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1. FC Köln: Das Müngersdorfer Stadion – Erinnerungen an die „Betonschüssel“

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Von: Max Dworak

Das Müngersdorfer Stadion in der Innenansicht.
Das Müngerdorfer Stadion wurde am 12. November 1975 eröffnet und bot Platz für 61.000 Zuschauer. © WEREK/Imago

Seit fast 18 Jahren trägt der 1. FC Köln seine Heimspiele im RheinEnergie-Stadion aus. Weitere 29 Jahre zuvor eröffnete der Verein das Müngersdorfer Stadion.

Köln – Das RheinEnergie-Stadion, Ort der Heimspiele des 1. FC Köln, ist landesweit bekannt für seine unnachahmliche Kulisse. Wer ein Mal in den Genuss gekommen ist, 50.000 Fans bei der Vereinshymne live mitsingen zu hören, wird dieses Erlebnis so schnell nicht vergessen. Am 12. November 1975, einen Tag nach offiziellem Karnevalsbeginn, weihte der Verein den Vorgänger – das Müngersdorfer Stadion – im Rahmen eines Stadt-Derbys ein.

Müngersdorfer Stadion: Bauarbeiten ziehen sich in die Länge

Wem die Umstände rund um die Erneuerung der Trainingsanlage am Geißbockheim bekannt sind, weiß, dass sich der 1. FC Köln aktuell aus verschiedenen Gründen mit Renovierungsarbeiten schwertut. Derartige Komplikationen bestanden auch während der Planungen zum Bau des Müngersdorfer Stadions Anfang der 1970er-Jahre.

Tatsächlich gerieten die ersten Überlegungen bezüglich eines Umbaus der damaligen Müngersdorfer Hauptkampfbahn, dem circa 60.000 Zuschauerplätze umfassenden Herzstück der mehr als 150 Hektar großen Stadionanlage, schon im Jahr 1949 an die Öffentlichkeit. Das Areal, das am 16. September 1923 im Rahmen einer großen Feierlichkeit eingeweiht wurde, sollte grundlegend modernisiert werden. Außerdem hielt man es vereinzelt für sinnvoll, eine reine Spielstätte für Fußball zu errichten. Die Hauptkampfbahn war nämlich zusätzlich Austragungsort für diverse Leichtathletik-Wettbewerbe.

Die ehemalige Stadionanlage

Der Begriff „Kölner Stadion“ umfasste in den 1920er Jahren nicht allein die Hauptkampfbahn (also das eigentliche Fußballstadion). Vielmehr war dies ein Synonym für den gesamten Komplex, zu welchem auch die Radrennbahn, der Reitturnierplatz, Tennisplätze, Hockeyplätze und weitere Bauten zählten.

Heutzutage ist die Fläche als „Sportpark Müngersdorf“ bekannt. Hier befinden sich zum Beispiel die Deutsche Sporthochschule Köln, der Olympiastützpunkt Rheinland, die Trainingsakademie ebenso wie das RheinEnergie Stadion.

Doch, um dies vorwegzunehmen, auch der später errichtete Neubau wurde aufgrund seiner Tartanbahn häufig für Großereignisse anderer Sportarten genutzt. So wurde das internationale Leichtathletik-Sportfest des ASV Köln in Regelmäßigkeit im Müngersdorfer Stadion abgehalten.

Eine Aufnahme aus dem Innenbereich der Hauptkampfbahn während eines Spiels des 1. FC Köln.
Die Hauptkampfbahn war der Vorgänger des Müngersdorfer Stadions. © Horstmüller/Imago

Erster Spatenstich am Müngersdorfer Stadion

Am 7. Dezember 1973, als sich die Verantwortlichen nach etlichen Entwürfen endlich an die Umsetzung des neuen Fußballstadions machen konnten, fand der erste Spatenstich durch Oberbürgermeister Theodor Burauen statt. Bereits am 1. Oktober 1973 begannen die Abrissarbeiten der Hauptkampfbahn. Eigentlich sollte der neue FC-Tempel schon zur Weltmeisterschaft 1974 stehen und die Stadt Köln Austragungsort einiger Spiele des Turniers sein. Diesen Traum zu realisieren, blieb für den Traditionsklub jedoch ein Ding der Unmöglichkeit.

Am 31. Dezember 1973 nahmen der 1. FC Köln und Stadtrivale Fortuna offiziell Abschied von der Hauptkampfbahn. Nach einem gemeinsamen Training und anschließendem Kurzspiel feierten die Anwesenden auf den Rängen bei Freibier und Musik das Ende der 50-jährigen Stadionära.

1971 bis 1975: 1. FC Köln kickt in der Radrennbahn

Der 1. FC Köln spielte während der Übergangszeit in der Radrennbahn. Hier war es nur noch knapp 29.000 Fans möglich, sich Heimspiele der Kölner für die Dauer von vier Jahren vor Ort anzusehen. Allerdings war die Umgebung keine ungewohnte: Die ersten Pflichtspiele der Geißböcke fanden nach der Vereinsgründung im Jahr 1948 an ebendieser Stelle statt. Erst in den Folgejahren trug der FC seine Partien in der Hauptkampfbahn aus.

Innenansicht der Radrennbahn bei einem Spiel zwischen Fortuna Köln und Bayern München.
Als das Müngersdorfer Stadion errichtet wurde, kickte der 1. FC Köln zwischenzeitlich in der Radrennbahn. © Horstmüller/Imago

Radrennbahn

Die Radrennbahn, die besonders in den 20er und 30er Jahren als eine der schnellsten Rennpisten Europas galt, lud bis 1954 insgesamt drei Mal zur Radweltmeisterschaft ein. Im Jahr 1996 wurde das alte Konstrukt durch die Albert-Richter-Radrennbahn ersetzt, mit dessen Bau man bereits 1990 begann.

Im Mai 2019 entschied die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, das Kölner Radstadion umfassend zu modernisieren und zum Bahnradsportzentrum auszubauen. Zwei Jahre später beschloss der Kölner Stadtrat den Umbau der Freiluft-Radbahn zu einer ganzjährig nutzbaren und beheizbaren Multifunktionsarena.

In der Presse wurde der Bundesligist für die Radrennbahn aus allen Richtungen verspottet. Nicht selten bezeichneten Reporter den Schauplatz als mangelhafte „Bruchbude“, die eines professionellen Fußballklubs unwürdig sei. Die Spieler sahen dies anders: „Und plötzlich merkte jeder, was für ein Hexenkessel diese Radrennbahn sein konnte. Die Atmosphäre war einmalig“, sagte unter anderem Abwehrspieler Wolfgang Weber zum Übergangs-Wohnzimmer.

12. November 1975: Einweihungsspiel im Müngersdorfer Stadion

Kölner Fans schwenken ihre Fahnen im Müngersdorfer Stadion am 22.11.1975.
22.11.1975: Die Anhänger des 1. FC Köln haben ihren angestammten Platz in der Südkurve eingenommen und schwenken erwartungsfroh ihre Fahnen vor der Bundesliga-Partie gegen Kickers Offenbach. © IMAGO/Kicker/Eissner

Nach vielen, nervenaufreibenden Jahren zwischen Politik und Verein wurde das Stadion letztlich mitten in der laufenden Bundesliga-Saison 1975/76 fertiggestellt. Zu jener Zeit war das Müngersdorfer Stadion die einzige, vollständig überdachte Fußball-Arena in Deutschland. Der neue Stolz des 1. FC Köln, für 42 Millionen Mark errichtet, bot 61.000 Zuschauern Platz. Am 12. November 1975 wurde das neue Müngersdorfer Stadion in gleicher Manier eröffnet, wie man die Hauptkampfbahn in den Ruhestand geschickt hatte: Mit einem Freundschaftsspiel zwischen dem 1. FC Köln und Fortuna Köln.

Zur Europameisterschaft 1988, 14 Jahre später als ursprünglich erhofft, fungiert das Müngersdorfer Stadion dann schließlich auch als Spielstätte einer internationalen Fußball-Endrunde. Im folgenden Jahr öffnet FC-Spieler Thomas Häßler der Deutschen Nationalmannschaft in Müngersdorf mit seinem 2:1-Treffer gegen Wales das Tor zur WM in Italien, wo Deutschland 1990 zum dritten Mal Fußball-Weltmeister wird.

Thomas Häßler (1. FC Köln) dreht nach seinem Treffer zum 2:1 im WM-Qualifikationsspiel Deutschland – Wales jubelnd ab.
15.11.1989: Thomas Häßler (Nr. 7) vom 1. FC Köln trifft im Müngersdorfer Stadion zum 2:1-Endstand gegen Wales und schießt die Deutsche Nationalmannschaft zur WM in Italien. © Horstmüller/Imago

1. FC Köln: Ende der „Betonschüssel“ – ein reines Fußballstadion soll her

Die Ära des Müngersdorfer Stadions dauerte knapp 30 Jahre. In dieser Zeit feierte der 1. FC Köln unter anderem den Double-Sieg 1978, den DFB-Pokalsieg 1983 im kölschen Duell gegen Fortuna Köln sowie drei Vizemeisterschaften. Um 2006 schließlich auch den verpassten WM-Traum nachzuholen, wurde die „Betonschüssel“, in der sich FC-Torwart Toni Schumacher bei geringer Zuschauerauslastung schon mal wie in einem „Kühlschrank“ wähnte, im laufenden Spielbetrieb Tribüne für Tribüne abgerissen und durch das RheinEnergie-Stadion ersetzt.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma rückt der Heimspielstätte des 1. FC Köln mit dem Bagger zu Leibe.
20.12.2001: Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma rückt der Heimspielstätte des 1. FC Köln persönlich mit dem Bagger zu Leibe. © IMAGO/WEREK

Den 61.000 Plätzen des Müngersdorfer Stadions trauert man heute hinterher. Finden doch im RheinEnergie-Stadion maximal 50.000 Fans Platz, weshalb der 1. FC Köln in absehbarer Zukunft auf einen Ausbau der Arena hofft. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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