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1. FC Köln: Sportchef Christian Keller – Ausbildung, Werdegang und Karriere

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Von: Max Dworak

Christian Keller steht auf der Terrasse des Geißbockheims und lächelt in die Kamera.
Christian Keller ist seit dem 1. April 2022 Sportchef des 1. FC Köln. © Herbert Bucco/Imago

Seit dem 1. April 2022 hat Christian Keller im sportlichen Bereich beim 1. FC Köln das Sagen. In Regensburg wurde er für seine Arbeit besonders geschätzt.

Köln – Gut vier Monate, nachdem Horst Heldt Anfang Juni 2021 seinen Job als Sportchef beim 1. FC Köln verloren hatte, übernimmt zunächst Jörg Jakobs den freien Posten als Interimslösung. Es dauert bis Ende November, ehe die Vereinsverantwortlichen die endgültige Lösung für die Heldt-Nachfolge präsentieren. Mit Christian Keller holt der Bundesligist einen Manager, der bereits eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Und doch grummelt es im Umfeld. Denn anstatt sofort zu übernehmen, nimmt sich Keller erst einmal eine fünfmonatige Auszeit.

Das ist Christian Keller

► Geburtsdatum: 26. November 1978

► Beim 1. FC Köln als Geschäftsführer Sport seit: 1. April 2022

► bisherige Stationen: SSV Jahn Regensburg (Geschäftsführer Profifußball 06/2013 bis 11/2021)

Christian Keller, der Sport-Experte und Fußball-Besessene

Keller wächst im idyllischen Donaueschingen auf – genau in jenem Ort, wo der 1. FC Köln seit Jahren sein Trainingslager abhält. Seit Kindheitstagen ist er im Fußballverein und strebt – wie viele Jugendliche – die ganz große Karriere im Profibereich an. Dazu wird es jedoch nie kommen: Im Alter von 18 Jahren verletzt er sich schwer am Knie und muss infolgedessen seinen Traum als Feldspieler an den Nagel hängen: „Das hat mir damals natürlich wehgetan, weil Fußball das war, was ich geliebt habe. Da war es schade, so früh nicht mehr selbst spielen zu können“, erinnert sich Keller an seine Jugend in einem Interview aus dem Jahr 2020.

Aufgrund seines Interesses am Fußball denkt Keller jedoch nicht daran, sich gänzlich von seiner Lieblingssportart zu entfernen. Er beginnt, einen lokalen Jugendverein zu trainieren und studiert nach dem Fachabitur zunächst Außenwirtschaft an der Hochschule Reutlingen, wenig später International Business Development. Da beide Abschlussarbeiten sich intensiv mit dem Profifußball auseinandersetzen und sich sowohl mit dem Börsengang als auch der Finanzierung eines Fußballunternehmens beschäftigen, promoviert Keller im Anschluss in einem verwandten Themengebiet.

Christian Keller: Doktortitel mit 30 Jahren unter der Führung von Helmut Digel

An der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen schreibt der damals 30-Jährige seine Dissertation mit dem Titel „Steuerung von Fußballunternehmen – Finanziellen und sportlichen Erfolg langfristig gestalten“. Sein Betreuer beim Verfassen der Doktorschrift ist zu jener Zeit ein gewisser Helmut Digel, der von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands gewesen ist. Der zu dieser Zeit amtierende Direktor der Universität in Tübingen steht Keller während der gesamten Arbeit mit Rat und Tat zur Seite.

In der Danksagung seines Werkes vergisst Keller jedoch auch nicht, seine Fußballmannschaft SC 04 Tuttlingen namentlich zu nennen, die er von 2008 bis 2009 ein halbes Jahr lang trainiert. „Schließlich möchte ich meine Fußballer vom SC 04 Tuttlingen erwähnen. Mit ihren sportlichen Leistungen haben sie meine Trainernerven zwar wiederholt strapaziert, mir aber dennoch in ihrer Gemeinschaft stets einen Ort geboten, an dem die Belastungen des Promotionsalltags gegenstandslos wurden.“

Christian Keller: Erst Dozent in Heidelberg, dann zum SSV Jahn Regensburg

Von 2010 bis 2013 unterrichtet Keller an der Hochschule Heidelberg das Fach Sportmanagement. Doch schon parallel arbeitet er an einer zweiten Laufbahn: Von Ende 2009 bis Frühjahr 2010 kommt er als Unternehmensberater für die actori GmbH im Zuge eines Beratungsprojektes erstmals intensiv mit dem SSV Jahn Regensburg in Kontakt.

Als es nach der Saison 2012/13 für die Regensburger aus der 2. Bundesliga in Liga drei geht, verkündet der Verein wenig später, dass Keller die Leitung der Bereiche Geschäftsführung und Sport übernimmt. Hier hat der 35-Jährige eine Menge Arbeit vor sich: Zum einen will er die Regensburger wieder in die Erfolgsspur führen, zum anderen möchte er auch in puncto Spielergehälter einiges verändern.

Keller startet ambitioniert, Verein steigt trotzdem in Regionalliga ab

Mit Keller kommt nicht nur ein äußerst junger Mitarbeiter nach Regensburg, sondern auch ein echter Macher. „Kontinuität, Glaubwürdigkeit und Erfolgswille“ sind die drei Säulen seines Wachstumsplans für den Drittligisten. Auch das sensible Thema Vergütung geht Keller umgehend an und handelt hier mehr im Wohle des Klubs: „Ich kann keinen Zweitliga-Vertrag weiterlaufen lassen, nur weil der Spieler ein guter Junge ist“, so Keller über einen Einzelfall im Jahr 2014.

Höchstes Augenmerk legt der neue Sport-Boss auf qualitativ hochwertiges Personal. Keller: „Die Zeiten, in denen Fußball am Platz entschieden wird, sind vorbei. Damit einhergehend kann und darf es nicht sein, dass Positionen ohne Qualifikationen besetzt werden. Es gab lange Zeiten im Profifußball, in denen diese Grundsätze nicht gegolten haben.“

Aus sportlicher Sicht glückt der direkte Wiederaufstieg in die Zweitklassigkeit zwar nicht, allerdings beendet der SSV Jahn die Saison im sicheren Mittelfeld auf Platz elf. Im zweiten Jahr dann der erste Tiefschlag in der Ära Keller: Abgeschlagen auf Rang 20 steigt Regensburg in die Regionalliga Bayern ab – und das, obwohl man gerade erst ein neues Stadion errichtet hat.

Mit Christian Keller gelingt Regensburg der Wiederaufstieg in 2. Bundesliga

„Dieses Stadion wurde nicht gebaut, um darin Amateur-Fußball zu spielen“, sagt Keller zu Beginn der Saison 2015/16. Der Appell an die Profis auf dem Rasen ist unmissverständlich. Mit Neu-Trainer Heiko Herrlich geht es schnurstracks in Liga drei zurück, wo im Folgejahr der Aufstieg zurück in die 2. Bundesliga perfekt gemacht wird.

Inzwischen mit Achim Beierlorzer auf der Trainerbank, möchte Regensburg nun endlich in der zweithöchsten deutschen Spielklasse Fuß fassen und sich dauerhaft einnisten. Das Vorhaben gelingt. Der Aufsteiger landet nach 34 Spieltagen in der Spielzeit 2017/18 auf Platz fünf, in der Saison 2018/19 reicht es für den achten Tabellenplatz. Obwohl sich die Regensburger in den Folgejahren zunehmend nach unten in der Tabelle bewegen, hält man sich bis zum Abschied Kellers in der 2. Bundesliga.

Bereits beim Abschlussbankett der Saison 2017/18 erntet Keller Lob vom Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer: „Der Erfolg der vergangenen Jahre hat einen Vater: Christian Keller. Mit seiner klaren Vision und seiner akribischen Arbeit hat er nicht nur eine erfolgreiche Fußballmannschaft zusammengestellt, sondern den Jahn auch zu einem solide geführten Club entwickelt, mit dem sich die Menschen in Ostbayern wieder identifizieren können.“

VfB Stuttgart buhlt um Keller – 1. FC Köln erhält Zuschlag

Auch die Finanzen geben Keller Recht. 2019 spricht er in einem Interview stolz über die monetäre Situation des Vereins: „Als ich 2013 angefangen habe, hatten wir 3,3 Millionen Euro Umsatz. In dieser Saison werden wir mindestens 24 Millionen Euro Umsatz erzielen. Wir haben uns also um über 700 Prozent gesteigert, was Wahnsinn ist.“

Wir schreiben das Jahr 2021. Im Oktober gibt Keller nach über acht Jahren seinen Abschied aus Regensburg bekannt. „Aus persönlicher Sicht kann ich guten Gewissens sagen, dass all jene Ziele, die ich mir bei meinem Amtsantritt im Sommer 2013 für die Entwicklung des SSV Jahn gesetzt habe, mittlerweile realisiert sind. Ich sehe meine Aufgabe daher als erfüllt an.“

In den Medien kursieren bereits Gerüchte, wonach der VfB Stuttgart Keller als Nachfolger für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger auserkoren hat. Glück für den 1. FC Köln, dass er sich letztlich doch für ein Engagement als Sport-Chef am Rhein entscheidet.

1. FC Köln: Christian Keller beginnt am 1. April 2022 als Sportchef

Nach einer fünfmonatigen Auszeit, die ihm der FC bei der Vertragsunterschrift eingeräumt hat, begrüßen die Verantwortlichen des 1. FC Köln ihren neuen Funktionär am 4. April 2022 im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz am Geißbockheim. „Die Planungen der FC-Gremien sind langfristig ausgerichtet, das hat mich überzeugt. Auch deswegen konnte ich mich sehr leicht für den 1. FC Köln entscheiden“, sagt der mittlerweile 43-Jährige bei seiner ersten Rede.

Sein Plan für die Sommerpause ist klar: „Die Kaderplanung gilt es, so schnell wie möglich anzugehen. Ich habe alle Aufgaben auf dem Schirm und werde mich ihnen widmen.“ Darunter fallen unter anderem die abgestrebte frühzeitige Vertragsverlängerung mit Erfolgstrainer Steffen Baumgart, sowie Verhandlungsgespräche mit Spielern des aktuellen Kaders.

In Sachen Transferpolitik ist jedoch klar, dass der 1. FC Köln auch unter Keller weiterhin auf Sparflamme kochen muss. „Wir müssen unsere sportlichen Mindestziele erreichen und gleichzeitig gesunden. Das ist ein Spagat, und der Boden, auf dem wir diesen Spagat machen, ist sehr dünn.“ Es darf mit Spannung verfolgt werden, was das einstige Regensburger Mastermind beim 1. FC Köln so alles bewegen wird. Übrigens: Wie es der Zufall will, kommt es für Christian Keller schon in der ersten DFB-Pokal-Runde zum Wiedersehen mit seinem alten Arbeitgeber. Dann muss der 1. FC Köln nämlich beim Jahn Regensburg antreten. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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