faktor ist diese Beziehung automatisch entstanden.

Der 1. FC Köln steht bekanntlich für Leidenschaft und Emotionen. Passen diese Begriffe auch zum FC-Fan Heiner Brand?

Grundsätzlich passt das bei mir schon, wenn ich an den FC denke. Aber das trifft auch generell auf den Sport bei mir zu. Ich glaube, dass ich auch beim Handball immer dafür gestanden habe. Als FC-Fan ist das dann natürlich etwas abgeschwächt. Aber ich verfolge immer besonders gerne, welche Begeisterung für den Verein in der Stadt herrscht. Und das unabhängig von der sportlichen Leistung. Das ist einfach faszinierend.

Wie verfolgen Sie in der Regel die Spiele des Klubs?

Wenn es möglich ist, gehe ich ins Stadion. Gerne mit meinem Enkel, der begeisterter FC-Anhänger ist. Ansonsten schaue ich mir die Spiele im Fernsehen an, wenn es meine Termine zulassen. Sollte das aber mal nicht möglich sein, verfolge ich die Berichterstattung im Internet oder in der Zeitung.

Heiner Brand über FC-Trainer Steffen Baumgart

Der Saisonstart verlief für den FC in dieser Saison sehr positiv. Wie bewerten Sie die ersten Spiele der Mannschaft?

Ich bin sehr zufrieden! Die Mannschaft hat angedeutet, was sie leisten kann. Auch die Verbindung zwischen Mannschaft und Trainer scheint sehr gut zu sein, sodass sich die Begeisterungsfähigkeit des Trainers auf die Mannschaft und deren Spielweise überträgt. Vielleicht war auch der erste Rückschlag gegen Hoffenheim mal ganz gut, sodass die Mannschaft gesehen hat, dass sie mit vollem Einsatz spielen muss, um die tatsächlichen Stärken zu entfalten. Denn der Gedanke, alles rein spielerisch zu lösen, ist sicherlich noch etwas zu früh.

Mit Steffen Baumgart steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Wie bewerten Sie seine Arbeit bisher?

Sicherlich ist er mitverantwortlich für den positiven Trend. Es muss eben alles zusammenpassen. Ich denke, die Mannschaft hat schnell gemerkt, dass er ein ehrlicher Typ ist, der offen mit den Spielern umgeht, das ist schon mal ganz wichtig. Er hat eine Idee von einer bestimmten Spielweise – die Leidenschaft, die er versucht, auf seine Mannschaft zu übertragen, ist schließlich nicht zu übersehen. Zudem ist das Umfeld im Augenblick sehr ruhig. Man kann nur hoffen, dass das so bleibt.

Heiner Brand (links) auf der Tribüne im RheinEnergie-Stadion. Vorne Mitte: Oliver Kahn.
Heiner Brand (oben links) verfolgt die Spiele des 1. FC Köln so oft es geht live im RheinEnergie-Stadion, so wie hier die Partie gegen Bayern München im Februar 2020. © IMAGO/Anke Waelischmiller/SVEN SIMON

Die Verbindung zwischen Mannschaft und Trainer scheint sehr gut zu sein, sodass sich die Begeisterungsfähigkeit des Trainers auf die Mannschaft und deren Spielweise überträgt. 

Heiner Brand

Erklären Sie doch bitte einmal aus Trainersicht: Wie kann es ein Trainer in kurzer Zeit schaffen, eine Mannschaft, die zuvor kurz vor dem Abstieg stand, wieder in die Spur zu bringen? Groß verändert wurde der Kader schließlich nicht, dennoch präsentieren sich einige Spieler, wie etwa Anthony Modeste, viel stärker als zuvor.

Am Beispiel Modeste ist das, denke ich, relativ einfach zu erklären. Das hängt sicherlich überwiegend mit seiner körperlichen Fitness zusammen. In den vergangenen Jahren, das war nicht zu übersehen, hatte er körperliche Defizite und wurde durch einige Verletzungen zurückgeworfen. Körperliche Fitness ist allerdings eine Grundvoraussetzung, um im System von Steffen Baumgart spielen zu können. Nun ist er fit und bekommt vom Trainer das Vertrauen, was einem Spieler generell immer hilft. Man kann aber nicht nur vom Trainer erwarten, dass er einem Spieler automatisch Vertrauen schenkt, sondern der Spieler selbst muss auch etwas dafür tun. Und das hat Modeste offensichtlich gemacht. Die Spieler merken, dass Baumgart eine Spielidee hat, sich diese umsetzen lässt und dadurch Erfolg bringen kann.

Blicken wir einmal kurz in die Zukunft: Was ist in dieser Saison möglich für den Verein?

Das ist natürlich schwierig zu sagen. Da kommen ja sicherlich auch noch einige Mannschaften weiter nach oben, die individuell besser besetzt sind als der FC, wie etwa Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach. Die werden im Laufe der Saison sicherlich noch stabiler werden. Aber ich gehe davon aus, dass der FC keine Abstiegssorgen haben wird. Dann wird man sehen, wie weit das gehen kann. Es gibt ja immer Ausreißer nach oben, wenn alles zusammenpasst.

Wäre Heiner Brand wirklich beinahe Präsident des 1. FC Köln geworden?

Mehreren Medienberichten zufolge standen Sie im Jahr 2011 auf einer Kandidatenliste als FC-Präsident und Nachfolger von Wolfgang Overath. Erinnern Sie sich an diese Zeit?

(lacht) Konkreten Kontakt gab es auf jeden Fall nicht. Ich erinnere mich aber noch daran, wie das damals verbreitet wurde. Dazu gibt es tatsächlich auch eine ganz lustige Anekdote.

Erzählen Sie bitte!

Wie es der Zufall wollte, war ich zu dieser Zeit bei einem Termin in München und dann auch beim Spiel des FC in der Allianz Arena zu Besuch. Es war bitterkalt, sodass ich einen dicken Mantel und auch die Kapuze getragen habe auf der Tribüne. Ich wurde dann fotografiert und das Bild ist schließlich verbreitet worden. Sozusagen mit der Botschaft, dass ich dem FC nachgereist wäre. Es war aber reiner Zufall. Den Posten als FC-Präsident kann ich mir auch nicht vorstellen. Fan ja – aber ich bin auch nicht zum Funktionär geeignet, sondern sehe meine Stärken im Spieler- und Trainerbereich.

In den vergangenen Jahren ist im Verein viel passiert. Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen, was schlecht?

Zwischendurch herrschte natürlich sehr viel Unruhe, vor allem durch die Einbeziehung der Mitglieder. Das ist meiner Meinung nach immer ein Wagnis, aber der Verein wollte es ja offensichtlich so. Dass der Mitgliederrat verstärkt Einfluss nehmen kann, hat natürlich für Unruhe gesorgt. Aktuell empfinde ich es allerdings als wohltuend ruhig. Die jetzigen Entscheidungsträger scheinen es sehr gut zu machen.

Wagen Sie doch bitte einmal eine kleine Prognose: Wohin führt der Weg des Klubs in den nächsten Jahren?

Die bestehende Ruhe muss bleiben, das ist erst einmal ganz wichtig. Der Verein sollte sich auch wirtschaftlich wieder stabilisieren. Und dann ist es schon möglich, einen ähnlichen Weg wie Borussia Mönchengladbach zu gehen, auch wenn man das in Köln natürlich nicht gerne hört. Die Gladbacher haben sich in den vergangenen Jahren auch deutlich stabilisiert – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Das muss der FC auch schaffen. Und wenn man in diesem Bereich angekommen ist, kann man auch mal an höhere Ziele denken, davon träumt doch jeder FC-Fan.

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