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1. FC Köln: Florian „Kainzi“ Kainz – der Flügelflitzer mit Flanken-Gen

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Von: Max Dworak

Florian Kainz hebt die Hand, im Hintergrund schlägt er Flanken.
Florian Kainz wechselte 2019 vom SV Werder Bremen zum 1. FC Köln. © Passion2Press/Imago & MIS/Imago & Jürgen Schwarz/Imago

Florian Kainz spielt seit 2019 für den 1. FC Köln. Das Kicken lernte der Flügelstürmer bei Sturm Graz. 24RHEIN blickt auf die bisherige Laufbahn des Österreichers.

Köln – Florian Kainz ist seit 2019 eine verlässliche Größe beim 1. FC Köln. Der Österreicher flankt nicht erst seit der Ankunft von Steffen Baumgart, was das Zeug hält, sondern versorgt seit Beginn seiner Karriere die Stürmer mit Hereingaben über die Außenbahn. In Graz tastet sich der dribbelstarke Flügelspieler langsam an die Profi-Abteilung heran, ehe es nach Deutschland geht. Die wichtigsten Stationen gibt es in einem Rückblick.

Das ist Florian Kainz

Geburtsdatum: 24. Oktober 1992

Beim 1. FC Köln seit: 18. Januar 2019

Vertrag beim 1. FC Köln bis: 30. Juni 2024

Marktwert von Florian Kainz: 3,5 Millionen Euro (Stand: 8. Juni 2022)

verpflichtet von: Werder Bremen für drei Millionen Euro

Profi-Debüt: 13. August 2010 für den SK Sturm Graz gegen SV Horn (ÖFB-Cup, Österreich)

Leistungsdaten Saison 2021/22 (1. FC Köln): 33 Einsätze, vier Tore, sieben Vorlagen, eine Gelbe Karte, eine Gelbrote Karte

Florian Kainz beginnt bei SK Sturm Graz: Meister in erstem Profi-Jahr

Die Laufbahn von Florian Kainz, der im Osten von Österreich in Graz auswächst, erhält etwa im Jahr 2000 den ersten nennenswerten Auftrieb. Der damals 8-Jährige wechselt vom Vorstadt-Klub FC Stattegg in die Jugend des Sportklub Sturm Graz, kurz SK Sturm Graz, und arbeitet sich bis 2009 in die zweite Herren-Mannschaft hoch. In der Saison 2009/10 macht er für die Amateure in 41 Spielen neun Tore. Im ÖFB-Cup, dem österreichischen Nationalpokal, tritt der 17-Jährige ebenfalls mit Graz II an. Doch In Runde zwei ist schließlich Schluss. Den 1:0-Pokalsieg der Profis über Wiener Neustadt am 16. Mai 2010 verfolgt „Kainzi“ noch als Außenstehender.

Florian Kainz und Teamkollege Christian Klem halten die Meisterschale in die Kamera.
Florian Kainz (links) gewinnt in seiner ersten Profi-Saison gleich den Meistertitel mit Sturm Graz. © GEPA pictures/Imago

Nach nur einem Jahr bei den Amateuren erhält Florian Kainz 2010/11 die Möglichkeit, sich in der ersten Mannschaft zu beweisen. Im Cup-Spiel gegen den SV Horn am 13. August 2010 schickt ihn Trainer Franco Foda erstmals für 21 Minuten auf den Rasen: „Er hat mich damals ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich der Spieler viele Jahre später. Insgesamt erhält Kainz in seinem ersten Profi-Jahr 13 Mal Spielpraxis und kann dabei zwei Tore erzielen und zwei vorbereiten. Der noch blutjunge Spieler kann zudem gleich in seiner ersten Profi-Saison direkt die Meisterschale in den Himmel recken – ein Traumstart nach Maß.

Besonders erwähnenswert in dieser Spielzeit ist, dass bereits am 19. August, also lediglich sechs Tage nach seinem Profi-Debüt, das erste Spiel auf internationaler Ebene folgt. In der Europa League Qualifikation läuft der 17-Jährige gegen das italienische Schwergewicht Juventus Turin (1:2-Niederlage) auf. Für die Teilnahme an der Gruppenphase im zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb reicht es allerdings nicht.

Abschied aus Graz, Wechsel zu Rapid Wien

Auch die zweite Saison in der Grazer fängt vielversprechend an. Kainz spielt 2011/12 das erste Mal um den Einzug in die UEFA Champions League, der seinem Team jedoch letztlich verwehrt bleibt. In seiner ersten Europa League-Spielzeit läuft Kainz in fünf Spielen auf, in denen er zwei Tore schießt. Nach der Gruppenphase ist dann aber Schluss. In der Liga können die Grazer den Titel nicht verteidigen und landen auf Rang fünf. Mit drei Treffern und fünf Vorlagen stellt Florian Kainz dennoch seine außergewöhnlichen Offensiv-Qualitäten trotz seines jungen Alters unter Beweis.

Florian Kainz stoppt einen Ball, während sein Gegenspieler in den Zweikampf geht.
Florian Kainz spielt zwei Jahre für Rapid Wien. © Eibner Europa/Imago

In den zwei Folgejahren 2012/13 bis 2013/14 soll nichts Nennenswertes passieren. Kainz hat als Mittelfeldspieler weiterhin eine konstant gute Tor- und Vorlagenausbeute (3/3 im Jahr 12/13; 7/4 im Jahr 13/14) in der österreichischen Bundesliga. Sein letztes Spiel für die Grazer „Kampfmannschaft“ bestreitet er am 19. Juli 2014 beim SCR Altach.

Wenige Tage später, am 22. Juli 2014, wechselt Florian Kainz für kolportierte 350.000 Euro zum Ligakonkurrenten SK Rapid Wien. Der Trainer der Hauptstädter, Zoran Barisic, sieht in dem 21-Jährigen eine riesige Verstärkung: „Kainz hat sich nach einem kleinen Tief in der vergangenen Herbstsaison zuletzt wieder sehr stark präsentiert und ist in der Offensive sowohl links als auch rechts auf der Außenbahn einsetzbar.“

Florian Kainz: Anfeindungen der Graz-Fans, Vizemeister-Titel mit Rapid

Allerdings verläuft der Wechsel von seinem Jugendklub in die österreischische Hauptstadt nicht geräuschlos. Im Anschluss an den Deal treten die Grazer verbal nach: „Im Sommer sind Gerüchte aufgekommen. Rapid hat dann gesagt, das ist kein Thema. Nachdem die Mannschaft und der Trainer mit der Kapitänswahl und der Spielerratswahl abgewartet haben, hat sich Kainz dazu entschieden, bei Sturm Graz zu bleiben“, erklärt der Grazer Sport-Geschäftsführer Gerhard Goldbrich. Dann sei jedoch das Angebot von Rapid gekommen. „Er hat gesagt, es ist ein Wunschverein, er möchte zu Rapid. Die Entscheidung, aber nicht die Vorgehensweise ist zu respektieren“, so Goldbrich weiter.

Rapid ist für mich die größte Mannschaft in Österreich.

Florian Kainz

Florian Kainz, der gleich bei seinem Rapid-Debüt am 2. August in der Spielzeit 2014/15 gegen Admira Wacker einnetzen kann, kontert umgehend: „Ich hatte beim Schienbein im Gewebe nur eine kleine Verletzung. Das wurde durch Sturm aufgebauscht, weil der Verein nicht genau bekannt gegeben hat, was ich habe. Ich wollte etwas Neues kennenlernen. Rapid ist für mich die größte Mannschaft in Österreich. Natürlich habe ich überlegt, weil ich ewig bei Sturm war. Aber ich bereue nix.“

Nur eine Woche nach seinem Einstand folgt dann das frühzeitige Wiedersehen mit den Grazern, das mit einem 1:1-Remis endet. Beim zweiten Duell der beiden Teams, Rapid gewinnt auswärts 3:1, wird es hässlich. Graz-Fans zünden ein altes Kainz-Trikot an, andere Chaoten dekorieren das Gewand mit einem abgeschnittenen Schweinskopf. Ungeachtet solcher Störfeuer feiert Florian Kainz am Ende seiner ersten Spielzeit für den Hauptstadt-Klub die Vizemeisterschaft und kommt in 32 Liga-Spielen auf vier Tore und sieben Vorlagen.

Florian Kainz dreht auf und wechselt zu Werder Bremen

In der Folgesaison 2015/16 ist Kainz nicht mehr zu stoppen. In der österreichischen Bundesliga gelingen dem nunmehr 23-Jährigen 19 Torvorlagen und sieben Treffer. Damit krönt Kainz seine zweite Rapid-Spielzeit als mit weitem Abstand bester Scorer seines Teams. Doch für einen Titel reicht es wieder nicht, Rapid schließt erneut mit Tabellenplatz zwei ab. Ganz nebenbei gibt der Flügelflitzer am 17. November 2015 sein Nationalelfdebüt im Freundschaftsspiel gegen die Schweiz (1:2-Niederlage).

Im Mai 2016 kursieren dann schon erste Gerüchte über einen vorzeitigen Wechsel des besten Wieners Richtung Deutschland, genauer zum SV Werder Bremen. Im Juli 2016 ist der 3,5 Millionen Euro schwere Wechsel perfekt: „Ich habe mich gewundert, dass er jetzt immer noch bei Rapid war und nicht schon längst gewechselt ist“, so Werder-Sportchef Frank Baumann über den Coup. Schon zu frühen Graz-Zeiten im Jahr 2011, da war Florian Kainz gerade aus der zweiten Mannschaft zu den Profis hochgekommen, hatte Ex-Teamkollege Patrick Wolf dem 17-jährigen Kainz eine Zukunft im Ausland vorausgesagt. Auf die Frage, wem er denn einen Wechsel in neue Gewässer zutraue, sagte Wolf damals kurz und trocken: „Florian Kainz.“

Florian Kainz: Drei Jahre im Norden, dann zum 1. FC Köln

In Bremen debütiert der 23-Jährige im DFB-Pokal der Spielzeit 2016/17 bei der peinlichen 1:2-Pleite beim Drittligisten Sportfreunde Lotte. Auch in der Bundesliga will der Kainz-Effekt nicht so recht einsetzen und so dauert es bis zum 25. Spieltag, ehe der Neuzugang seinen ersten Treffer markieren kann. Am Ende der Spielzeit steht er bei 14 Spielen, in denen er zwei Tore und drei Vorlagen beisteuern kann – eine ausbaufähige Quote.

Auch im Jahr 2017/18 wird es nicht großartig besser: Zwar absolviert Florian Kainz nun 30 Bundesliga-Spiele, an seinen Torbeteiligungen ändert sich allerdings nicht sonderlich viel. In einer am Ende erneut enttäuschenden Spielzeit schießt der Linksaußen drei Tore und liefert drei Vorlagen.

Florian Kainz schießt einen Ball aufs Tor, der Verteidiger Dennis Diekmeier kommt zu spät mit einer Grätsche.
Das Highlight einer durchwachsenen Zeit beim SV Werder Bremen: Florian Kainz (grün) schießt das 2:1-Siegtor gegen den Hamburger SV im Nordderby. © Nordphoto/Imago

In der Saison 2018/19 kommen erste Gerüchte auf, Kainz liebäugele mit einem Tapetenwechsel. Im Januar 2019 wechselt Florian Kainz dann innerhalb der Bundesliga für drei Millionen Euro zum 1. FC Köln. Resümierend ist die Werder-Zeit eine enttäuschende. Einzig das Siegtor im Nordderby gegen den Hamburger SV am 29. Spieltag der Saison 2016/17 wird den Bremen-Fans wohl in Erinnerung bleiben. Bei den Geißböcken, die in der 2. Bundesliga um den Aufstieg spielen, möchte Kainz vieles besser machen. Ein Torerfolg bleibt ihm allerdings auch im ersten Halbjahr beim FC verwehrt. Dafür gelingt ihm aber mit dem 1. FC Köln der souveräne Aufstieg in die Bundesliga.

Florian Kainz beim 1. FC Köln: Schwere Verletzung 2020/21, Rückkehr vor Saisonende

2019/20 möchte „Kainzi“ noch eine Schippe drauflegen. Im DFB-Pokalspiel gegen Wehen Wiesbaden legt der mittlerweile 27-Jährige dafür den Grundstein. Beim 6:5-Erfolg nach Elfmeterschießen steuert Kainz ein Tor und eine Vorlage bei und trifft obendrein noch im Elfmeterschießen vom Punkt. In der Bundesliga landet der FC nach Ablauf der Spielzeit auf Rang 14 und Florian Kainz darf sich über fünf Tore und sieben Vorlagen freuen – nur Winter-Leihgabe Mark Uth weist zu dieser Zeit einen identischen Vorlagenwert bei den Rheinländern auf.

Im Zuge der Saisonvorbereitung 2020/21 gibt es den ersten großen Karriere-Rückschlag für Kainz: Im Trainingslager in Donaueschingen muss der österreichische Nationalspieler eine Einheit wegen Knieschmerzen abbrechen und fällt in der Folge ein Dreivierteljahr aus: „Ich war zwar gut drauf, aber es gibt nie einen guten Zeitpunkt für eine Verletzung. Deswegen nehme ich es jetzt an und mache mir nicht so viele Gedanken. Ich versuche, immer die positiven Dinge zu sehen und nicht in Selbstmitleid zu verfallen“, zeigt sich der Rechtsfuß kämpferisch.

Nach 28 Pflichtspielen von der Tribüne gibt Florian Kainz im Saisonendspurt sein Comeback für die strauchelnden Kölner. Im Relegations-Rückspiel bei Holstein Kiel glänzt Kainz als doppelter Vorbereiter und hat somit großen Anteil daran, dass sein Team nicht in die 2. Bundesliga absteigt.

Florian Kainz: Feste Größe beim 1. FC Köln unter Steffen Baumgart

Mit der Ankunft von Steffen Baumgart läuft es bei „Kainzi“ von Beginn an blendend. Und das, obwohl Österreichs Nationaltrainer – kein Geringerer als sein Förderer aus Grazer Zeiten, Franco Foda – ihn nicht für die Europameisterschaft im Sommer 2021 berücksichtigt hat. Gleich im ersten Bundesliga-Spiel im RheinEnergie-Stadion knipst Kainz gegen Hertha BSC doppelt. Für Baumgart sind die Qualitäten seines Schützlings schnell ausgemacht: „Was ihn wertvoll macht, ist, dass er immer Vollgas gibt. Dass er immer bei hundert Prozent ist. Selbst wenn er für den einen oder anderen Außenstehenden ein nicht so gutes Spiel macht, ist er immer wieder da.“

Florian Kainz bückt sich zum Ball herunter.
Florian Kainz legt sich den Ball auf dem Elfmeterpunkt zurecht. Wenige Augenblicke später scheidet der 1. FC Köln aus dem DFB-Pokal aus. © Chai v.d. Laage/Imago

In den Folgewochen absolviert Kainz Spiel um Spiel und kann vier weitere Vorlagen liefern, ehe es im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den Hamburger SV geht. Hier vergeigt Kainz seinen Elfmeter nach 120 Minuten Spielzeit auf kuriose Weise, indem er sich selbst anschießt. „Das Elfmeterschießen mit zwei Kontakten zu verlieren, das habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Baumgart nach Abpfiff.

Florian Kainz dreht zum Jubel ab.
Florian Kainz trifft zum 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach. © Laci Perenyi/Imago

Allzu lange lässt sich der Unglücksrabe jedoch nicht von seinem Fauxpas beirren und beendet die Saison 2021/22 mit gewohnter Qualität. Im März verlängert Florian Kainz zudem seinen Vertrag bis Sommer 2024: „ Es macht gerade sehr viel Spaß, beim FC Fußball zu spielen. Wir sind eine richtig gute Einheit, mit der wir noch etwas erreichen können - und damit meine ich nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Trainerteam und den gesamten Staff.“, erklärt der 29-Jährige seine Entscheidung.

Mit insgesamt vier Toren und sieben Vorlagen beweist sich Kainz als Leistungsträger unter Baumgart und hat im nächsten Jahr 2022/23 zudem die Möglichkeit, mit dem 1. FC Köln in der UEFA Conference League auf sich aufmerksam zu machen. Die Flanken-Genauigkeit seines rechtes Fußes wird der FC dann sicherlich wieder gut gebrauchen können. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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