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1. FC Köln: Europapokal-Premiere in Schottland endet in peinlichem Desaster

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Von: Max Dworak

Szene aus dem Erstrundenmatch im Europapokal der Landesmeister 1962/1963. Ian Ure (FC Dundee) grätscht Heinz Hornig (1. FC Köln) von hinten in die Beine.
Bei der Premiere im Europapokal der Landesmeister kommt der 1. FC Köln in Schottland beim FC Dundee mit 1:8 unter die Räder. Hier hier stoppt Dundees Ian Ure den Kölner Heinz Hornig rustikal. © IMAGO/Horstmueller

Der 1. FC Köln spielt im nächsten Jahr endlich wieder international. Bei der Vereinspremiere auf europäischer Bühne gab es im September 1962 eine üble Klatsche.

Dundee – An den ersten Auftritt des 1. FC Köln auf internationaler Bühne erinnern sich wohl nur wenige Fans. Anhängerinnen und Anhängern, denen der ominöse 5. September 1962 tatsächlich noch ein Begriff ist, werden an dieser Stelle an eine der peinlichsten Vorstellungen des künftigen Conference-League-Teilnehmers zurückerinnert. Die Reise zum Dundee FC in den Nordosten Schottlands sollte sich als komplettes Debakel herausstellen. 24RHEIN mit einem kurzen Rückblick in der neuen Serie „FC Europapokal-History“.

1. FC Köln: Deutscher Meister trifft auf schottischen Meister

Als Sieger der Oberliga-Endrunde 1961/62 – im Finale hatten die Kölner den 1. FC Nürnberg mit einem Ergebnis von 4:0 nach Hin- und Rückspiel klar geschlagen – dürfen die Rheinländer erstmals so richtig internationale Luft schnuppern. Zwar können die Domstädter im Messestadt-Pokal des Vorjahres gegen Inter Mailand ein wenig europäische Erfahrung sammeln, die Teilnahme an der Königsklasse stellt jedoch einen unvergleichlichen und zuvor unbekannten Reiz dar. Im Europapokal der Landesmeister, dem Vorgänger der UEFA Champions League, muss das beste deutsche Team um Star-Spieler Hans Schäfer im Herbst der Spielzeit 1962/63 ins regnerische Schottland zum FC Dundee.

Der Gegner, der wie die Kölner in der Vorsaison erstmals in der Vereinsgeschichte die nationale Meisterschaft gewonnen hatte, scheint bereits im Vorfeld der Partie nicht so richtig ernst genommen zu werden: „In deren Stadion laufen unter der Woche die Schafe über den Rasen“, oder „Schießt nicht zu viele Tore, sonst kommen im Rückspiel keine Zuschauer“, ist aus dem Rheinland zu hören.

1. FC Köln: Überheblichkeit zieht Konsequenz nach sich

Bereits nach zehn Minuten gibt es das erste Ausrufezeichen der Partie, als der Kölner Abwehrspieler Matthias Hemmersbach den Ball im eigenen Tor unterbringt. Nur wenige Augenblicke später rächt sich der Arroganzanfall des 1. FC Köln, der sich zu dieser Zeit fußballerisch auf einer Stufe mit den Galaktischen aus Madrid sieht, erneut. Da der schottische Underdog nun Blut geleckt hat, folgt nur eine Minute nach dem 2:0 der dritte Treffer für die Hausherren an diesem Abend.

Und der FC Dundee denkt gar nicht daran, es dabei zu belassen und rennt stattdessen unaufhaltsam weiter auf den Kasten von FC-Schlussmann Fritz Ewert an. Zur Pause steht es schließlich 5:0, und zu allem Übel bleibt Ewert in der Kabine – der Schlussmann hatte sich während eines Luftduells in der vierten Spielminute verletzt und geht mit brummendem Schädel frühzeitig duschen.

1. FC Köln: Mit einem Mann weniger ist in Dundee nichts zu holen

So muss Feldspieler Anton Regh ab der zweiten Hälfte zwischen die Pfosten. Der FC muss die verbliebenen 45 Minuten aufgrund des damals geltenden Regelwerks in Unterzahl weiterspielen. Doch schon in der 49. Minute muss der Notfall-Keeper erstmals hinter sich greifen und die Schotten erhöhen auf 6:0. Nach 66. Minuten sind zwei weitere Gegentreffer hinzugekommen und im Handumdrehen wird aus der erhofften Kaffeefahrt die höchste Pflichtspielniederlage der Vereinsgeschichte: Die 7:0-Pokalpleite, datiert vom 21. September 1954 gegen den 1. FC Kaiserslautern, belegt fortan nur noch Rang zwei in der Kategorie „größte Vereins-Klatsche“.

FC Dundee – 1. FC Köln

Wettbewerb: Europapokal der Landesmeister, 1. Runde

Datum: 5. September 1962

Ort: Dens Park, Dundee

Ergebnis: 8:1 (5:0)

Tore FC Dundee: Matthias Hemmersbach (10. ET), Bobby Wishart (11.), Hugh Robertson (12.), Alan Gilzean (26.), Gordon Smith (45.), Andy Penman (49.), Alan Gilzean (63.), Alan Gilzean (66.)

Tor 1. FC Köln: Helmut Benthaus (81.)

Quelle: transfermarkt.de

Den Schlusspunkt unter den bemitleidenswerten Kölner Auftritt setzt FC-Mittelfeldspieler Helmut Benthaus in der 81. Minute. Als Schiedsrichter Carl Jørgensen nach 90 Minuten die Partie beendet, ist das Entsetzen in jedes einzelne Gesicht der Gäste geschrieben. Trainer Tschik Cajkovski, der vor dem Spiel noch große Töne spuckte, weiß am späten Abend des 5. September wohl, was ihm bei der Ankunft in Deutschland blüht.

Am besten, Flugzeug stürzt ab.

Tschik Cajkovski, Ex-Trainer des 1. FC Köln, nach der 1:8-Niederlage gegen den FC Dundee im Europapokal der Landesmeister

Auch der halbwegs versöhnliche 4:0-Sieg im Rückspiel in Köln, bei dem Hans Schäfer seinen ersten Europapokal-Treffer erzielt, kann das Erstrunden-Aus des 1. FC Köln nicht mehr abwenden. So endet der Traum vom Finale im Wembley Stadion bereits nach zwei Spielen. Im Endspiel triumphiert dann übrigens der AC Mailand mit 2:1 gegen Titelverteidiger Benfica Lissabon.

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