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1. FC Köln: Kingsley Schindler – vom Abschusskandidaten zum Derby-Helden

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Von: Max Dworak

Kingsley Schindler schaut mit erhobenen Fäusten in die Kamera.
Kingsley Schindler posiert nach dem Derby-Tor gegen Leverkusen in Boxer-Manier für die Kamera. © Beautiful Sports/Imago

Kingsley Schindler ist nach dem Derby-Sieg des 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen in aller Munde. Dabei wissen wohl die Wenigsten etwas über ihn. So verlief seine Karriere.

Köln – Für Kingsley Schindler war der 13. März 2022 vielleicht der schönste Tag seiner bisherigen Karriere. Mit 28 Jahren befindet sich der Rechtsaußen des 1. FC Köln im besten Fußballalter. Dennoch flog der Offensivspieler bislang weitestgehend unter dem Radar. Spätestens seit seinem Derby-Treffer gegen Bayer Leverkusen taucht sein Name überall auf deutschen Sportportalen auf. Dabei sah es in der Vergangenheit eher danach aus, als würde das Spotlight nicht mehr auf ihn scheinen.

Kingsley Schindler
Geboren12. Juli 1993 (Alter 28 Jahre), Hamburg
PositionRechtsaußen
Aktuelles Team1. FC Köln (#17 / Mittelfeld)
Vorherige StationenHannover 96, Holstein Kiel, TSG 1899 Hoffenheim II, TSG Neustrelitz und SC Concordia Hamburg
beim 1. FC Köln unter Vertrag seit1. Juli 2019
Vertrag bis30. Juni 2023

Kingsley Schindler Karriere: Über Holstein Kiel zum 1. FC Köln – Herkunft aus Hamburg

„Es freut mich sehr, dass Kingsley sich frühzeitig für den 1. FC Köln entschieden hat – das ist eine Verstärkung für die Zukunft“, sagte Kölns ehemaliger Sportchef Armin Veh im Januar 2019, als die Geißböcke den Transfer von Schindler zum Sommer des gleichen Jahres bekannt gaben. Der damalige Trainer der Domstädter, Markus Anfang, hatte bereits von 2016 bis 2018 mit dem Kölner Neuzugang bei Holstein Kiel zusammengearbeitet. Unter dem heute 47-Jährigen stand Schindler in 71 Pflichtspielen auf dem Feld. In diesem Intervall erzielte er – in der dritten und zweiten Bundesliga – 26 Tore und bereitete 15 Treffer vor.

Im Mai 2018 – kurz bevor sich Anfang Richtung Köln verabschiedete – kämpfte Schindler mit Holstein Kiel um den Aufstieg in die Erstklassigkeit. Sein Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 im Hinspiel gegen VfL Wolfsburg reichte aber letztlich nicht aus, um den Sprung ins deutsche Oberhaus perfekt zu machen. So spielte der gebürtige Hamburger – der in seiner Heimat bei Vereinen wie Hummelsbütteler SV, SC Alstertal Langenhorn, SC Concordia Hamburg ausgebildet wurde – eine weitere Saison in Liga Zwei.

Kingsley Schindler: Debüt beim 1. FC Köln großer Erfolg

Am 11. August 2019 gab Schindler schließlich sein Debüt für den 1. FC Köln. Beim 5:6-Erfolg (nach Elfmeterschießen) in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Wehen Wiesbaden hätte es für den Neuling kaum besser laufen können: Schon nach 42 Minuten bereitete Schindler das zwischenzeitliche 2:0 vor – erstes Pflichtspiel, erster Sieg. Es erweckte den Anschein, als würde auch Neu-Trainer Achim Beierlorzer auf Schindler bauen. Markus Anfang, der jedoch im April 2019 der vorherigen Saison bereits wieder aus Köln verschwand, war schließlich der Initiator hinter diesem Einkauf gewesen – und nicht Nachfolger Beierlorzer.

1. FC Köln: Kingsley Schindler mit Absturz unter Gisdol – Leihe zu Hannover 96

Auch in der 1. Bundesliga lief zunächst alles wie geplant: In den ersten zwölf Spieltagen absolvierte Schindler elf Partien und stand davon neunmal in der Startelf. Als dann Markus Gisdol das Ruder übernahm, verringerten sich die Einsatzzeiten des Ex-Kielers schlagartig: Nur noch dreimal lief Schindler in der Spielzeit 2019/20 unter dem neuen Chef-Trainer auf, ehe er für ein Jahr an den Zweitligisten Hannover 96 ausgeliehen wurde.

Kingsley Schindler: Neue Chance beim 1. FC Köln unter Steffen Baumgart

Obwohl Schindler in 26 Spielen lediglich eine Vorlage für die 96er gelang, nahm der FC den Gisdol-Verlierer zum Start der Saison-Vorbereitung der Spielzeit 2021/22 wieder auf. Der Spieler selbst merkte schnell, dass es in Köln noch eine letzte Möglichkeit gab, sich zu beweisen: „Ich weiß, was ich kann, und freue mich über das positive Feedback des Trainers“, sagte der Spieler zu Beginn der Baumgart-Ära selbstbewusst.

Er sollte Recht behalten: Auch wenn der unvoreingenommene Steffen Baumgart erst ab dem 5. Spieltag auf seinen Schützling zurückgriff, so vermittelte er dem Flügelstürmer doch durchweg ein gutes Gefühl: „King hat es am Anfang nicht einfach gehabt. Er wurde ausgeliehen und kam im Sommer wieder. Er hat sich in das Team reingearbeitet. Für mich ist das Entscheidende, dass er jeden Tag mit Freude hier ist und weiter Gas gibt. Er setzt alles daran, mehr Einsätze in der Startelf zu bekommen, ohne, dass er sauer ist, wenn dies nicht der Fall ist. King ist ein Spieler, den du dir als Trainer wünschst.“

King ist ein Spieler, den du dir als Trainer wünschst.

Steffen Baumgart über Kingsley Schindler

1. FC Köln: Kingsley Schindler mit entscheidenden Vorlagen in Bundesliga-Spielen

Kaum verwunderlich also, dass Schindler den von Baumgart entgegengebrachten Respekt früher oder später auch auf dem Rasen zurückzahlen sollte. Gegen den VfL Wolfsburg war es dann endlich so weit. In nur 18 Minuten gelangen dem Reservisten die beiden spielentscheidenden Torvorlagen zum 2:3-Auswärtssieg der Kölner. Auf Instagram kannte Schindlers Freude keine Grenzen mehr: „Was ein Spiel“, schrieb der 28-Jährige auf seinem Profil. Nur eine Woche darauf – im Duell gegen den VfB Stuttgart – war es erneut sein feiner rechter Fuß, der wenige Minuten vor Ende den Kopf von Mitspieler Anthony Modeste fand.

Langsam aber sicher machte der Name Schindler auch in der Bundesliga vermehrt die Runde, auf Social Media feierten die Fans ihren „King“ als Punktegarant in Wolfsburg und Stuttgart. Das, was dann in der Leverkusener BayArena folgen sollte, setzte dem Ganzen wohl die Krone auf.

Kingsley Schindler: Derby-Held vom 1. FC Köln plötzlich in aller Munde

Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung – es lief die 67. Spielminute – schoss sich der Rechtsaußen endgültig in die Herzen der FC-Fans, als seine technisch anspruchsvolle Direktabnahme aus etwa elf Metern hinter der Linie im Werkself-Kasten landete. Dass Schindler den Ball bei genauem Hinsehen mit dem Schienbein und nicht dem Fuß entscheidend berühren konnte ist hierbei zwar irrelevant, aber dennoch witzig zu erwähnen. Im Stile von Superstar Cristiano Ronaldo – die Finger Richtung Rasen zeigend – lief der Torschütze wenige Augenblicke später zum Kölner Fan-Block und ließ sich feiern. Das erste Pflichtspiel-Tor für den 1. FC Köln war geglückt – und das ausgerechnet im Derby.

Nach dem Schlusspfiff grinste Schindler über beide Backen und genoss die Atmosphäre im Stadion noch für einige Minuten, ehe es zum Interview ging: „Es fühlt sich einfach geil, bei so einem hitzigen Spiel reinzukommen, die Chance zu bekommen, der Mannschaft zu helfen – und dann das Siegtor zu machen“, meinte der Held des Spiels eine gute halbe Stunde nach seinem Treffer. Steffen Baumgart hob die Bude höchstpersönlich nochmals hervor: „Das Tor von King muss man so auch erstmal machen.“

Auch das Telefon des Derby-Helden dürfte nach dem Spiel auf Hochtouren gelaufen sein. Auf Instagram bedankten sich nicht nur Fans, sondern auch die Teamkollegen bei Schindler: „Danke!“, schrieb beispielsweise Anthony Modeste, Kingsley Ehizibue postete ein Foto seines Teamkollegen und verzierte es mit einer Krone. Neuzugang Bright Arrey-Mbi, Tim Lemperle sowie Jannes Horn taten es ihren Mannschaftskameraden gleich und applaudierten ebenfalls virtuell.

1. FC Köln: Wie geht es weiter mit Kingsley Schindler? Instagram-Video mit Freundin und Kind

Beim 1. FC Köln hat Schindler noch bis Sommer 2023 einen Vertrag. An einen vorzeitigen Verkauf wird bei den Rheinländern wohl in diesen Stunden niemand denken – sofern dies unter Steffen Baumgart überhaupt jemals zur Debatte stand. Darüber hinaus scheint sich der Deutsch-Ghanaer in seiner Wahlheimat pudelwohl zu fühlen. Mit seiner Community teilt der Fußballer regelmäßig stylische Bilder, die ihn unter anderem bei Shootings in der Stadt zeigen. Mit seiner Partnerin Ashlee hat Schindler zudem seit Februar 2021 einen Sohn. Erst kürzlich tauchte ein Video des stolzen Papas auf, das ihn mit Kind und Freundin während des Geburtstages seines Sprösslings zeigt.

Momentan läuft bei „King“ alles nach Plan. In 15 Bundesliga-Einsätzen (insgesamt 298 Minuten Spielzeit) kommt er auf eine überragende Quote von 74 Minuten pro Torbeteiligung. Man darf gespannt sein, ob die letzten Monate der Startschuss für eine lang anhaltende und erfolgreiche Zeit in Köln waren. Der sympathische Kingsley Schindler hätte es zweifelsohne verdient. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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