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1. FC Köln: Ausbau Geißbockheim – weiter im Grüngürtel oder doch nach Marsdorf?

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Alles beim Alten: Das Kölner Geißbockheim, beziehungsweise der RheinEnergie-Sportpark, sollen seit Jahren erneuert werden.
Alles beim Alten: Das Kölner Geißbockheim, beziehungsweise der RheinEnergie-Sportpark, sollen seit Jahren erneuert werden. © Manngold/Imago

In seiner 24RHEIN-Kolumne „Mein Blick auf den FC“ befasst sich Sportökonom Christian Müller diesmal mit dem Ausbau des Geißbockheims und einem Alternativ-Standort Marsdorf

Köln – Der 1. FC Köln im sportlichen Aufwind – welcher leidgeprüfte Anhänger freut sich nicht darüber? Die Euphorie um den geradlinigen Trainer Steffen Baumgart wächst allenthalben. Vor Kurzem hat dieser Trainer die antiquierten Verhältnisse im Geißbockheim aufgegriffen und gewarnt, dass der FC in puncto Wettbewerbsfähigkeit den Anschluss zu verlieren drohe. Dies ist Anlass zu überlegen, wo wir in puncto Trainingsgelände gerade stehen.

Geißbockheim: 1. FC Köln plant die Bebauung der sogenannten Gleueler Hundewiese

Es geht also um den ins Stocken geratenen Ausbau des Geißbockheims. Was tun mit den Duschräumen, in denen der Erzählung nach noch das Shampoo von Hennes Weisweiler, Gott habe ihn selig, herumsteht? Heißt, was wird aus den Ausbauplänen mit drei neuen Trainingsplätzen und vier Kleinspielfeldern nördlich der bestehenden Anlagen auf der sogenannten Gleueler Hundewiese?

Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Zum einen wohne ich selbst unweit des Geißbockheims und halte mich durch regelmäßige Dauerläufe bis zum Club Astoria so gut es geht fit. Der Grüngürtel rund um den Decksteiner Weiher ist mein liebster Aufenthaltsort außerhalb des eigenen Zuhauses. Zum anderen bin ich seit Kindesbeinen glühender FC-Anhänger, unterstütze alles, was dem FC weiterhilft. Den dringenden Bedarf für eine Modernisierung des Kabinentraktes, des Trainingsgeländes und des Nachwuchsleistungszentrums sehe ich natürlich. Zumal ich aus meiner beruflichen Erfahrung viele Vorzeigeprojekte unserer Konkurrenz kenne.

Ausbau Geißbockheim: 1. FC Köln Alexander Wehrle beklagt fehlende Verlässlichkeit

Wo stehen wir also? FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle beklagt die fehlende Verlässlichkeit des Stadtrats. Da ist was dran, gab es doch eine im Verfahrensgang schon weit fortgeschrittene Zustimmung der zuständigen Stellen. Umgekehrt sind die Argumente der Ausbaugegner ziemlich stichhaltig. Der geplante Ausbau wäre ein massiver Eingriff in das unter Natur- und Denkmalschutz stehende Erbe Konrad Adenauers, an dem wir Kölner uns seit rund 100 Jahren erfreuen. Die nicht wegzudiskutierende Beeinträchtigung unserer Naherholungsmöglichkeiten vor der Haustür lässt sich gerade angesichts des offenkundigen Klimawandels kaum rechtfertigen.

Wollte man trotz alledem den Grüngürtel anknabbern, so müsste der FC aus meiner Sicht zweifelsfrei und nachvollziehbar belegen, dass eine räumliche Trennung von Profi- und Nachwuchsbereich kaum reparable Nachteile erzeugen würde. Das zu zeigen dürfte schwierig sein, gibt es doch bei vielen anderen Clubs eben diese Trennung ohne ständiges Klagen darüber. Daraus folgt, dass ein neues Nachwuchsleistungszentrum an einem anderen Ort eine Alternative zum geplanten Vorhaben sein könnte.

Festhalten am alten Standort des Geißbockheims um jeden Preis schadet dem FC

Einmal unterstellt, dass eine Trennung von Profi- und Nachwuchsbereich ausscheidet und der 1. FC Köln unbeirrt an seinem Projekt festhält. Um welchen Preis? Nach allem was ich weiß, zunächst einmal das Warten bis zu einem Tag X, an dem alle gerichtlichen Einspruchsmöglichkeiten der Ausbaugegner erschöpft sind und das Moratorium des Dreierbündnisses Grüne, CDU und Volt keinen Bestand mehr haben kann. Es besagt, dass die Stadt bis eben zu diesem Zeitpunkt keinerlei Verträge mit dem FC abschließen darf. Dieser Tag X dürfte erst in ferner Zukunft sein, eine so lange Ungewissheit schadet definitiv.

Zweitens riskiert der FC mit seinem Festhalten an den umstrittenen Plänen die fast einhellige Zustimmung gerade in seinem Ursprungssprengel Lindenthal, Sülz und Klettenberg. Hier leben die Betroffenen, die sich die Bewahrung des status quo meinem Eindruck nach mehrheitlich wünschen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz mit Blick auf die benachbarten Sportvereine im Grüngürtel scheint mir hier ebenfalls bedeutsam.

Geißbockheim: Alternativstandort Marsdorf als annehmbare Option für den FC

Daher wünsche ich mir, dass der viel beschworene Alternativstandort Marsdorf, gar nicht so weit weg vom Geißbockheim, vielleicht doch eine annehmbare Option für den FC als weitere Heimstatt wird. Unterstellt, dass Planungssicherheit und Umsetzbarkeit politisch und rechtlich schnell möglich und von allen Beteiligten gewollt sind. Dass es möglich ist, langwierige bürokratische Verfahren auf zügige Umsetzung zu trimmen, haben zuletzt die vom Hochwasser leidvoll Betroffenen an Ahr und Erft erfahren. (cm)

Zur Person

Christian Müller (57) war von 1992 bis 1993 erst Vorstandsassistent, später dann Leiter der Geschäftsstelle beim 1. FC Köln. Von 2001 bis März 2010 fungierte er als Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung bei der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH. Von Juni 2012 bis Februar 2014 war er Hauptgeschäftsführer bei Dynamo Dresden. Des weiteren hatte Christian Müller Lehraufträge in Sportmanagement an diversen deutschen Hochschulen (Bayreuth, Heilbronn, Remagen, Deutsche Sporthochschule Köln) sowie MESGO-Master CIES Neuchatel/Schweiz und FIFA-Master Management, Law, and Humanities of Sport Birkbeck College University of London. Seit 2015 ist er Studiengangsleiter Sportmanagement an der Hochschule Fresenius Köln und Programmverantwortlicher Sport für alle Standorte der Hochschule.

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