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Als der FC das letzte Mal Meister wurde – Spieler sprach von „Skandal“

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Von: Martin Henning

Herbert Zimmermann jubelt mit einem Fan, links Roger van Gool, rechts ein Filmkameramann.
Herbert Zimmermann (v.l.) jubelt mit einem Fan, links Roger van Gool, rechts ein Filmkameramann. © Imago

Heute vor 43 Jahren gewann der 1. FC Köln das letzte Mal die deutsche Meisterschaft. Durch einen zweifelhaften Rekord wäre es aber fast nicht so weit gekommen.

Köln – 1978 weht beim 1. FC Köln noch ein ganz anderer Wind. Statt Abstiegs- heißt es Meisterkampf. Der FC gehört zu den besten Mannschaften Deutschlands und hat Stars wie Toni Schumacher, Heinz Flohe, Hannes Löhr und Dieter Müller in seinen Reihen. Durch einen 2:0-Sieg im Derby gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt der FC den DFB-Pokal.

Zwei Wochen nach dem Pokalsieg kann Köln das Double perfekt machen. Es ist Samstag, der 29. April 1978. Köln tritt am letzten Bundesliga-Spieltag beim bereits abgestiegenen FC St. Pauli an. Die Elf von Trainer Hennes Weisweiler fährt als Tabellenführer nach Hamburg. Erzrivale Borussia Mönchengladbach steht punktgleich auf Platz zwei, hat aber ein um zehn Treffer schlechteres Torverhältnis. Am letzten Spieltag geht es für die Gladbacher gegen den BVB. Ein Sieg, egal wie hoch, würde den Kölnern reichen. Da waren sich die Experten einig. Doch sie hatten vergessen, dass der Fußball immer wieder verrückte Geschichten schreibt...

1. FC Köln vor 43 Jahren: Kampf gegen Borussia Mönchengladbach um die Meisterschaft

Dass besagter Samstag ein besonderer werden würde, ist schon vorher klar. Denn weder St. Pauli, noch Gladbach tragen ihr Spiel im eigenen Stadion aus. Gladbach lässt gerade seinen Bökelberg umbauen, weicht für das Entscheidungsspiel ins Düsseldorfer Rheinstadion aus – und kann vor deutlich mehr Zuschauern spielen.

St. Pauli wechselt vom Hexenkessel Millerntor ins größere Volksparkstadion. Der Grund: FC-Manager Karl-Heinz Thielen hatte die Paulianer am Telefon weichkochen können. Von 25.000 Zuschauern kommen 15.000 aus Köln angereist. So machen die FC-Fans das Auswärts- zum Heimspiel.

1. FC Köln bekommt sogar Unterstützung von St.-Pauli-Fans

Trotz des vermeintlich komfortablen Vorsprungs nimmt der FC die Aufgabe beim Absteiger ernst. Auch, weil St. Pauli sich nichts vorwerfen lassen möchte und dagegen hält. Zur Pause heißt es nach einem Treffer von Kapitän Heinz Flohe 1:0 für die Kölner. Gladbach scheint dagegen überhaupt keine Gegenwehr vom BVB zu bekommen, schon zur Halbzeit führen die Fohlen mit 6:0. Fünf der zehn Tore sind also schon aufgeholt. Über ein Radio bekommt die FC-Bank das Schlachtfest der Gladbacher mit und ist fassungslos. Gerät der Meistertitel doch noch in Gefahr?

Das Unbehagen in Köln wird immer größer. Nach 60 Minuten führt Gladbach 9:0. Da beruhigt es auch wenig, dass Yasuhiko Okudera für den FC auf 2:0 erhöht. Nur noch drei Tore Vorsprung!

FC-Trainer Weisweiler treibt seine Elf von außen an, sie soll alles nach vorne werfen. Unglaublich, aber wahr: Mittlerweile bekommt die Mannschaft sogar Unterstützung von den gegnerischen Pauli-Fans. Denn auch die haben mitbekommen, dass der BVB gegen Gladbach mehr oder weniger Wettbewerbsverzerrung betreibt.

1. FC Köln gewinnt die Meisterschaft 1978 – Herbert Neumann flippt aus

Kapitän Flohe leitet mit seinem Treffer zum 3:0 die Schlussphase ein. Doch erst, als Bernd Cullmann in der 83. und erneut Okudera in der 86. Minute auf 5:0 erhöhen, steht fest: Dem FC ist die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Bei Spielern, Verantwortlichen und Fans entlädt sich der Druck.

Aus Düsseldorf kommt die Meldung: Borussia Mönchengladbach hat mit einem 12:0 gegen Borussia Dortmund den höchsten Sieg der Bundesligageschichte errungen – ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Bei einem TV-Interview noch auf dem Rasen ist Kölns Spieler Herbert Neumann deshalb auf 180:

Eine Unverschämtheit, was da passiert ist! Da kämpfen die Pauli-Spieler bis zum Umfallen, und die Dortmunder lassen sich ohne Gegenwehr überfahren. Das ist ein Skandal!

Herbert Neumann

FC St. Pauli - 1. FC Köln 0:5 (0:1)

1977/78 bis heute die erfolgreichste Saison des 1. FC Köln

Die Double-Feierlichkeiten ließen sich die Kölner natürlich trotzdem nicht nehmen. Am nächsten Tag ging es bei einer großen Parade durch die Domstadt. Wegen der Unterstützung pflegen Köln- und Pauli-Anhänger seit besagtem 29. April eine Fanfreundschaft. Und auch zu den Dortmundern, die sich damals so abschlachten ließen, haben die FC-Fans heute wieder ein gutes Verhältnis.

Die Saison 1977/78 ist bis heute die erfolgreichste der FC-Geschichte geblieben. Nur, um zu verdeutlichen, wie lange das her ist: Damals war Friedhelm Funkel noch keine 24 Jahre alt. In wenigen Wochen geht der aktuelle FC-Trainer in Rente... (mah)

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