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1. FC Köln: Ellyes Skhiri – das Laufwunder im FC-Mittelfeld

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Von: Max Dworak

Ellyes Skhiri im Trikot der Nationalmannschaft und bei einem Pass für den 1. FC Köln.
Ellyes Skhiri spielt seit 2019 für den 1. FC Köln und gilt als einer der wichtigsten Profis im Kader. © Treese/Imago & Sportimage/Imago

Ellyes Skhiri ist der begehrteste Spieler des 1. FC Köln. 24RHEIN wirft einen Blick auf den Werdegang des Dauerläufers im defensiven Mittelfeld.

Köln – Bereits im Sommer 2021, da befand sich der 1. FC Köln noch in der Vorbereitung auf die Saison 2021/22 und Steffen Baumgart hatte gerade sein Amt als neuer Cheftrainer angetreten, kursierten zahlreiche Wechselgerüchte um Ellyes Skhiri. Auch ein Jahr später wollen die Spekulationen um einen Abgang nicht vollständig abreißen. 24RHEIN illustriert die bisherige Karriere des Tunesiers und blickt auf seine ersten Profi-Schritte.

Das ist Ellyes Skhiri

Geburtsdatum: 10. Mai 1995

Beim 1. FC Köln seit: 29. Juli 2019

Vertrag beim 1. FC Köln bis: 30. Juni 2023

Marktwert von Ellyes Skhiri: 13 Millionen Euro (Stand: 15. Juni 2022)

verpflichtet von: Montpellier HSC für sechs Millionen Euro

Profi-Debüt: 21. März 2015 für Montpellier HSC gegen FC Evian (Ligue 1, Frankreich)

Leistungsdaten Saison 2021/22 (1. FC Köln): 23 Einsätze, fünf Tore, eine Vorlage, drei Gelbe Karten

1. FC Köln Profi: Ellyes Skhiris Karriere beginnt in der kleinen Gemeinde Lunel

Im knapp 26.000 Einwohner kleinen Dörfchen Lunel an der Südküste Frankreichs, wird Ellyes Skhiri im Jahr 1995 geboren. Im Alter von etwa vier Jahren schnürt der kleine Ellyes erstmals die Fußballschuhe und spielt fortan für den ortsansässigen Klub Gallia Club Lunel: „Wir sind immer zu den Spielen meines Vaters gefahren. Dadurch kam ich schon sehr früh mit dem Fußball in Kontakt“, sagt Skhiri in einem Interview mit den Vereinsmedien des 1. FC Köln mehr als 20 Jahre später.

Vater Slem, dem die große Profi-Karriere verwehrt bleibt, merkt schnell, dass sein Sohn in Lunel auf lange Sicht keine Fortschritte machen kann: „Einige Leute erkannten schnell das Potenzial von Ellyes. Er wurde ständig übertroffen und irgendwann wollten wir nicht, dass er seine Zeit verschwendet, also verließ er unseren Lieblingsclub Gallia Club Lunel.“

Ellyes Skhiri: Wechsel zu Montpellier HSC – Profi-Debüt mit 19 Jahren

Nach einem Jahr in der Jugend von Olympique Nîmes, einer Kleinstadt 30 Kilometer nordöstlich von Lunel, führt die Reise von Skhiri im Jahr 2010 zu Montpellier HSC. Da sein dritter und neuer Verein, dessen Herrenmannschaft in der französischen ersten Liga spielt, ebenfalls nur knapp eine halbe Stunde Autofahrt vom Elternhaus entfernt ist, können die Eltern weiter ein Auge auf den Teenager werfen: „Er wechselte nach Montpellier, während er noch lange zu Hause lebte. Er ist erst vor ein paar Monaten gegangen, wir wollten ihn im Auge behalten, damit er erstmal seine Schule beendet“, erinnert sich Vater Slem im Jahr 2017.

Ellyes Skhiri bei einem Zweikampf.
Ellyes Skhiri (links in weiß) spielt an seinem 20. Geburtstag das zweite Mal für die Profis des Montpellier HSC. © PanoramiC/Imago

Nach vier Jahren in den Nachwuchsteams des Ligue 1-Klubs und einer weiteren Saison in der zweiten Mannschaft, debütiert der 20-Jährige Skhiri schließlich am 21. März 2015 im Alter von nur 19 Jahren bei den Profis im Liga-Spiel gegen den FC Evian.

Da der defensive Mittelfeldspieler jedoch lediglich eine Minute auf dem Feld steht, ist der wohl erste nennenswertere Einsatz vom 10. Mai 2015 datiert. Aufgrund zahlreicher Sperren lässt Trainer Rolland Courbis den gelernten Sechser auf der Innenverteidiger-Position auflaufen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit krönt der Debütant seinen Einstand mit der Vorlage zum Last-MInute-Siegtreffer druch Teamkollege Anthony Mounier: „Es sind eine Menge Emotionen. Aber auch eine Erleichterung, weil es defensiv ziemlich gut für uns lief. Der entscheidende Pass ist natürlich das i-Tüpfelchen!“, strahlt das Geburtstagskind nach seinem ersten Einsatz über 90 Minuten.

Ellyes Skhiri: Sprung zum Stammspieler in jungem Alter

Gegen Mitte der Spielzeit 2015/16, Skhiri ist mittlerweile 21 Jahre alt, kann er sich endgültig in der ersten Mannschaft durchsetzen und ist im defensiven Mittelfeld zunehmend der Garant für Stabilität und einen ruhigen Spielaufbau. Gegen OSC Lille, wir schreiben den 27. Februar 2016, glückt dem Tunesier sein erstes Profi-Tor: „Kurz nach dem Tor habe ich etwas gezögert. Ich habe nicht viel mitbekommen. Es war wirklich ein sehr schöner Moment und ich hoffe, dass es noch weitere geben wird.“, so der glückliche Torschütze nach Abpfiff. Am Ende der Saison steht Skhiri bei zwölf Spielen und zwei Toren.

Im Folgejahr 2016/17 führt kein Weg mehr an „Flaco“ – sein Spitzname aufgrund seines langen, eher schlaksigen Körperbaus – vorbei, 2017/18 knipst Skhiri schon ganze vier Mal in der Liga und legt einen weiteren Treffer vor. Im Pokal der höchsten drei Spielklassen, dem Coup de la Ligue, schafft es der Leistungsträger mit Montpellier sogar bis ins Halbfinale. Bemerkenswert: Zu dieser Zeit trägt der 22-Jährige vereinzelt die Kapitänsbinde von Montpellier – ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig seine Anwesenheit für das Team ist.

Ellyes Skhiri im Zweikampf mit Marco Verratti von Paris Saint-Germain.
Ellyes Skhiri (links) gelingt in seinem dritten Profi-Jahr der Durchbruch. © PanoramiC/Imago

Ellyes Skhiri: Debüt in der Nationalmannschaft und WM-Teilnahme

Am 23. März 2018 erhält er vom tunesischen Fußballverband eine Einladung für das Länderspiel gegen den Iran. Beim 1:0-Sieg der Adler von Karthago – dem Heimatland seines Vaters Slem – spielt Skhiri durch und steht fünf Nationalmannschaftspartien später schon der Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Rasen: „Für jeden Fußballer ist dies der ultimative Traum“, gesteht der 22-Jährige kurz vor Beginn des Turniers in Russland. Nach der Gruppenphase ist allerdings schon wieder Schluss für Skhiri & Co.. Der Profi von Montpellier absolviert die drei Partien gegen England, Belgien und Panama über die volle Distanz.

Ellyes Skhiri im Zweikampf mit Jesse Lingard von England.
Ellyes Skhiri (links) spielt im Sommer 2018 seine erste Weltmeisterschaft für Tunesien. © ITAR-TASS/Imago

Ellyes Skhiri: Wechsel zum 1. FC Köln im Sommer 2019

Nach einer weiteren überzeugenden Saison in Frankreich – Skhiri schießt drei Tore in der Ligue 1 und bereitet zwei weitere vor – wird der Bundesligist 1. FC Köln auf die Qualitäten des Nationalspielers aufmerksam. Ende Juli 2019 ist der Deal schlussendlich in trockenen Tüchern und FC-Geschäftsführer Armin Veh schwärmt: „Ellyes ist ein großer, lauf- und zweikampfstarker Spieler mit viel Spielübersicht und gutem Passspiel.“

Ellyes Skhiri privat

Geburtsdatum: 10. Mai 1995

Geburtsort: Lunel, Frankreich

Eltern: Vater Slem (Tunesier) und Mutter Isabelle (Französin)

Freundin: liiert mit Joanna

Der Neu-Kölner kommentiert seine neue Herausforderung mit den Worten: „Mein Berater hat mir gesagt, dass der FC ein großartiger Klub ist. Der Wechsel in die Bundesliga kommt für mich zum richtigen Zeitpunkt. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln haben sich sehr um mich bemüht und mich voll überzeugt.“ Als Ablösesumme einigen sich beide Vereine auf kolportierte sechs Millionen Euro, der zweitteuerste Spieler der Kölner Shoppingtour 2019/20 (nach Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw, 8,25 Millionen Ablöse) unterschreibt bis Sommer 2023.

Mein Berater hat mir gesagt, dass der FC ein großartiger Klub ist.

Ellyes Skhiri nach seinem Wechsel zum 1. FC Köln im Jahr 2019

Ellyes Skhiri: Guter Einstand beim 1. FC Köln

Sein erstes Pflichtspiel für den FC macht Skhiri am 17. August 2019 bei der 1:2-Niederlage in Wolfsburg, als er den Gelb-Rot-gefährdeten Marco Höger für die letzten 34 Minuten auf der Sechs ersetzt: „Ellyes hat einen guten Eindruck hinterlassen“, sagt Trainer Achim Beierlorzer wenig später, der seinem Schützling nach dem Afrika Cup im Sommer noch ein wenig Extra-Erholung gegönnt hatte.

Spätestens ab dem 2. Spieltag ist Skhiri bei den Geißböcken gesetzt und kann gegen Borussia Dortmund im RheinEnergie-Stadion – abermals gibt es eine Pleite – seine erste Torvorlage in der Bundesliga beisteuern. Am 3. Spieltag, der FC erkämpft sich einen 2:1-Auswärtssieg in Freiburg, schießt der Neuzugang sein erstes Bundesliga-Tor und legt Anthony Modeste nebenbei einen Kopfball-Treffer auf.

Die erste Spielzeit in Deutschland ist aus persönlicher Sicht ein voller Erfolg, die Geißböcke landen nach einer durchwachsenen Saison auf Rang 14.

1. FC Köln: Klassenerhalt und Wechselgerüchte um Ellyes Skhiri

Das Jahr 2020/21 soll Skhiris Debüt-Saison im rot-weißen-Trikot noch einmal übertrumpfen: Mit fünf Toren und drei Vorlagen, sowie einem zusätzlichen Treffer in der Relegation gegen Holstein Kiel, hat der Mittelfeldmann maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Kölner. Sein hoher Marktwert, sowie die geweckten Begehrlichkeiten anderer Klubs aus ganz Europa untermauern die fußballerischen Qualitäten des FC-Führungsspielers. Klar ist: Der 26-Jährige ist nach nur zwei Spielzeiten beim 1. FC Köln der gefragteste Mann im Klub.

Im Sommer 2021 häufen sich daher die Wechselgerüchte. Dem Vernehmen nach werden gleich mehrere Top-Klubs wie AC Mailand oder West Ham United beim FC vorstellig, um Ellyes Skhiri vom 1. FC Köln abzuwerben. Steffen Baumgart, der seit 1. Juli die Zügel an der Seitenlinie in der Hand hält, freut sich nach monatelangem hin und her über den Verbleib seines Star-Spielers: „Es hätte natürlich was passieren können, ich bin ja keiner, der in die Glaskugel schaut. Aber er ist da, da freue ich mich.“

Skhiri äußert sich Mitte September 2021 ebenfalls zu seiner Zukunft: „Ich kann nicht vorhersagen, wann und ob es zu einem Wechsel kommen würde. Definitiv klar sein wird die Situation im nächsten Sommer, weil mein Vertrag 2023 ausläuft, man also entweder verlängert, oder wechselt.“

Ellyes Skhiri beim 1. FC Köln: Erste Saison unter Steffen Baumgart mit Verletzungspech

Gleich im ersten Pflichtspiel unter seinem neuen Chef, genauer gesagt in der ersten Runde des DFB-Pokals, kann Skhiri den wichtigen 1:1-Ausgleichstreffer gegen den FC Carl Zeiss Jena erzielen. Auch in der Bundesliga überzeugt der Profi und netzt bis zum achten Spieltag dreimal ein.

Neben all dem Lob übt der FC-Coach jedoch auch ein wenig Kritik an Skhiri: „Ellyes hat noch einen langen Weg vor sich, um dahin zu kommen, wo manche ihn schon sehen.“ Ehe „Flaco“ seine sportlichen Fähigkeiten auf dem Spielfeld weiter zum Besten geben kann, ereilt ihn die erste ernsthafte Verletzung seiner Karriere: Am 10. Oktober 2021, im WM-Qualifikationsspiel zwischen Tunesien und Mauretanien, verletzt sich Skhiri am Wadenbeinkopf. Die Konsequenz: Für die nächsten vier Pflichtspiele ist Pause angesagt.

Steffen Baumgart und Ellyes Skhiri unterhalten sich an der Seitenlinie.
Unter Steffen Baumgart (links) erlebt Skhiri eine schwierige, aber dennoch gute erste Saison. © Team 2/Imago

In seiner Abwesenheit macht FC-Eigengewächs und Konkurrent Salih Özcan mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, während Skhiri bis zum 22. Spieltag etwas in den Seilen hängt. Nach der Rückkehr von seinem zweiten Afrika Cup probiert es Baumgart zunehmend mit einer Doppelsechs und lässt seine beiden Defensivkünstler zusammen auflaufen.

Bis zum Ende der Saison 2021/22 sammelt Skhiri fünf Scorer-Punkte in der Bundesliga (vier Tore, eine Vorlage) und kann – sollte er den Geißböcken erhalten bleiben – im nächsten Jahr erstmals auf europäischer Bühne in der UEFA Conference League kicken. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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