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Olympiasieger und FC-Fan Jonas Reckermann: „Riesengroße Sprünge kann man vom 1. FC Köln nicht erwarten“

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Von: Simon Ommer

Kopfmensch Jonas Reckermann ist Dauerkartenbesitzer und regelmäßiger Gast bei Heimspielen des 1. FC Köln (hier am 30.10.2016 gegen den Hamburger SV) im RheinEnergie Stadion.
Kopfmensch Jonas Reckermann ist Dauerkartenbesitzer und regelmäßiger Gast bei Heimspielen des 1. FC Köln (hier am 30.10.2016 gegen den Hamburger SV) im RheinEnergie Stadion. © Moritz Müller/IMAGO

2012 wurde Jonas Reckermann in London Olympiasieger im Beachvolleyball. Bei 24RHEIN spricht er über seine große Leidenschaft seit Kindertagen: den 1. FC Köln.

Köln – Es war aus deutscher Sicht eines der Highlights der Olympischen Spiele 2012: das Beachvolleyball-Finale der Herren. Jonas Reckermann und sein Partner Julius Brink duellierten sich mit den brasilianischen Top-Favoriten Alison Cerutti und Emanuel Rego – und bezwangen diese in drei Sätzen. Es war die erste deutsche Goldmedaille im Beachvolleyball überhaupt. Mittlerweile hat Reckermann seine Karriere beendet, doch dem Sport ist er immer noch verbunden – auch dem Fußball. Seine große Leidenschaft: der 1. FC Köln.

Jonas, du bist bekennender FC-Fan. Erzähl doch bitte einmal, wie diese Verbindung entstanden ist?

Jonas Reckermann: Ich erinnere mich noch ganz genau an meine ersten Berührungspunkte mit dem FC. Schon seit der Kindheit bin ich Fan des Vereins. Ich kann aber gar nicht genau sagen, warum. 1987 war ich dann zum ersten Mal mit meiner Mutter im Stadion, das habe ich mir vorher gewünscht. Im Anschluss bin ich immer mal wieder zu Spielen gefahren.

Der 1. FC Köln steht bekanntlich für Leidenschaft und Emotionen. Passen diese Begriffe auch zum FC-Fan Jonas Reckermann?

Ja, schon. Ich selbst bin eigentlich gar nicht so der emotionale Typ und würde mich eher als Kopfmensch und rational veranlagt bezeichnen. Aber beim Fußball werde ich auch mal emotionaler und fiebere richtig mit. Ich erinnere mich an das Relegationsspiel in jüngster Vergangenheit oder an die Spiele in der Europa League – das macht dann schon auch etwas mit mir.

Wie verfolgst du in der Regel die Spiele des Klubs?

Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins Stadion. Ich habe nach wie vor eine eigene Dauerkarte in der Südkurve im Block S6. Vom Verein habe ich 2012 nach meinem Olympiasieg zudem eine lebenslange Dauerkarte bekommen, die mir von Toni Schumacher überreicht wurde. Die kann ich auch nutzen, das ist dann aber ein Sitzplatz. Wenn ich nicht hingehen kann, verfolge ich die Spiele vor dem Fernseher oder über andere Geräte. Die Spiele des 1. FC Köln verfolge ich schon sehr intensiv, manchmal auch zum Leidwesen der Leute um mich herum (lacht).

Die Spiele des 1. FC Köln verfolge ich schon sehr intensiv, manchmal auch zum Leidwesen der Leute um mich herum.

Jonas Reckermann

Was sind deine schönsten Erlebnisse, die du mit dem FC verbindest?

Früher als Jugendlicher war es immer ein Erlebnis, mit Freunden loszufahren, mit der Bahn und ins Stadion zu gehen. Diese Fahrten sind in Erinnerung geblieben, da war der ganze Tag besonders. Was einzelne Spiele angeht, war für mich das Europa-League-Spiel in London das absolute Highlight. Ich war schon ein paar Stunden vorher vor Ort. Was da in der Stadt abging, war unglaublich. Und auch das Stadionerlebnis war ganz speziell und beeindruckend. Ich erinnere mich aber auch an einen 4:1-Derbysieg in Leverkusen, da war ich ebenfalls im Stadion. Auch der letzte Spieltag 2017, als der FC im Heimspiel gegen Mainz die Qualifikation zur Europa League geschafft hat, war sehr schön.

„Die Mannschaft hat immer geliefert, wenn es darauf ankam.“

Wie bewertest du die aktuelle Saison bisher? Und was ist in dieser Saison aus deiner Sicht möglich für den FC?

Ich bewerte die Saison bisher als sehr positiv. Der Verein hat im Sommer wichtige Leistungsträger verloren, die nicht gleichwertig ersetzt wurden. Da habe ich damals schon gehofft, dass die Aufsteiger, die auch nicht die ganz großen Namen in ihren Reihen haben, hinter dem FC bleiben. Zumindest bisher bewahrheitet sich das ja auch. Ich habe aber auch gehofft, dass der neue Trainer etwas bewirkt – und das hat er natürlich. Das ist ja ganz anderer Fußball, den die Mannschaft in dieser Saison spielt. Trotzdem muss man da meiner Meinung nach demütig bleiben. Man muss überlegen, wo man herkommt. Natürlich würde auch ich mich freuen, wenn die Mannschaft noch mehr Spiele gewinnt. Aber man muss das immer mit den vergangenen Jahren vergleichen. Und da bin ich momentan sehr happy.

Was zeichnet den 1. FC Köln in deinen Augen in dieser Saison besonders aus?

Einige Spieler blühen unter dem neuen Trainer richtig auf. Ein Benno Schmitz, von dem ich nicht immer der größte Fan war, hat beispielsweise eine tolle Entwicklung genommen. Und auch das kann man wohl dem Trainer zuschreiben. Als Steffen Baumgart zu Beginn der Saison sagte, alles ab Platz zwölf aufwärts sei sein Ziel, fand ich das schon vermessen. Aber mittlerweile ist das doch durchaus realistisch. Ich hoffe einfach, dass der Klub nicht in Abstiegssorgen gerät und immer ein Polster zu den unteren Plätzen hat. Dann wäre das schon eine gute Saison.

In den vergangenen Jahren ist im Verein viel passiert. Was ist aus deiner Sicht gut gelaufen, was schlecht?

Ich hatte in letzter Zeit immer das Gefühl, dass die Mannschaft geliefert hat, wenn es darauf ankam. Es waren einige Spiele dabei, bei denen beispielsweise Markus Gisdol auf der Kippe stand und die Mannschaft anschließend überraschende Siege eingefahren hat. Auch in der Relegation, wo der Druck natürlich enorm war, hat es die Mannschaft wieder geschafft. Aber die Konstanz hat gefehlt. Da wünsche ich mir schon, dass sich das jetzt mal in den kommenden Jahren entwickelt, auch unabhängig vom Trainer.

„Riesengroße Sprünge kann man nicht erwarten. Trotzdem ist beim FC Potenzial vorhanden.“

Gib doch mal eine kleine Prognose ab: Wohin führt der Weg des Vereins in den kommenden Jahren?

Man spricht ja immer von einem schlafenden Riesen. Aber ich denke, von diesem Gedanken muss man sich befreien. Es ist jetzt nicht so, dass der FC plötzlich auf einem Niveau mit Gladbach, Leverkusen oder Wolfsburg spielen wird. Dafür sind diese Mannschaften in ihrer Entwicklung noch einige Jahre voraus. Riesengroße Sprünge kann man somit nicht erwarten. Trotzdem ist beim FC Potenzial vorhanden. Ich glaube, dass auch der Ausbau des Geißbockheims – wenn er denn irgendwann passiert – nicht zu unterschätzen wäre. Da dies nicht nur für die Trainingsbedingungen, sondern auch für zukünftige Transfers eine wichtige Rolle spielt. Dass sich der FC aber in der oberen Tabellenhälfte etabliert, ist durchaus möglich – so, wie es Union Berlin oder Freiburg derzeit vormachen. Das ist die Kategorie, wo der FC mittelfristig hinkommen könnte.

Dein langjähriger Partner im Beachvolleyball, Julius Brink, ist bekanntlich Leverkusen-Fan. Warum wart ihr dennoch so ein gutes Team? Und gab es manchmal auch Sticheleien?

(lacht) Vielleicht waren wir gerade deshalb ein so gutes Team, eben weil wir so unterschiedlich waren. Natürlich gab es einige Sticheleien. Wir haben ja von 2009 bis 2012 zusammengespielt. In einer Zeit, in der Julius montags häufiger etwas zum Lachen hatte als ich. Insofern war das für mich nicht immer ganz einfach. Er ist ja im Münsterland geboren, aber in Leverkusen aufgewachsen, deshalb lasse ich es gelten, dass er für den Verein sympathisiert. Aber mal im Ernst: Ich finde, Bayer Leverkusen ist ein sehr gut geführter Verein. Das bekomme ich ja mit, weil ich am Landrat-Lucas-Gymnasium (Sportschule NRW) im Sportzweig tätig bin. Aber mein Herz hängt natürlich – und das auch völlig berechtigt – am emotionaleren 1. FC Köln.

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