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1. FC Köln: Maurice „Mucki“ Banach – „Thomas Müller und Robert Lewandowski in einer Person“

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Von: Andreas Ohlberger

Maurice Banach im Bundesligaspiel des 1. FC Köln gegen die Stuttgarter Kickers am 10. August 1991.
FC-Stürmer Maurice Banach zielstrebig und durchsetzungsstark, hier im Bundesligaspiel des 1. FC Köln gegen die Stuttgarter Kickers am 10. August 1991. © HORSTMUELLER/IMAGO

1. FC Köln: Maurice Banach starb am 17.11.1991 bei einem Autounfall. Zum 30. Todestag sprach 24RHEIN mit Thomas Reinscheid, Co-Autor der Biografie „Maurice Banach – sie nannten ihn Mucki“.

Thomas, am 17. November jährt sich der Todestag von Mucki Banach zum 30. Mal. Du hast zusammen mit Ralf Friedrichs die Banach-Biografie „Sie nannten ihn Mucki“ geschrieben. Warum erst jetzt?

Thomas Reinscheid: Das habe ich mich in der Planungsphase des Buches auch gefragt, um ehrlich zu sein. Ich hatte den Gedanken schon zum 25. Todestag 2016, aber damals fehlte mir die Zeit und auch die Kontakte, um das Projekt vernünftig umzusetzen. Nun, da sich Muckis tragischer Todestag zum 30. Mal jährt, war in meinen Augen der richtige Zeitpunkt gegeben. Und mit Ralf Friedrichs habe ich den perfekten Co-Autoren an meiner Seite gehabt, um Mucki das journalistische Denkmal zu setzen, das wir im Sinne hatten.

Du hast Banach selbst ja nicht mehr spielen gesehen. Was hat dich an ihm so fasziniert, dass du dieses Buch über sein Leben schreiben wolltest?

Vermutlich war es genau die Tatsache, dass ich ihn nicht mehr habe spielen sehen. Ich habe mein Herz Mitte der 1990er-Jahre an den 1. FC Köln verloren, die folgenden Jahre sind nun wirklich nicht das Highlight der Vereinsgeschichte gewesen. Gerade deswegen hat mich die ruhmreiche Historie mehr und mehr fasziniert. Auch um zu verstehen, wie der FC zu dem geworden ist, was er seit den neunziger Jahren leider ist. Und die Geschehnisse rund um Maurice Banach spielen dafür in meinen Augen natürlich eine gewichtige Rolle!

Beim 1. FC Köln war Maurice „Mucki“ Banach wegen seiner sympathischen Art beliebt

Mit welchem Anspruch seid ihr an das Buch herangegangen und wie lange habt ihr recherchiert?

Viele FC-Fans, die ihn so wie ich nie haben spielen sehen, kennen Mucki Banach kaum oder gar nicht. Außer seinem tragischen Tod ist den meisten weder der Mensch noch der Spieler so richtig bekannt. Das wollten wir mit dem Buch ändern – und auch die Ereignisse nach seinem Tod, als sich der FC nicht als sonderlich feiner Verein präsentiert hatte, vernünftig aufarbeiten. Das hat dann – mit allen Hintergrundgesprächen – seine Zeit gedauert, wir haben auch aufgrund der Pandemie ungefähr ein dreiviertel Jahr benötigt.

Fans des FC erinnern sich an den Spieler Maurice Banach, an den Torjäger. Für „Sie nannten ihn Mucki“ habt ihr mit vielen Mannschaftskameraden von Mucki gesprochen. Welches Bild zeichnen die von ihrem ehemaligen Mitspieler? Was war er für ein Typ?

Ein zurückhaltender, ruhiger Mensch, der aber den Schalk im Nacken hatte und immer guter Laune war. Mucki war niemand, der das Rampenlicht gesucht hat. Er war statt bei Siegesfeiern lieber bei seiner Familie, ist im Münsterland angeln gegangen. Es ist wirklich außergewöhnlich, weil es im Fußballgeschäft selten der Fall ist, aber wir haben niemanden gefunden, der schlecht über Mucki redet. Man konnte bei allen spüren, wie sympathisch er seinen Kollegen war. Neben seinen sportlichen Qualitäten war er innerhalb der Mannschaften, egal ob Dortmund, Wattenscheid oder Köln, vor allem wegen seiner Art beliebt.

Mucki Banach bejubelt mit Pierre Littbarski (l.) und Ralf Sturm (r.) seinen Führungstreffer zum 1:0 für den 1. FC Köln im Bundesliga-Derby gegen Borussia Mönchengladbach am 20.09.1991.
Mucki Banach bejubelt seinen Führungstreffer zum 1:0 für den 1. FC Köln im Bundesliga-Derby gegen Borussia Mönchengladbach am 20.09.1991. © HORSTMUELLER/IMAGO

„Mucki wäre heute ein absoluter Superstar“

Thomas Reinscheid

Und auf dem Platz? Maurice Banach stand angeblich ja vor der Berufung in die Nationalmannschaft.

Mucki sollte spätestens nach der EM 1992 bei der DFB-Elf hineinschnuppern, Bundestrainer Berti Vogts hatte mehr als nur ein Auge auf ihn geworfen. „Im Strafraum zählt er zu den Allerbesten“, hatte er damals schon gesagt. Aber Maurice Banach war mehr als nur ein Strafraumstürmer. Er ließ sich oft ins Mittelfeld fallen und versuchte so die Angriffe anzukurbeln. Thomas Müller und Robert Lewandowski in einer Person – so beschreibt es Pierre Littbarski. Ein moderner Stürmer also im heutigen Sinne. Ich habe dank eines Freundes viele Videos seiner damaligen Spiele gesehen und bin überzeugt: Mucki wäre heutzutage ein absoluter Superstar!

Inwieweit verklären diese Erinnerungen, die 30 Jahre und zum Teil länger zurückliegen, das Bild vom Menschen und Fußballer Maurice Banach?

Das ist sicherlich wie immer der Fall, auch weil es um einen verstorbenen Menschen geht. Interessant zu sehen war für mich bei der Recherche, dass Mucki in der ersten Saison lange als Chancentod galt, viele Fans hatten sich zuvor schon einen deutlich größeren Namen für den FC-Sturm gewünscht. Zwischendurch vermeldeten Medien sogar, dass Banach auf der Abschussliste stünde. Das hat sich dann erst gegen Ende des ersten Kölner Jahres gewandelt, in dem er beim Einzug ins Pokalfinale eine entscheidende Rolle gespielt hat. Im Nachhinein ist die Bewertung da doch deutlich großzügiger.

Nachdem Maurice Banach gestorben war, begann der Abschwung des 1. FC Köln. Die großen Zeiten waren vorbei. War Maurice Banach für viele FC-Fans, welche die erfolgreichen Jahre miterlebt haben, so etwas wie ein uneingelöstes Versprechen auf wieder bessere Zeiten?

Auf jeden Fall. Wobei auch dabei der Blick zurück den Mythos nährt: Der FC war bei Banachs Verpflichtung keinesfalls der abstürzende Verein, als den wir ihn in der heutigen Betrachtung wahrnehmen. Die „Geißböcke“ scheiterten 1990 nur knapp im UEFA-Cup-Halbfinale an Juventus Turin, wurden in der Bundesliga Vizemeister und hatten prallgefüllte Kassen. Dass danach so ziemlich alles schief lief, was schieflaufen konnte, war bei Muckis Tod noch nicht zu erahnen.

Der Tod von Maurice Banach und der Niedergang des 1. FC Köln

Inwieweit stürzte der Tod von Maurice Banach den ganzen Verein in eine Jahre anhaltende Depression?

Zunächst einmal gar nicht, schnell kehrte wieder der fußballerische Alltag ein, so bitter sich das auch anhören mag. Der FC marschierte in der Saison, die ja abseits von Banachs Toren gar nicht gut begonnen hatte, noch in den UEFA-Cup. Man habe für Mucki gespielt, sagte uns Pierre Littbarski in den Gesprächen zum Buch, die Mannschaft wurde richtig zusammengeschweißt. Das Problem war aber: Das war ein Strohfeuer, das die Probleme des Vereins übertüncht hat. „Gift für den Verein“, nannte Bodo Illgner den sportlichen Erfolg. Aber klar: Banachs Tod spielt eine Schlüsselrolle für den sportlichen Verfall der folgenden Jahre, er war absoluter Leistungsträger und nicht umsonst auf dem Weg in die Nationalmannschaft.

Wäre Mucki kein Mythos, wenn der FC in den Folgejahren erfolgreicher gewesen wäre, oder weshalb hält der Mythos „Maurice Banach“ bis heute an?

Der Absturz des Vereins ist sicherlich ein Baustein in der Verehrung, die Mucki Banach heute noch in Köln erfährt. Der Fußballfan an sich lebt gerne in Konjunktiven – und dass rund um den FC die Frage, wie sich der Club wohl mit einem Maurice Banach entwickelt hätte, stellt, ist vollkommen normal. Das ist aber nur ein Grund, weshalb Mucki bis heute für die FC-Anhänger in dieser Form präsent ist: Die Fans haben ihn schlichtweg niemals vergessen und das Andenken lebendig gehalten. Ob mit einem Spruchband im Stadion oder mit Gedächtnisturnieren: Maurice Banach ist und bleibt unvergessen!

Gedenken an Maurice Banach beim Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim am 21.11.2009. FC-Fans zeigen ein Banner mit der Aufschrift „Mucki: Unvergessen“
Mythos Mucki: Im Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Köln nach Maurice Banachs 18. Todestag, am 21.11.2009, präsentieren FC-Fans ein Banner „Mucki: Unvergessen“ © Eduard Bopp/IMAGO

Maurice Banachs Wittwe Claudia im FC-Stammtisch über den 1. FC Köln

Eure Biografie endet ja nicht mit seinem Tod, sondern befasst sich auch mit der Verarbeitung des Unglücks. Da hat sich die Clubführung des FC nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, oder?

Nach all dem, was uns vorliegt: Nein, wahrlich nicht. Anstatt sich um die Hinterbliebenen zu kümmern, hat der Verein damals vor allem seine Belange versucht durchzusetzen. Andreas Gielchen, dem große Verdienste bei der Aufarbeitung der Geschehnisse und dem Andenken an Mucki gebühren, förderte das Verhalten des FC ebenso ans Licht wie Muckis Witwe Claudia, die sich 2009 bei Ralf Friedrichs im FC-Stammtisch Talk erstmals wieder öffentlich äußerte. Da ist damals vonseiten des Vereins viel Schindluder in finanzieller Hinsicht getrieben worden – mit dem negativen Höhepunkt, dass der damalige Geschäftsführer Wolfgang Schänzler bei Diskussionen über die Lebensversicherung zur Witwe gesagt haben soll, dass sie sich ja einen neuen Mann suchen könne, der FC aber einen neuen Stürmer kaufen müsse. Heutzutage würde das wohl einen Imageschaden sondergleichen geben, damals dachte der Verein wohl, dass er sich das erlauben könne.

Der 1. FC Köln und die Familie Banach finden wieder zusammen

Ihr habt für das Buch eng mit Muckis Witwe Claudia zusammengearbeitet. Wie wichtig war es ihr, dass Muckis Geschichte aufgeschrieben wird?

Sie hat sich sehr über das Projekt gefreut, als wir es ihr vorgestellt haben, und war von Beginn an Feuer und Flamme für „Sie nannten ihn Mucki“. Das war uns als Autoren enorm wichtig, dass wir Muckis Familie an Bord haben, um zum einen deutlich tiefere Einblicke in sein Leben zu bekommen, aber zum anderen auch damit nicht unnötig Wunden aufzureißen. Dass dadurch bis auf wenige unschöne Ausnahmen alle Beteiligten an Bord waren, hat uns die Arbeit deutlich erleichtert und sehr gefreut. Es zeigt uns einfach, dass Mucki in den Herzen der Menschen auch nach 30 Jahren einen wichtigen Platz einnimmt.

Hat sie inzwischen ihren Frieden mit dem FC geschlossen und warum dauerte das so lang?

Ja, so kann man das sagen. Der FC hat sich vergangenen Sommer auf Initiative der Geschäftsführung um Muckis ehemaligen Mannschaftskollegen Horst Heldt und Alexander Wehrle sehr darum bemüht, das Verhältnis zur Familie Banach wieder in die richtige Spur zu bringen. Das Benefizspiel, das vermutlich im kommenden Sommer zu Ehren Maurice Banachs stattfindet, ist da nur das sichtbarste Zeichen. Muckis Witwe Claudia sagte, dass sie sich nun als Teil der FC-Familie fühlt. Dass dies erst jetzt geschieht, ist kein gutes Zeichen für einen Verein wie den 1. FC Köln, der vermeintlich viel Wert auf seine Tradition und seine Geschichte legt. Es hat vor allem vom Verein immer nur sporadisch Unterstützung gegeben, die aber zumeist auf Druck von außen geschah. Dass sich das jetzt anders darstellt, ist begrüßenswert. Besser spät als nie!

Zum Abschluss: Der Titel des Buches scheint eine Anspielung auf den Film-Titel „Sie nannten ihn Mücke“, eine Action-Komödie von 1978 mit Bud Spencer zu sein. Hat das einen bestimmten Hintergrund?

Es ist zuerst einmal natürlich einfach nur ein naheliegendes Wortspiel. Egal, mit wem wir über Maurice Banach sprachen: Alle nannten ihn liebevoll Mucki. Selbst ein Nachruf im Kölner Stadt-Anzeiger im November 1991 war dementsprechend betitelt. Aber ich muss ehrlich sagen: Wer den Film kennt, der könnte meinen, dass das zu Mucki Banach passt. Jemand, der sich von unten hochkämpft, aber dabei er selbst bleibt und vor allem den Humor nicht verliert. Ich glaube, dieser Vergleich hätte ihm gefallen!

Das Buch: Maurice Banach – Sie nannten ihn Mucki“ von Ralf Friedrichs und Thomas Reinscheid

Buchcover der Biografie „Maurice Banach – Sie nannten ihn Mucki“ von Ralf Friedrichs und Thomas Reinscheid, erschienen im Verlag Edition Steffan.
Die Biografie „Maurice Banach – Sie nannten ihn Mucki“ von Ralf Friedrichs und Thomas Reinscheid ist im Verlag Edition Steffan erschienen. © Edition Steffan

Maurice Banach – Sie nannten ihn Mucki

Ein umfassendes Buch über den tragisch verunglückten Hoffnungsträger und Fast-Nationalspieler des 1. FC Köln, Maurice Banach. Auf ca. 180 Seiten wird sein Lebensweg detailgenau nachgezeichnet, alle wichtigen Wegbegleiter kommen im Buch Maurice Banach – Sie nannten ihn Mucki zu Wort.

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