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1. FC Köln: Vor welchen Herausforderungen Christian Keller jetzt steht

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Von: Max Dworak

Christian Keller schaut mit strengem Blick nach vorne.
Sportchef Christian Keller muss schon bald wichtige Personalentscheidungen treffen, damit der 1. FC Köln weiterhin gut aufgestellt ist. © Treese/Imago

Christian Keller ist seit April der neue Sportchef beim 1. FC Köln. Für die nächste Saison muss er viele wichtige Entscheidungen treffen – mit wenig Geld.

Köln – Als Christian Keller auf der offiziellen Pressekonferenz am 4. April beim 1. FC Köln als neuer Geschäftsführer im Bereich Sport vorgestellt wurde, konnten alle Anwesenden spüren, dass der neue Funktionär mächtig Lust auf sein nächstes Projekt hat: „Der FC ist ein großer Klub mit riesiger Strahlkraft. Es gibt nicht viele vergleichbare Standorte in Deutschland.“ Genauso schnell wurde es jedoch auch ernst. Der Traditionsklub hat wenig finanzielle Mittel, muss aber in der Bundesliga wettbewerbsfähig bleiben – eine Mammutaufgabe, die es zu bewältigen gilt.

1. FC Köln: Christian Keller kündigt Sparmaßnahmen an

Bereits bei seinem ersten Auftritt am Geißbockheim sprach Keller die finanzielle Situation des Vereins an: „Ein gutes Stück Zukunft wurde verfrühstückt, sodass gewisse Fesseln an der Kaderplanung liegen.“ Natürlich blieb auch ihm nicht verborgen, wie sehr der 1. FC Köln – genau wie viele andere Teams im deutschen Profifußball – unter den Corona-Maßnahmen gelitten hatte.

Ein gutes Stück Zukunft wurde verfrühstückt, sodass gewisse Fesseln an der Kaderplanung liegen.

Christian Keller, seit 1. April 2022 Geschäftsführer im Bereich Sport beim 1. FC Köln

Ex-Geschäftsführer Alexander Wehrle mahnte bereits im Januar dieses Jahres zum Sparen, da der Verein wegen der Pandemie etwa 85 Millionen Euro Umsatz verloren hatte. Die Schlussbilanz des Unternehmens für die Saison 2020/21 offenbarte zudem ein Minus von 3,9 Millionen Euro, wie Wehrle auf der Mitgliederversammlung im November 2021 verkündete. Mit Besorgnis sagte er daher kurz vor seinem Abschied ins Schwabenland: „Wir müssen bereits jetzt eine Landesbürgschaft zurückführen, haben erhebliches Fremdkapital angesammelt und mussten künftige Sponsoring-Einnahmen vorziehen“, so der neue Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart.

Somit ist bereits vor Beginn der Sommerpause klar, in welche Richtung sich der 1. FC Köln in Sachen Kaderplanung bewegen muss: „Es wird laut Planung der kleinste Etat für Lizenzspieler sein in den vergangenen Jahren, noch mal 20 Prozent reduziert. Wir brauchen kreative Lösungen. Man kann fertige und junge Spieler holen. Da habe ich eine ganz klare Idee, aber die will ich erst mal intern besprechen“, schlussfolgerte Keller für die Transferpolitik der Domstädter.

1. FC Köln: Absolutes Vertrauen in Kellers Geschicke

Trotz eng geschnürtem Finanzgürtel erklärte Kölns Vizepräsident Eckhard Sauren, weshalb Keller die ideale Besetzung für den Posten des Sportchefs ist: „In Regensburg hat er Beeindruckendes geleistet. Als er dort übernommen hat, waren sie nicht weit von der Insolvenz entfernt. Die wirtschaftliche Herausforderung war enorm. Er hat einen ganz klaren Plan gehabt.“ Ohne Zweifel hatte der 43-Jährige maßgeblichen Anteil daran, dass sich der SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga etablieren konnte.

Weitere Indikatoren, die sein Engagement beim FC rechtfertigen: Bereits in jungen Jahren erarbeitete Keller Konzepte für die Nachwuchsausbildung im Fußball, außerdem lautete das Thema seiner Doktorarbeit an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen „Steuerung von Fußballunternehmen – Finanziellen und sportlichen Erfolg langfristig gestalten“. Auch die Tatsache, dass mit dem ehemaligen Interims-Sportchef Jörg Jakobs jemand weiterhin zum engen Beraterkreis von Keller zählt, der die Vereinsstrukturen bestens kennt, macht Mut.

Christian Keller: „Auf nennenswerte Transfererlöse angewiesen“

Obwohl genügend Kompetenz und Einsatzwille vorhanden zu sein scheinen, bleibt da immer noch die große Frage: Wie möchte der 1. FC Köln den Spagat zwischen Leistungsträger verkaufen, Schnäppchen holen und trotzdem das Leistungsgefüge stabil halten, bewerkstelligen? Im wahrsten Sinne des Wortes fast ein Ding der Unmöglichkeit – eben wie die Quadratur des Kreises. Möchte man Salih Özcan auch in Zukunft halten, wird der FC nicht drumherum kommen, das Gehalt des Spielers anzuheben. Darüber hinaus stehen weitere Leistungsträger vor einer ungewissen Zukunft, allen voran Top-Torjäger Anthony Modeste. Bei den Verkaufskandidaten Sebastian Andersson, Ellyes Skhiri, Louis Schaub oder Jannes Horn ist ebenfalls noch nichts in Stein gemeißelt.

Um die aufgebauten Belastungen zurückzuführen, werden wir uns zukünftig in allen Bereichen einschränken müssen.

Christian Keller, seit 1. April 2022 Geschäftsführer im Bereich Sport beim 1. FC Köln

Keller nahm angesichts des wackligen Finanzgerüstes kein Blatt vor den Mund: „Um die aufgebauten Belastungen zurückzuführen, werden wir uns zukünftig in allen Bereichen einschränken müssen. Das betrifft allen voran den Personalaufwand für die Lizenzspielerabteilung, der wie bereits angekündigt um 20 Prozent reduziert werden muss. Gleichzeitig sind wir auf nennenswerte Transfererlöse angewiesen.“ Heißt: Um sich in der Bundesliga im Bereich der oberen Tabellenhälfte dauerhaft festzusetzen, muss erst einmal Geld für Neuzugänge her. Dass der FC hervorragende Jugendarbeit betreibt, ist zwar ligaweit bekannt. Es wäre jedoch etwas naiv zu glauben, dass ein Team, welches größtenteils aus Eigengewächsen besteht und wenig Profi-Erfahrung besitzt, den gewünschten Erfolg bringen kann.

1. FC Köln: Beispiel Florian Kainz zeigt, wie es gehen kann

Klar ist: Über den monetären Weg wird es der 1. FC Köln kaum schaffen, bereits fertige Spieler von einer Anstellung zu überzeugen, respektive Leistungsträger langfristig zu halten. Allerdings halten die Kölner mit Steffen Baumgart einen entscheidenden Trumpf in der Hand, dessen Begeisterung für modernen und erfolgreichen Fußball mitreißt. So sagte Stammspieler Florian Kainz, der kürzlich trotz Gehaltseinbußen bis 2024 verlängerte: „Für mich waren zwei Gründe ausschlaggebend. Auf der einen Seite stimmt die sportliche Perspektive. Es macht gerade sehr viel Spaß, beim FC Fußball zu spielen. Auf der anderen Seite war das eine ganz wichtige Entscheidung für uns als Familie. Da sprechen ebenfalls viele Dinge für den FC.“

Es macht gerade sehr viel Spaß, beim FC Fußball zu spielen.

Florian Kainz, Spieler des 1. FC Köln nach seiner Vertragsverlängerung

1. FC Köln: Diese Spieler wünscht sich Steffen Baumgart

Bei der Suche nach Verstärkungen wurde Steffen Baumgart immer mal wieder konkreter, welches Profil ein Spieler mitbringen müsse, um in sein System zu passen. Besonders stark sehnt sich der FC-Coach nach einem Flügelspieler, der das nötige Tempo auf den Rasen bringt, um sich im Eins-gegen-Eins durchzusetzen. Im März kamen möglicherweise genau deshalb die Gerüchte auf, der 1. FC Köln habe ein Auge auf Düsseldorfs Flügelstürmer Khaled Narey geworfen. Der 27-Jährige bringt neben seiner Schnelligkeit auch viel Torgefahr mit und kommt in der 2. Bundesliga in 30 Spielen auf acht Tore und 15 Vorlagen. Eine weitere Alternative wäre Linton Maina von Hannover 96. Der 22-Jährige ist mit einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 35,62 km/h der fünftschnellste Spieler der 2. Bundesliga und im Sommer ablösefrei zu haben. Schon im Juni 2021 kursierten Gerüchte, der FC habe Interesse an dem Offensivspieler.

Noch drei Spieltage sind zu gehen, bis die Saison ihr Ende findet. Spätestens dann geht die Kaderplanung für Christian Keller in die heiße Phase. Zumal dann feststeht, ob dem 1. FC Köln der Einzug in die Europa League oder die Conference League geglückt ist. Auch von dieser Eventualität könnte einiges abhängen – zumindest, was die sportliche Attraktivität des Klubs angeht. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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