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Geißbock Hennes: Alles über das Maskottchen des 1. FC Köln

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Von: Max Dworak

Hennes steht am Spielfeldrand des RheinEnergie-Stadions.
Maskottchen Hennes IX. feuerte den 1. FC Köln erstmals am 23. August 2019 im RheinEnergie-Stadion an. © Eduard Bopp/Imago

Hennes IX. steht beim 1. FC Köln seit drei Jahren als moralische Unterstützung am Spielfeldrand. 24RHEIN mit einer Chronologie seiner Vorgänger und der Erklärung, wie der FC zum Geißbock kam.

Köln – Der Geißbock gehört zum 1. FC Köln wie das RheinEnergie-Stadion und die Torhymne „Denn wenn et Trömmelche jeiht“. Es ist wohl angemessen zu behaupten, dass kein Maskottchen in der 1. Bundesliga derartigen Kultstatus genießt, beziehungsweise einen solchen Bekanntheitsgrad hat wie Hennes. 24RHEIN mit einem Überblick zu allen bisherigen neun Vereinstieren und dem Grund für den Namen.

Das ist Maskottchen Hennes IX.

Geburtsdatum: 24. Februar 2018

Geburtsort: Biolandhof ­Dörmann in Petershagen-Ilse (bei Minden)

Rasse: Bunte Deutsche Edelziege

Beim 1. FC Köln seit: 4. August 2019

Erstes Spiel am Seitenrand: 23. August 2019 gegen Borussia Dortmund (2. Spieltag, Bundesliga 2019/20)

1. FC Köln: Hennes, der Geißbock und Hennes Weisweiler

Vor etwa 72 Jahren beginnt die Hennes-Ära. Auf der Aachener Straße, im Zentrum von Köln, steht zu jener Zeit noch der sogenannte Williamsbau. Die Veranstaltungshalle wird vornehmlich für Zirkusveranstaltungen genutzt, jedoch auch für andere, größere Festlichkeiten.

Hennes streckt den Kopf zum Boden und sucht nach Futter.
Hennes I. ist ganze 16 Jahre für den 1. FC Köln im Einsatz. © Horstmüller/Imago

Am 13. Februar 1950 schenkt Zirkusdirektorin Carola Williams dem 1. FC Köln während einer Karnevalssitzung im Scherz einen Ziegenbock. Gerüchten zufolge ist das Tier so aufgeregt, dass es den FC-Spielertrainer Hennes Weisweiler anpinkelt. Fortan hört das Tier nur noch auf den Namen „Hennes“ und wird zum Maskottchen des zwei Jahre zuvor gegründeten Vereins. Nachdem Weisweiler den 1. FC Köln im Jahr 1952 verlässt, entscheidet man sich zunächst für einen neuen Namen, aber nach Versuchen mit Oscar und Heinzchen kehrt man mangels Erfolgs zu „Hennes“ zurück. Anfangs reist Hennes sogar mit zu Auswärtsspielen, ab Anbruch der 1960er Jahre ist dem Verein dies jedoch aus Tierschutzgründen untersagt.

Kurze Zeit später, um genau zu sein im September 1950, taucht Hennes dann erstmals im neuen Wappen des 1. FC Köln auf. Auf dem Trikot feiert das Tier im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart am 17. April 1954 seine Premiere. Das erste Spiel mit neuem Glücksbringer auf der Brust geht allerdings mit 0:1 verloren. Insgesamt 16 Jahre ist Hennes I. dem FC ein treuer Begleiter, ehe der Bock seinen Dienst wegen Altersschwäche quittieren muss.

1. FC Köln: 1966 bis 1970 – Hennes II.

Mit Hennes II. schlägt der 1. FC Köln im November 1966 das nächste Kapitel der Reihe „Vereinsmaskottchen“ auf. Abermals ist das Tier ein Geschenk aus dem Kölner Williamsbau. Jedoch ist die Halbwertzeit von Bock Nummer zwei unfreiwillig kürzer als die seines Vorgängers. Nur vier Jahre ist Hennes II. dem FC ein treuer Diener. Im August 1970 fällt er einem tödlichen Schäferhundbiss zum Opfer. Böse Zungen behaupten lange, die Erzrivalen von Borussia Mönchengladbach hätten den Bock vergiftet, was sich jedoch schnell als unwahre Behauptung herausstellt.

Wolfgang Overath führt Hennes II. vor Anpfiff eines Bundesliga-Spiels auf das Spielfeld.
Wolfgang Overath (ganz links) führt Hennes II. vor Anpfiff eines Bundesliga-Spiels auf das Spielfeld der alten Hauptkampfbahn in Müngersdorf. © WEREK/Imago

1. FC Köln: 1970 bis 1975 – Hennes III.

Der dritte Hennes geht als erster Geißbock in die Vereinsgeschichte ein, der keinen Titel miterleben darf. Trotz Spielern wie Wolfgang Overath oder Hannes Löhr sind die Kölner nicht in der Lage, an die Erfolge aus der Vergangenheit anzuknüpfen. Erwähnenswert ist abseits dessen, dass Hennes III. der erste Glücksbringer ist, der auf dem Hof der Familie Schäfer im Kölner Stadtteil Widdersdorf beheimatet wird. Im Sommer 1975 stirbt der Geißbock eines natürlichen Todes.

Ein Mann mit Anzug streichelt Hennes III. der auf einer Holzbank steht.
Die Amtszeit von Hennes III. ist weniger von Erfolg gekrönt. © Ferdi Hartung/ Imago

1. FC Köln: 1975 bis 1982 – Hennes IV.

Nach dem erfolglosesten kommt 1975 das erfolgreichste Maskottchen: Mit Hennes IV. am Seitennrand feiert der FC unter anderem das Double 1977/78, als man die Fans mit dem DFB-Pokal und der Meisterschaft beschenkt. Ihm zu Ehren komponiert die Kölner Band „Höhner“ das Lied „Unsre Bock eß Meister“. Vier Jahre darauf, am 13. November 1982, stirbt Hennes IV. an den Folgen einer Herzerkrankung.

1. FC Köln: 1982 bis 1989 – Hennes V.

Sein Nachfolger, Hennes V. ist der letzte Geißbock, der dem 1. FC Köln bis zum heutigen Tage einen Titel bescheren soll. Nach dem DFB-Pokalsieg 1983 geht es in Sachen Titel und Trophäen beim FC bergab. In den Folgejahren gelingt es nicht mehr, an die glanzvollen Momente der Vergangenheit anknüpfen. Im Juli 1989 stirbt der fünfte Geißbock schließlich eines natürlichen Todes.

1. FC Köln: 1989 bis 1996 – Hennes VI.

Die Amtszeit von Hennes VI. steht ganz im Zeichen des sportlichen Abschwungs in den 1990er-Jahren. Dabei sieht es in der Saison 1989/90 zunächst so aus, als könnte Hennes VI. nach seinen Vorgängern Hennes I. und Hennes IV. der dritte Meisterbock des 1. FC Köln werden. Doch am Ende reicht es unter Trainer Christoph Daum nur für Rang zwei. In der Folge scheint das Maskottchen seinen Mythos als Glücksbringer verloren zu haben.

In der Saison 1995/1996 ist sogar Abstiegskampf angesagt. Diesem Drama ist der gesundheitlich schon angeschlagene Bock nicht gewachsen. Die Rettung am letzten Spieltag bei Hansa Rostock erlebt Hennes VI. schon nicht mehr. Sein letztes Spiel ist die Partie am 19. Spieltag gegen den Karlsruher SC, bevor er im Alter von neun Jahren eingeschläfert werden muss. Tragisch: Dem einzigen „Titelgewinn“ seiner Ära, dem Gewinn der DFB-Hallenmeisterschaft in der Saison 1992/1993, darf er nicht beiwohnen. In der Münchner Olympiahalle sind Tiere nicht erlaubt.

1. FC Köln: 1996 bis 2008 – Hennes VII.

Der Geißbock, der bei den Rheinländern die Jahrtausendwende einleitet, ist Hennes VII. Sportlich sind die Rheinländer zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Im Gegenteil. Statt Titeln und Triumphen fallen gleich vier Abstiege in die 2. Bundesliga in seine Amtszeit. Im Jahr 2006 verstirbt zudem der legendäre Geißbock-Betreuer Wilhelm Schäfer. Zwei Jahre danach muss Hennes VII. aufgrund einer fortschreitenden Arthrose eingeschläfert werden.

Wilhelm Schäfer hält die Leine von Hennes VII. in der Hand und steht neben dem Tier auf dem Rasen am Geißbockheim.
Wilhelm Schäfer kümmert sich auf seinem Anwesen in Widdersdorf von 1970 bis zu seinem Tod im Jahr 2006 gemeinsam mit Ehefrau Hildegard insgesamt um fünf FC-Maskottchen. Das Foto zeigt ihn mit Hennes VII. im Jahr 2003. © Sven Simon/Imago

Der damalige Trainer Christoph Daum kommentiert das Ableben mit den Worten: „Der Bock hat viel leiden müssen und deshalb war es im Sinne des Tierschutzes richtig, so zu handeln. Schließlich hat dieser Hennes auch viel erlebt in seinem Leben als Maskottchen.“

1. FC Köln: 2008 bis 2018 – Hennes VIII.

Nach dem Tod von Wilhelm Schäfer kümmert sich der Oedekovener Ingo Reipka um die Kölner Geißbock-Dynastie. Mit Hennes VIII. erlebt Reipka einiges, unter anderem muss er den wilden Geißbock im März 2014 versuchen, wieder in seine Box zu bringen, nachdem sich das Tier im Stadion selbstständig gemacht hatte. „Ich stand, wie immer, mit ihm am Spielfeldrand, aber plötzlich war Hennes nicht mehr an meiner Leine. Er stand ein paar Meter entfernt auf dem Spielfeld und schaute mich an. Fünf Minuten lang, die mir wie 15 Minuten vorkamen, hat der mit mir Fangen gespielt – zur Freude der Südkurve.“

An Anthony Ujah wird sich Hennes VIII. weniger gerne zurückerinnern: Der ehemalige FC-Stürmer dreht am 8. März 2015 zum Jubel ab und möchte seine Freude über den 4:1-Treffer der Kölner gegen Eintracht Frankfurt mit dem Geißbock teilen. Dazu greift der Nigerianer etwas unbeholfen nach den Hörnern des Tiers. Später entschuldigt sich Ujah beim Bock für seine zweifelhafte Aktion: „Sorry, Hennes, das war etwas zu heftig von mir.“

Hennes VIII. ist außerdem der erste Geißbock des 1. FC Köln, der sein Domizil im neugebauten „Clemenshof“ im Kölner Zoo aufschlägt. Im August 2014 wird mit großem Gefolge der Umzug von Widdersdorf nach Riehl zelebriert. Die Cheerleader des 1. FC Köln stehen Spalier, als der wichtigste Bock der Stadt – standesgemäß über den roten Teppich – in sein neues Zuhause, das mit einer Ahnengalerie und einem Stadion-Gemälde liebevoll dekorierte „kleine Geißbockheim“ einzieht. Hier genießt er auch ab 2019 seine Rente, ehe er im April 2021 verstirbt.

1. FC Köln: 2019 bis heute – Hennes IX.

Seit August 2019 meckert Hennes IX. auf dem Rasen des RheinEnergie-Stadions fröhlich vor sich hin. Besonders in der Spielzeit 2021/22 erlebt der Verein unter Steffen Baumgart und Hennes IX. eine sportliche Auferstehung. Nach Saisonende freuen sich Trainer und Maskottchen über den Einzug in die UEFA Conference League. Das Tier wird übrigens inzwischen umweltschonend, nämlich elektrisch und lokal emissionsfrei im eigenen Hennes-Mobil vom Kölner Zoo zu den Heimspielen nach Müngersdorf gefahren. Der Klimawandel macht eben auch vor der traditionsreichen Geißbock-Dynastie nicht halt. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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