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1. FC Köln: Leistungsträger, Kapitän, Identifikationsfigur – Jonas Hector

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Von: Max Dworak

Jonas Hector hockt vor einer Fahne und schaut zufrieden nach vorne.
Jonas Hector übernimmt beim 1. FC Köln seit Jahren eine Schlüsselrolle. © Passion2Press/Imago

Jonas Hector ist beim 1. FC Köln eine Institution. Der Defensivspieler ist seit Jahren das Gesicht des Vereins. Alle Infos zu Jonas Hector.

Köln – Wenn beim 1. FC Köln ein Spieler das Prädikat „unverzichtbar“ verdient, dann ist es Jonas Hector. Kein anderer ist so entscheidend für Rhythmus und Balance im Kölner Spiel. Es gibt es keine Zweifel daran, dass einzig die Leistung dieses Spielers über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann. Seit seinem Wechsel aus dem Saarland zum Bundesligisten sind nunmehr zwölf Jahre vergangen. Dass er innerhalb einer Dekade zu einer Vereinslegende heranwachsen würde, hätte er sich wohl selbst kaum erträumen können.

Das ist Jonas Hector

► Geburtsdatum: 27. Mai 1990

► Beim 1. FC Köln seit: 1. Juli 2010

► Marktwert: 4 Millionen Euro (Stand: 3. Juni 2022)

► Profi-Debüt: 18. August 2012 für den 1. FC Köln gegen SpVgg Unterhaching (DFB-Pokal)

► Erfolge: Meister 2. Bundesliga 2013/14 und 2018/19, Confederations Cup Sieger 2017 (Nationalmannschaft)

► Leistungsdaten Saison 2021/22: 35 Einsätze, 23 Tore, vier Vorlagen, vier Gelbe Karten

Jonas Hector: Beginn der Karriere – beim SV Auersmacher

Jonas Hector führt den Ball am Fuß.
Jonas Hector (grün) spielt eine Saison in der Oberliga für den SV Auersmacher. © Becker&Bredel/Imago

In Saarbrücken geboren, tritt Hector schon als dreijähriger Sprössling das erste Mal gegen den Ball. Zunächst startet er ganz unscheinbar beim SV Auersmacher, einem Verein im gleichnamigen Ortsteil der saarländischen Gemeinde Kleinblittersdorf an der französichen Grenze. Dort steigt der spätere FC-Profi in der F-Jugend ein und startet in der Saison 2008/09 bei den Senioren durch. Mit 18 Jahren zählt er zu den jüngsten Spielern im Kader. Parallel spielt er weiterhin auch für die A-Junioren. Eine Spielzeit darauf kann der mittlerweile 19-Jährige den Aufstieg in die Oberliga - Rheinland-Pfalz/Saar bejubeln.

Damals ranken sich bereits während der noch jungen Spielzeit etliche Gerüchte um das Ausnahmetalent aus dem defensiven Mittelfeld. Beim FC Bayern München absolviert Hector sogar ein Probetraining, kann sich aber nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, Heimat, Familie und Freunde hinter sich zu lassen. „Fußball-Profi zu werden, war auch anfangs gar nicht mein Ziel“, sagt Hector Ende 2014. Ein Vereinsverantwortlicher des SV Auersmacher fügt hinzu: „Das Talent hatte er, das haben alle gesehen. Aber hier in Auersmacher spielen seine Freunde, er hatte nicht geplant, wegzugehen. Unser Verein ist eine große Familie. Es fällt schon schwer, seine Familie zu verlassen.“

1. FC Köln: Jonas Hector wechselt zur U21

Im Sommer 2010 ist es dann schließlich doch Zeit für den nächsten Karriereschritt. Hector schließt sich dem 1. FC Köln an und spielt fortan in der zweiten Mannschaft. „Jonas hat ein Riesentalent. Er kann richtig gut Fußballspielen und hat die Einstellung und den Ehrgeiz, den man als Profi braucht. Talente gibt es viele, aber in dieser Gesamtheit nicht“, kommentiert Stephan Engels, damaliger FC-Nachwuchskoordinator, den Transfer.

Jonas Hector erobert den Ball in einem Zweikampf.
Der 20-Jährige Jonas Hector (rot) sorgt in der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln schnell für Aufsehen. © Dünhölter SportPresseFoto/Imago

Im Februar 2010 hatte Hector ein Probetraining am Geißbockheim absolviert und ist sofort angetan von den Strukturen innerhalb des Traditionsvereins: „Beim FC hat alles gestimmt. Ich hatte ein gutes Gefühl, Vertrauen in die Leute und die geringe Entfernung zur Heimat spielte natürlich auch eine Rolle“, sagt der bescheidene 19-Jährige selbst zu seiner neuen Herausforderung.

Unter Amateur-Trainer Frank Schäfer kommt Hector in der Regionalliga West am 7. August 2010 gegen Borussia Dortmund erstmals zu einem sechsminütigen Kurzeinsatz. Seine damaligen Teamkollegen: Unter anderem ein gewisser Mark Uth und Simon Terodde.

1. FC Köln: Jonas Hector empfiehlt sich für die Profis

Nach zwei überzeugenden Jahren in der zweiten Mannschaft, aus denen in 63 Spielen, fünf Tore und 17 Vorlagen hervorgehen, beordert der damalige Profi-Trainer Holger Stanislawski den 22-jährigen Nachwuchskicker Hector in die Bundesliga-Mannschaft.

„Jonas ist kalt wie eine Hundeschnauze“, erklärt Stanislawski seine Entscheidung. Am 18. August 2012 spielt Hector in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 2:1-Erfolg über Unterhaching als defensiver Mittelfeldspieler volle 90 Minuten durch. Nach dem gelungenen Profi-Debüt darf er sich am 27. August dann schließlich auch in der 2. Bundesliga beweisen. Abermals steht der Neuling über die gesamte Spieldauer auf dem Rasen. Dieses Mal gibt es jedoch eine 0:2-Niederlage gegen Erzgebirge Aue.

1. FC Köln: Hector wird zum Linksverteidiger umgeschult – Erstliga-Debüt

Nachdem der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte in Liga zwei perfekt ist, stellt Stanislawski einiges in der FC-Defensive um. So spielt Hector von nun an hinten links und kann beim 3:0-Auswärtserfolg in Ingolstadt am 34. Spieltag der Saison 2012/13 sogar seine erste Profi-Vorlage zum versöhnlichen Saisonabschluss beisteuern. Für die Kölner reicht es dennoch am Ende nur für Rang fünf in der Tabelle, der Wiederaufstieg ins Oberhaus ist offiziell fehlgeschlagen und Stanislawski muss seine Koffer packen.

Unter Peter Stöger glückt das Projekt „1. Bundesliga“. Hector, aus der ersten Elf mittlerweile nicht mehr wegzudenken, bringt in 33 Liga-Spielen zwei Tore und zwei Vorlagen zustande.

Am 23. August 2014 gibt Jonas Hector mit 24 Jahren sein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse. Stöger sagt nach dem torlosen Remis im RheinEnergie-Stadion über sein Abwehr-Ass: „Jonas spielt eigentlich gefühlt immer gleich, er ist nie wirklich aufgeregt.“

1. FC Köln: Hector in der Nationalmannschaft – Nominierung für die DFB-Elf

Jonas Hector schießt den Ball vom Elfmeterpunkt Richtung Tor von Gianluigi Buffon.
Der Held des Abends: Jonas Hector (rechts) verwandelt den entscheidenden Elfmeter zum 7:6 gegen Italien im Elfmeterschießen bei der Europameisterschaft 2016 im Viertelfinale. © Schüler/Imago

Am 7. November folgt der nächste Meilenstein in der noch jungen Karriere: Bundestrainer Joachim Löw beruft Jonas Hector in den Kader für zwei anstehende Länderspiele. Am 14. November 2014 streift sich der Kölner Profi gegen Gibraltar erstmals das weiße Gewand des frisch gebackenen Weltmeisters über und bekleidet für 18 Minuten die Innenverteidigerposition im Nürnberger Max-Morlock-Stadion.

Bis zum Jahr 2020 läuft Jonas Hector 43 Mal für die Nationalmannschaft auf und kann drei Tore erzielen, sowie weitere zwölf vorbereiten. Als größten Moment seiner Länderspiel-Karriere bezeichnet er selbst seinen entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen im Viertelfinale der Europameisterschaft 2016 gegen Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon. Dank Hectors Treffer zum 7:6 zieht Deutschland ins Halbfinale der Europameisterschaft ein.

Völlig überraschend verkündet Hector im Alter von 30 Jahren Ende 2020 seinen Rücktritt aus der Nationalelf. „Wir alle bei der Nationalmannschaft sind dankbar für die positive Energie, die er uns stets gegeben hat. Er ist eine große Persönlichkeit, ein Vorbild an Loyalität und Fairness, ein absoluter Teamplayer. Seine Einstellung und Demut haben mich immer sehr beeindruckt – auf und neben dem Platz. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen“, lobt der Bundestrainer Joachim Löw den FC-Profi.

Jonas Hector wird FC-Kapitän und Vereinsikone

In der Zwischenzeit bastelt Hector auf Vereinsebene weiter an seinem Legendenstatus. Doch auch seine konstant starken Leistungen im Geißbock-Trikot können im Jahr 2017/18 nicht verhindern, dass der FC seit seinem Profi-Debüt ein zweites Mal in die 2. Bundesliga absteigt. Und das, obwohl die Saison vielversprechend mit seinem Debüt in der UEFA Europa League begann. Aufgrund eines Syndesmosebandrisses absolviert Hector allerdings lediglich 35 Minuten auf europäischer Bühne. Die fünf Folgepartien muss der FC ohne ihn bestreiten und scheidet in der Gruppenphase bereits wieder aus.

Zum Anfang der Saison 2018/19 wird ihm eine ganz besondere Ehre zuteil, als er zum Kapitän der Mannschaft ernannt wird. Mit der Binde am Oberarm führt Hector den FC umgehend in die 1. Bundesliga zurück. Mit sechs Toren und drei Vorlagen in 29 Einsätzen stellt er zudem seine Offensivqualität eindrucksvoll unter Beweis.

Plötzlicher Tod von Bruder Lucas

Obwohl der Wiederaufstieg gelingt und der FC die anschließende Bundesliga-Spielzeit 2020/21 auf Rang 14 abschließt, bricht für Jonas Hector die schwierigste Zeit seiner Laufbahn, wenn nicht seines Lebens, an. Mitte des Jahres verstirbt völlig überraschend Jonas Hectors Bruder Lucas. Der zweite Schicksalsschlag binnen kürzester Zeit für den FC-Spielführer. Bereits im März war sein Berater Rainer Derber im Alter von 48 Jahren gestorben.

Vom dritten bis einschließlich elften Spieltag der Saison 2020/21 fehlt Hector aufgrund schlimmer Kopf-Nacken-Schmerzen. Danach sucht er monatelang Anschluss und seine Form. Erst im Abstiegs-Finale ist er wieder die gewohnte Stütze für sein Team und erkämpft sich mit seinen Mannschaftskollegen über die Relegation gegen Holstein Kiel den Klassenerhalt. Ende Februar schwelgt der 30-Jährige zudem im Familienglück, als Frau Anika seinen ersten Sohn auf die Welt bringt.

1. FC Köln: Steffen Baumgart baut auf Hector – „Wichtigster Spieler des Vereins“

Unter Steffen Baumgart, der zur Saison 2021/22 das Heft beim 1. FC Köln in die Hand nimmt, ist Hector – wie sollte es auch anders sein – weiterhin gesetzt und behält die Kapitänsbinde. Die erste Spielzeit des Duos Hector/Baumgart gestaltet sich als äußerst harmonisch und erfolgreich. Es hagelt Sonderlob für den Routinier: „Jonas ist der wichtigste Spieler in diesem Verein. Wir reden gerne über Tonys [Anthony Modeste; Anm. d. Red.] Tore, aber Jonas ist der Qualitätsspieler, der vorangeht“, stellt Baumgart inmitten der Spielzeit klar.

Steffen Baumgart und Jonas Hector umarmen sich nach Abpfiff.
Steffen Baumgart (links) und Jonas Hector (rechts) harmonieren prächtig miteinander. © Sven Simon/Imago

Auf der Linksverteidiger-Position sorgt Hector im Spielsystem von Baumgart für permanente Gefahr im gegnerischen Strafraum und feiert dadurch mit sechs Assists seine Vorlagen reichste Profi-Spielzeit. Im Sommer 2022 geht Jonas Hector womöglich in seine letzten Saison als Profi. Sein Vertrag läuft 2023 aus – eine Verlängerung steht noch aus.

Erst einmal wird Jonas Hector zum zweiten Mal für den 1. FC Köln auf europäischer Bühne angreifen. Man darf gespannt sein, wie weit der Leader sein Team in der UEFA Conference League führt. Und womöglich machen ihm die internationalen Auftritte gepaart mit einer hoffentlich erfolgreichen Saison 2022/23 und die Wertschätzung von Steffen Baumgart eine Vertragsverlängerung beim 1. FC Köln schmackhaft. Denn klar ist auch: Jonas Hector ist für den 1. FC Köln als Leistungsträger, Kapitän und Identifikationsfigur unersetzlich. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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