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1. FC Köln: Dreierkette oder 4-4-2? Steffen Baumgart im Taktik-Fieber

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Von: Max Dworak

Steffen Baumgart steht an der Seitenlinie.
Steffen Baumgart testete gegen den SC Paderborn eine Formation mit Dreierkette. © Moritz Müller/Imago

Im Testspiel gegen den SC Paderborn glänzte der 1. FC Köln mit einer Dreierkette. Eine einmalige Sache, oder ist diese Ausrichtung pflichtspieltauglich?

Köln – Steffen Baumgart war nach Abpfiff des Testspiels zwischen dem 1. FC Köln und dem SC Paderborn am 10. November sichtlich zufrieden. Mit Recht: Ein klarer 4:0-Sieg gegen eines der treffsichersten Teams der 2. Bundesliga kann sich mehr als sehen lassen. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass die ausprobierte Dreierkette sofort funktionierte, dürfte dem Kölner Trainer dieses Erfolgserlebnis umso besser gefallen haben.

1. FC Köln: In der Bundesliga nie zu Null

Nach elf Spieltagen wird offensichtlich, dass es der 1. FC Köln in dieser Bundesliga-Saison noch nicht geschafft hat, das Tor über 90 Minuten sauber zu halten. Insgesamt musste Timo Horn in der Liga schon 20 Mal hinter sich greifen. Dass Steffen Baumgart wenig von Sicherheits-Fußball hält, ist nichts Neues. Im Spiel gegen Union Berlin schienen einige Anhänger jedoch ein Problem mit seiner taktischen Ausrichtung zu haben: Nach fatalen Ballverlusten in der Hintermannschaft hagelte es Pfiffe aus dem eigenen Fan-Lager. Seinen Unmut über die Reaktionen von den Tribünen des RheinEnergie-Stadions ließ er nach Abpfiff freien Lauf: „Wenn wir das getan und die Bälle lang geprügelt hätten, hätten wir gegen Union keine Chance gehabt. Wenn einer ein Problem mit diesem Fußball hat, übernehme ich die Verantwortung.“

Die Formation, die Steffen Baumgart bislang primär in der Bundesliga aufbot, war das offensive 4-4-2 mit Raute. Vorteile dieses Systems: Die Außenverteidiger greifen mit an und versuchen per Hereingaben für Gefahr im Strafraum des Gegners zu sorgen. Dass diese Herangehensweise schon mehrfach von Erfolg gekrönt war, zeigt die aktuelle Vorlagen-Statistik des 1. FC Köln: Mit Benno Schmitz und Jonas Hector kamen alleine sieben Scorerpunkte aus der Abwehr der Domstädter. Zudem sind die Kölner mit einem Wert von 176 ligaweit die Flankenkönige (Quelle: bundesliga.de).

1. FC Köln unter Baumgart: Offensiver Spielstil mit Sicherheitslücken

Wo es Vorteile gibt, sind Nachteile meist nicht weit. Selbstverständlich birgt der totale Angriffsfußball, wie ihn Steffen Baumgart zelebriert, viel Freiraum für Gegenstöße. Sind die Außenverteidiger mal aufgerückt, besteht die Kölner Abwehr mitunter nur noch aus zwei Spielern – den beiden Innenverteidigern. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der 1. FC Köln in Kontersituationen schon das ein oder andere Mal schlecht aussah. Um ein ausbalanciertes Spiel aus Offensiv- und Defensivaktionen abzuliefern, muss jeder Spieler doppelt laufen. An dieser Stelle lohnt sich abermals ein Blick auf die Bundesliga-Bilanzen: Mit 8171 intensiven Läufen liegt der 1. FC Köln auch in dieser Kategorie auf Rang eins.

Doch was passiert, wenn man die Abwehrzentrale um einen zusätzlichen Innenverteidiger erweitert und das defensive Mittelfeld doppelt besetzt? Gegen den SC Paderborn war zumindest ansatzweise zu sehen, dass dieses Konzept Früchte tragen kann. Der große Pluspunkt dieser Formation: Die Außenverteidiger – die eigentlich keine Verteidiger mehr sind – haben im Spiel gegen den Ball weniger Verantwortung als noch beim 4-4-2. Dank einer gestärkten Mitte haben fünf Spieler in erster Linie die Aufgabe, den eigenen Strafraum sauber zu halten. Im Sturmzentrum stehen weiterhin zwei Akteure, sodass vorne immer noch genügend potenzielle Torgefahr existiert.

Ob Steffen Baumgarts Dreierkette in der Bundesliga bald ihr Debüt feiert, ist derzeit noch ungewiss. Personell spricht definitiv wenig dagegen: Mit Timo Hübers, Rafael Czichos, Jorge Meré und Luca Kilian hat der Übungsleiter vier gelernte Innenverteidiger im Kader. Im defensiven Mittelfeld sind es mit Dejan Ljubicic, Salih Özcan, Ellyes Skhiri und Jonas Hector ebenfalls vier Kicker, mit denen sich diese Taktik praktizieren lässt. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Rheinland & NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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