1. 24RHEIN
  2. 1. FC Köln

FC-Dauerkartenbesitzer: „Wer im Stadion steht, erwartet Emotionalität“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Simon Ommer

1. FC Köln-Fan mit Schal vor dem Emirates Stadium des FC Arsenal
Ohne Eintrittskarte nach London: Philipp Berger vor dem Emirates Stadium. © Privat/Philipp Berger

Im Interview gibt FC-Dauerkartenbesitzer Philipp Berger Einblicke in sein Leben als Fan des 1. FC Köln und bewertet den neuen Trainer und den Saisonstart.

Köln – Dauerkarteninhaber Philipp Berger ist seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln. Der 24-Jährige unterstützt die Mannschaft nicht nur im RheinEnergie-Stadion, sondern häufig auch bei Auswärtsspielen. Mit 24RHEIN spricht er über die Entwicklung des Klubs, den Faktor Emotionalität im Stadion, seinen Eindruck von Steffen Baumgart und den Neuzugängen.

Philipp, du hast seit deiner Kindheit eine Dauerkarte beim 1. FC Köln. Wie kam es dazu?

Ich habe meine Dauerkarte jetzt mittlerweile seit neun Jahren – als der FC 2012 leider in die zweite Liga abgestiegen ist. Dennoch war dies gleichzeitig auch ein Grund dafür, dass ich die Dauerkarte bekommen habe. Ich war beim letzten Spiel gegen Bayern München mit meinem Vater in Müngersdorf und habe den dramatischen Abstieg live miterlebt. Der Moment gehört definitiv zu meinen schlimmsten Stadionerlebnissen. Im Anschluss daran kam ich mit einem Kumpel auf die Idee, trotzdem eine Dauerkarte zu kaufen. Dass das dann klappt, hätte ich allerdings nicht gedacht, weil die Warteliste sehr lang war.

Welche Bedeutung hat der Verein für dich persönlich?

Schon seit meiner Kindheit bin ich leidenschaftlicher Anhänger des Vereins. Wie das so ist, hat mich mein Vater schon früh mit ins Stadion genommen und dadurch meine Begeisterung geweckt. Er selbst stand früher schon mit einer Dauerkarte in der Südkurve, die er dann allerdings aus beruflichen Gründen abgeben musste. Bis heute hat der FC für mich eine große Bedeutung – der Verein steht für mich oftmals an erster Stelle, noch vor vielen anderen Dingen. Während meines Studiums hatte ich häufig etwas mehr Zeit, sodass ich die Mannschaft auch bei Auswärtsspielen im Stadion unterstützt habe.

Was waren bisher deine drei schönsten Erlebnisse im RheinEnergie-Stadion?

Ich habe in den neuen Jahren mit der Dauerkarte viele Höhepunkte, aber natürlich auch Tiefpunkte erlebt. Zu den schönsten Erlebnissen gehörte auf jeden Fall der erste Aufstieg im Jahr 2014, den ich im Stadion beim Montagsspiel gegen den VfL Bochum erlebt habe. Flutlichtspiel und Aufstieg – das war sehr emotional. Nach dem Spiel habe ich dann den Rasen im Stadion betreten, das war schon ziemlich geil. Mein zweites Highlight war der Einzug in die Europa League 2017. Jonas Hector erzielte gegen Mainz 05 die Führung, aber insbesondere der Treffer zum 2:0 von Yuya Osako kurz vor Schluss war einfach unglaublich. Da sind dann erst einmal alle Dämme gebrochen. Für mich persönlich war auch der 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund im Jahr 2014 ein emotionaler Höhepunkt.

Erzähle uns doch bitte davon.

Zu dieser Zeit ging es mir gesundheitlich nicht so gut, ich lag sogar einige Tage im Krankenhaus und habe dadurch sogar meine Abschlussfahrt in der Schule verpasst. Doch kurz vor dem Spiel habe ich mich selbst aus dem Krankenhaus entlassen, bin nach Hause, hab mir mein Trikot übergestreift und dann ging es auch schon ins Stadion. Während der 90 Minuten konnte ich alle meine Sorgen einfach mal vergessen.

Welche Rolle spielt für dich der Faktor Emotionalität, wenn du im Stadion bist?

Definitiv eine große Rolle, wie vermutlich jedem anderen FC-Fan auch. Wer im RheinEnergie-Stadion steht, erwartet Emotionalität. Ich sitze in S16 im Oberrang, aber trotzdem gehört Stimmung für mich dazu. Es ist nicht immer leicht, dass auch der Oberrang der Südkurve und der Rest des Stadions bei der lautstarken Unterstützung dabei sind, da übernimmt der Unterrang der Kurve schon den Hauptteil. Trotzdem ist das für mich enorm wichtig, am Spieltag im positiven Sinne auch einfach mal Dampf abzulassen und die Mannschaft zu pushen. Der FC lebt einfach von seinen Emotionen. Und darüber bin ich sehr froh.

In den letzten Jahren hat der Verein oftmals vergessen, sich darauf zu besinnen, wo er aktuell steht. Und das ist eben nicht mehr in der Spitze. 

Philipp Berger

Wie hast du die Corona-Zeit erlebt? Welche Bedeutung hat es für dich, die Spiele wieder im Stadion zu verfolgen?

Das war gar nicht so leicht. Ich erinnere mich noch gut an das erste Geisterspiel, das Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach, das ich auf der Couch vor dem TV verfolgt habe. Es war sehr merkwürdig, keine Fans im Stadion zu hören. Die Emotionen, die den Fußball ausmachen, kommen ohne Zuschauer nicht zur Geltung. Deshalb bin ich sehr froh, jetzt wieder im Stadion sein zu können.

Wie beurteilst du die Entwicklung des Vereins: Was läuft aus deiner Sicht gut, was läuft schlecht?

Das ist für mich tatsächlich derzeit schwierig einzuschätzen. In den vergangenen Jahren ist sicherlich einiges schlecht gelaufen. Als Dauerkarteninhaber seit 2012 habe ich zuerst viele positive Phasen miterlebt. Zuerst ging es lange kontinuierlich bergauf, bis es in den letzten Jahren dann auch schnell wieder steil bergab ging. Ich schätze die aktuelle Euphorie und die Art des neuen Trainers, Steffen Baumgart, sehr. Ich bin aber auch Realist. Klar, die ersten drei Spiele liefen gut. Wir haben aber auch gegen eine Berliner Mannschaft gespielt, die sich in katastrophaler Verfassung befindet. Und gegen Aufsteiger Bochum – die man, wie es so schön heißt, schlagen muss. Deshalb halte ich mich mit meiner Euphorie noch ein wenig zurück. Auch weil ich glaube, dass der Verein auf dem Transfermarkt nicht die beste Arbeit geleistet hat.

Inwiefern?

Natürlich ist die finanzielle Situation nicht einfach. Aber für mich ist es nicht verständlich, dass der Klub gerade im Sturm mit so viel Risiko in die Saison geht. Natürlich hat Anthony Modeste in den ersten Spielen geliefert, aber bestätigt er diese Form über die komplette Saison? Bleibt er gesund? Das gilt natürlich auch für Sebastian Andersson. Ich fürchte, dass das auch in der laufenden Saison Probleme bereiten kann. Mir gefällt es aber sehr gut, dass die Jugend von Baumgart integriert wird. Auch spielt für mich der Faktor Emotionalität wieder eine große Rolle: Diese wird sowohl durch die Fans als auch den Trainer gefördert. Steffen Baumgart holt derzeit mit den Möglichkeiten, die ihm geboten werden, das Maximum aus der Mannschaft heraus. Ich glaube, dass uns das durch die Saison trägt. In den letzten Jahren hat der Verein oftmals vergessen, sich darauf zu besinnen, wo er aktuell steht. Und das ist eben nicht mehr in der Spitze. Ich habe das Gefühl, dass dies nun wieder anders ist.

Ich glaube nicht, dass der 1. FC Köln zehn Jahre in Folge ‚nur‘ die Klasse halten möchte, wie beispielsweise der FC Augsburg. Das passt einfach nicht zur Mentalität des Klubs.

Philipp Berger

Alle Spieler wurden in dieser Saison ablösefrei verpflichtet. Bist du nach der kurzen Zeit von einem Neuzugang besonders überrascht?

In erster Linie von Dejan Ljubicic, der aus Österreich kam und in den ersten Spielen direkt überzeugt hat. Gegen Bochum hätte er sich ja dann fast auch mit seinem ersten Bundesligator belohnt – leider war es Abseits. Ansonsten bin ich von den internen Neuzugängen überzeugt. Louis Schaub, der nach seiner Leihe zurück in der Domstadt ist und seine zweite Chance gerade zu nutzen scheint. Er bringt von der Bank frischen Wind und die richtige Einstellung. Das hat uns lange gefehlt in der Vergangenheit. Auch die Spieler aus der Jugend machen einen guten Eindruck.

Gib doch mal eine kleine Prognose ab: Wohin führt der Weg des Vereins in den nächsten Jahren?

Mit Prognosen bin ich eher vorsichtig. Wir haben in den letzten Jahren bekanntlich eine Achterbahnfahrt erlebt. Wichtig wird es sein, dass sich der FC in der Bundesliga etabliert. Der FC wäre aber nicht der FC, wenn wir nicht – zumindest wie es von außen immer herangetragen wird – gerne einen Schritt überspringen wollten. Ich glaube nicht, dass der 1. FC Köln zehn Jahre in Folge ‚nur‘ die Klasse halten möchte, wie beispielsweise der FC Augsburg. Das passt einfach nicht zur Mentalität des Klubs. Trotzdem glaube ich, dass der FC diesen Weg nur dann schafft, wenn im Verein Ruhe herrscht. Das betrifft den Vorstand, die Geschäftsführung, aber vor allem den Trainerposten. Hier brauchen die Geißböcke Kontinuität.

(so) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant