Nach Shitstorm

1. FC Köln wechselt Medienchef noch vor Antritt aus – der löscht anschließend sein Twitter-Profil

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Müssen nun einen neuen Mediendirektor suchen: Präsident Dr. Werner Wolf (l.) und Alexander Wehrle (M.)
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Die große Kritikwelle von Fans hat verhindert, dass Fritz Esser neuer Kommunikationschef beim 1. FC Köln geworden ist. Der 39-Jährige hat daraus nun weitere Konsequenzen gezogen.

  • Am 1. Februar 2021 hat der 1. FC Köln Fritz Esser (39) als neuen Leiter für Medien & Kommunikation vorgestellt
  • In den Sozialen Netzwerken zeigten sich Fans des 1. FC Köln ob dieser Nachricht fassungslos
  • Am 3. Februar ruderte 1. FC Köln zurück und verinbarte mit Esser ihn doch nicht einzustellen
  • FC-Sprecherin Lil Zercher übernimmt die Aufgabe bis der Verein die Leitungsfrage geklärt hat

Update vom 18. Februar, 15:55 Uhr: Rund zwei Wochen nach der Posse um die geplante Einstellung von Fritz Esser als neuen Medienchef beim 1. FC Köln, hat dieser nun Konsequenzen gezogen und sein Twitter-Account gelöscht. Wer bei dem Kurznachrichtendienst nach „Fritz Esser“ sucht, wird das Profil des ehemaligen Bild-Journalisten seit einigen Tagen nicht mehr finden. Die Social-Media-Plattform war maßgeblich an der ganzen Aktion Anfang Februar beteiligt. Nicht wurden bei Twitter die kritisierten Posts und Kommentare von Esser gefunden, sondern auch der Shit-Storm formierte sich primär auf der Plattform. Damit hat der Kommunikationschef von DB Schenker nun wohl endgültig mit diesem unrühmlichen Kapitel abgeschlossen.

Anschließend übernahm Lil Zercher, die Pressesprecherin des 1. FC Köln, den erneut vakant gewordenen Posten des Medienchefs übergangsweise. Die vorherige Interimslösung Jürgen Homeyer wurde nach der peinlichen Aktion um Fritz Esser sofort entlassen. Nun geht es mit einer neuen Headhunter-Agentur auf die erneute Suche nach einer langfristigen Lösung. (os)

1. FC Köln wechselt Medienchef noch vor Antritt aus – das sagen die Beteiligten

Update vom 03. Februar, 17:10 Uhr: Der 1. FC Köln hat die Nichteinstellung von Fritz Esser nun offiziell bestätigt. Die Vereins-Führung bittet in der Stellungnahme alle Fans um Entschuldigung und gesteht ein Fehler gemacht zu haben.

„Toleranz, Fairness, Offenheit und Respekt sind als zentrale Werte in der Charta des FC festgeschrieben. Sie sind das Leitbild für den gesamten Verein und damit auch für uns Verantwortliche und unsere Mitarbeiter. Beim Auswahlprozess sind Fehler gemacht worden. Seit der Veröffentlichung haben uns Vorwürfe erreicht, die wir vorher hätten prüfen müssen. Daraus werden wir Konsequenzen ziehen. Wir bitten alle Mitglieder und Fans um Entschuldigung. Wir haben Herrn Esser als integren Menschen mit demokratischem Wertegerüst kennengelernt. Dennoch haben wir uns nach intensivem Austausch entschieden, auf die Zusammenarbeit zu verzichten“, sagen FC-Präsident Dr. Werner Wolf und Geschäftsführer Alexander Wehrle zu der Sinneswandlung.

Ein guter Kommunikator sollte nie selbst im Mittelpunkt stehen. 

Fritz Esser, der nun doch nicht Medienchef des 1. FC Köln wird

Auch der ursprünglich designierte Medienchef Fritz Esser äußert sich dabei selbst zu Wort: „In den vergangenen Tagen wurde ich in sozialen Netzwerken fälschlich als Nazi und AfD-Sympathisant beschimpft und in einigen Foren aufs Übelste beleidigt. Hieraus leitete sich eine Debatte um meine Person ab. Ein guter Kommunikator sollte aber nie selbst im Mittelpunkt stehen. Die Diskussionen um meine Einstellung lenkt davon ab, worum es gehen sollte: den 1. FC Köln nach vorne zu bringen. Deshalb halte ich es für richtig, die Position als Leiter Medien & Kommunikation nicht anzutreten. Eines möchte ich allerdings klarstellen: Ich stehe hinter jedem Buchstaben der FC-Charta wie auch hinter der liberalen Grundordnung unserer Demokratie und lehne extreme und extremistische Parteien jeder Art ab. Wer mich kennt, kann daran keinen Zweifel haben.“ (os)

1. FC Köln: Fritz Esser wird doch nicht neuer Medienchef

Köln – Es waren durchaus Worte der Überzeugung, mit denen FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle kürzlich Fritz Esser als neuen Direktor für Medien & Kommunikation beim 1. FC Köln vorstellte. „Fritz Esser passt perfekt zu uns. Er ist ein Profi als Journalist und als vielseitig erfahrener Kommunikationsexperte“, wurde der Finanz-Boss auf der Homepage des 1. FC Köln zitiert – das sahen viele Fans allerdings anders.

1. FC Köln: Fans laufen in Sozialen Netzwerken Sturm gegen Fritz Esser

Der Grund: Vor einiger Zeit hatte der Schwiegersohn von FC-Legende Hannes Löhr (2016 im Alter von 73 Jahren gestorben) Teile der FC-Fans öffentlich als „Schwachmaten“ bezeichnet und Aktionen der Ultras mit Neonazi-Aufmärschen in Bautzen verglichen. Zudem hatte der ehemalige Bild-Reporter in Tweets immer wieder mit Positionen der AfD sympathisiert und sich in einer Zeitungskolumne mit dem Titel „Von wegen Kraftanstrengung“ kritisch zur Asylpolitik der Bundesregierung geäußert.

Daraufhin hatten sich im Netz viele Fans des 1. FC Köln äußerst kritisch zur Anstellung von Esser geäußert. Ausgehend von diversen Twitter-Posts entstand im Laufe des Abends ein regelrechter Shitstorm. So machten im Anschluss auch bekannte FC-Fans wie Carolin Kebekus und Fabian Köster („Heute-Show“) ihrem Unverständnis über diese Entscheidung Luft.

Auch Club-Legende Lukas Podolski bat schließlich den Verein eindringlich, in dieser Causa noch einmal umzudenken. Auf der Website „change.org“ lief zu dieser Zeit längst eine Petition gegen den neuen Mediendirektor in Spe, dessen politische Positionen in den Augen der Fans nicht mit denen des Vereins, der sich am vergangenen Spieltag noch für Toleranz und Gleichberechtigung einsetzte, vereinbar sind.

Nach Einstellung von Fritz Esser als Mediendirektor: Druck auf die Clubspitze wird zu groß

Anscheinend mit Erfolg: Denn neben Sport1 berichteten weitere Medien am Mittwoch übereinstimmend, dass Esser den für ihn eigentlich vorgesehenen Posten nun doch nicht übernehmen wird. Scheinbar ist der öffentliche Druck auf die FC-Bosse zu groß geworden, sodass diese von ihrer Entscheidung abrücken mussten. (mo)

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