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1. FC Köln: Dirk „Lotte“ Lottner wird 50 Jahre alt

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Von: Max Dworak

Dirk Lottner sprintet mit dem Ball.
Dirk Lottner spielte fünfeinhalb Jahre für die erste Mannschaft des 1. FC Köln. © pmk/Imago

Mit Dirk Lottner feiert eine echte Vereinsikone des 1. FC Köln seinen Ehrentag. 24RHEIN zeichnet die FC-Karriere des Ex-Kapitäns zu diesem Anlass nach.

Köln – „Lottner...und drinnen ist er!“, ertönt die Stimme von Fußball-Kommentator Werner Hansch am 29. Oktober 2000. Der Kölner Spielmacher hatte Augenblicke zuvor einen Ball am Sechzehner des VfB Stuttgart im Müngersdorfer Stadion (heute RheinEnergie-Stadion) anvisiert und zum 3:2-Sieg in das rechte untere Eck geknallt. Wir schreiben den 10. Spieltag der Bundesliga-Saison 2000/01. Für Dirk Lottner ist es nach dem geglückten Aufstieg das erste Jahr im deutschen Oberhaus mit dem 1. FC Köln. Es sollte nicht das Letzte bleiben.

1. FC Köln: Dirk Lottner startet bei Fortuna Köln

Zu Beginn der 90er startet die Laufbahn des gebürtigen Kölners jedoch nicht als FC-Spieler, sondern beim Lokalrivalen Fortuna Köln. Am 14. April 1990, im zarten Alter von 18 Jahren, darf der damals noch ungeschliffene Diamant gegen Rot-Weiss Essen sein Profi-Debüt in der zweiten Bundesliga feiern. Bis zum 10. August 1996, seinem letzten Auftritt für Fortuna Köln, gelingen Dirk Lottner 45 Tore in 245 Pflichtspielen.

Zur Saison 1997/98 ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Mit dem Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen – wenn man nicht gerade den Nachnamen Lottner trägt eine Sünde für jeden FC-Fan –, gibt der zu diesem Zeitpunkt 25-Jährige seinem Werdegang den benötigten Auftrieb. Neben seinem Erstliga-Debüt kickt der Spielmacher zudem an der Seite von Stars wie Ulf Kirsten, Carsten Ramelow oder dem brasilianischen Zauberfuß Émerson. Und obwohl die Zeit bei der Werkself für das persönliche Fotoalbum – und sicherlich auch für den Geldbeutel – taugt, so soll Dirk Lottner in Kölns Nachbarstadt nie wirklich glücklich werden. Nach zwei Spielzeiten in der 1. Bundesliga und insgesamt drei Einsätzen in der Champions League schlägt „Lotte“ das Kapitel Bayer 04 zu und wechselt zum 1. FC Köln.

Dirk Lottner wechselt zum 1. FC Köln

Am 1. Januar 1999 legt der Linksfuß dort schließlich den Grundstein für eine der schönsten Liebesbeziehungen, die der 1. FC Köln zwischen Spieler und Fans je zu sehen bekommt. Dass der erfahrene Profi und gebürtige Kölner dafür sogar bereit ist, erneut in der 2. Bundesliga zu spielen, unterstreicht diese enge Verbundenheit gleich zu Beginn der gemeinsamen Reise. Auch, wenn es im ersten Jahr noch nicht für den Wiederaufstieg der Geißböcke in die höchste Spielklasse reicht, gelingt dieser Versuch zwölf Monate später, zur Spielzeit 2000/01. Mit 14 Treffern und zwei Vorlagen hat der neue Heilsbringer im Mittelfeld der Rheinländer zuvor entscheidenden Anteil daran, dass seine Mannschaft am Ende seiner zweiten FC-Saison die Meisterschaft in Liga zwei feiern kann.

Zurück in der Erstklassigkeit, sind die Qualitäten des mittlerweile 28-Jährigen längst bekannt. Besonders sein Geschick, was ruhende Bälle anging, sorgt bei gegnerischen Mannschaften immer wieder für Staunen. Und so kommt es am 4. Spieltag der noch jungen Saison 2000/01, wie es in einer derartigen Story kommen muss: Im Mai 2000, noch Monate vor dem Rhein-Derby gegen Ex-Klub Bayer Leverkusen, kochen die Gemüter beider Manager-Etagen bereits über. FC-Sportdirekto Hannes Linßen wirft der Bayer-Führung um Reiner Calmund vor, sie würden den Kölnern seit einiger Zeit ihre Spieler abwerben. Dies lässt der Leverkusen-Boss nicht auf sich sitzen: „Wir haben seit 15 Jahren keinen Spieler beim FC abgeworben. Im Gegenteil, wir haben Dirk Lottner für eine Million nach Köln gehen lassen, obwohl wir von Erstligisten eine höhere Ablösesumme bekommen hätten.“

Dirk Lottner selbst sollte seinen großen Auftritt an jenem 4. Spieltag, dem 9. September 2000 in Köln Müngersdorf haben. In der 75. Minute zirkelt er einen seiner vielen Freistöße in den Kasten seiner ehemaligen Teamkollegen. Am Ende der Spielzeit stehen elf Tore und acht Vorlagen für die absolute Führungsfigur des FC zu Buche.

1. FC Köln: Dirk Lottner und der Streit mit Trainer Ewald Lienen

Nachdem der 1. FC Köln die Saison auf Rang zehn abschließen kann, starten die Geißböcke in das Jahr 2001/02. Zunehmend häufen sich Gerüchte, das Verhältnis zwischen Dirk Lottner und Trainer Ewald Lienen hätte sich zerworfen. Hintergrund: Zu jener Zeit gibt es die Annahme, Lottner habe seinen Coach zur Rede gestellt, weil dieser ihn in der Vergangenheit wiederholt zu unrecht auf die Bank gesetzt habe. Darüberhinaus soll er – so die wilden Thoerien diverser Sportblätter – die Einkaufspolitik der Führungsetage kritisiert haben. In einem Interview mit dem Spiegel – veröffentlicht Ende Oktober 2001 –, dementiert der Spieler selbst derartige Behauptungen: „Das sind krasse Lügen, die zeigen, dass diese Leute nur darauf bedacht sind, Stimmung gegen den Trainer zu machen. [...] Ich habe sicherlich einen gewissen Stellenwert innerhalb der Mannschaft, aber glauben Sie im Ernst, dieser sei so hoch, dass der Präsident mich fragt, welche Spieler er kaufen darf und welche nicht?“

Die Karriere von Dirk Lottner beim 1. FC Köln

1. Januar 1999: Wechsel von Bayer 04 Leverkusen zum 1. FC Köln

im Verein bis: 1. Juli 2004

Leistungsdaten: 174 Spiele (57 Tore / 37 Vorlagen)

davon direkte Freistoß-Tore: 10

Aufstiege: 2

Abstiege: 1

Vielleicht führte die angespannte Stimmung innerhalb des Klubs zumindest ein Stück weit dazu, dass der 1. FC Köln am Ende der besagten Periode zurück in die Zweitklassigkeit muss. Ein Jahr darauf, der Verein ist wieder zurück unter den 18 besten Mannschaften des Landes, sollte im Sommer 2003 die letzte Runde der Lottner-Show eingeläutet werden. Unter Marcel Koller, von November 2003 bis Juni 2004 im Trainer-Amt tätig, sitzt der einstige Star häufig nur noch auf der Tribüne. Der damalige FC-Manager Andreas Rettig streitet bis zum Saisonende vehement ab, man habe dem Spieler einen Tapetenwechsel nahegelegt: „Wir sind mit Dirk Lottner im Gespräch, aber die Entscheidung über seine Zukunft trifft er selbst.“

Dirk Lottner lässt Karriere im Ruhrpott ausklingen

Als wenige Tage darauf bekannt wird, dass Dirk Lottner den 1. FC Köln verlässt, ist die Enttäuschung der Fans groß. Überraschend kommt diese Meldung jedoch nicht mehr wirklich. Beim MSV Duisburg, seinem neuen Arbeitgeber für die nächsten zwei Jahre, läuft der gealterte Mittelfeldakteur ein letztes Mal im Profi-Geschäft auf. Unter dem Strich bedeutet dies: Einen Aufstieg mit den Ruhrpottern in die 1. Bundesliga, sowie 42 Pflichtspiele, vier Tore und acht Vorlagen. Ein kurzzeitiges Engagement in der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln, das danach folgt, kann an dieser Stelle unerwähnt bleiben.

Auch, wenn es nie für einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft gereicht hat, war Dirk Lottner zweifelsohne ein Fußballer, der in Köln wohl bis in die Ewigkeit einen Heldenstatus genießen wird. Im Interview mit dem Portal transfermarkt.de wird schnell klar, dass für den Ex-Kicker die Zeit in seiner Geburtsstadt gleichzeitig die Schönste seiner Karriere war: „Wenn du aus Köln stammst und Fußballer bist, dann gibt es nichts Größeres, als für den FC auflaufen zu dürfen. Ich sage bewusst auflaufen dürfen, denn ich habe jedes Spiel im FC-Trikot als etwas Besonderes und als große Ehre empfunden.“ In diesem Sinne: Alles Gute zum 50. Geburtstag, Lotte! (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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