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Kommentar zum 1. FC Köln: Alter Schwede, neuer Realismus

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Von: Andreas Ohlberger

Sebastian Andersson bleibt Spieler des 1. FC Köln
Sebastian Andersson bleibt Spieler des 1. FC Köln © Herbert Bucco/Imago

Im Hin und Her um den möglichen Leihtransfer von FC-Stürmer Sebastian Andersson zu Antalyaspor entwickelt der 1. FC Köln ein Verhaltensmuster, das ihm viele nicht zugetraut hätten: professionelle Gelassenheit.

Köln – Deadline-Day, der letzte Tag der Transferperiode. Fast hätte der 1. FC Köln auf den letzten Metern noch einen Abgang zu vermelden gehabt, mit dem niemand gerechnet hatte. Sebastian Andersson erhielt kurzfristig ein Angebot von Antalyaspor aus der Türkei. Der Schwede ist zur Zeit beim FC etwas hinten dran, erhoffte sich von einem Wechsel vielleicht mehr Spielpraxis. So weit, so normal.

Der Boulevard ist „on fire“ – Baumgart kontert kühl

Die BILD berichtet in gewohnter Manier. Von „Flucht-Versuch“ ist die Rede und „Andersson pokert sich ins FC-Aus!“ Allein der Widerhall ist eher verhalten. Bei Facebook etwa schreibt ein User: „Jetzt kann ich den Andersson gar nicht mehr leiden, kurz vorher abhauen wollen, ohne das man Ersatz besorgen kann… Ab auf die Tribüne.“ Ein anderer kritisiert: „Dankbarkeit und sportlicher Ehrgeiz werden bei Andersson anscheinend nicht groß geschrieben! Sein Verhalten ist erbärmlich...“ Das Mi-mi-mi Einzelner verhallt ungehört in den Weiten des Internets.

Panische Reaktionen aus dem FC-Umfeld? Fehlanzeige. Keiner drängt sich ins Rampenlicht, der dort nicht hingehört. Niemand fragt die Alt-Internationalen, ob Andersson jetzt noch mit „Hätz und Siel“ bei der Sache ist. Was ist denn aus dem FC geworden? Könnte sich nicht bitte mal jemand aufregen? Nö. FC-Trainer Steffen Baumgart bleibt zu jeder Zeit gelassen und ordnet die Dinge völlig unaufgeregt ein. Seit er das Zepter schwingt, weht beim FC ein anderer Wind – auf dem Platz und daneben. „Im Fußball geht es oft sehr schnell“, sagt er. „Da sind Gespräche geführt worden, aber ich gehe davon aus, dass er bleibt.“ Punkt.

Emotional am Spielfeldrand – souverän und gelassen im Alltag

Nun kam der Wechsel nicht zustande und Andersson zurück nach Köln. Dass dies für Unruhe im Kader sorgt, wird Steffen Baumgart nicht zulassen. Der FC-Coach gibt sich in dieser Frage – anders als an der Seitenlinie – geradezu tiefenentspannt. Mit norddeutscher Gelassenheit tritt er jede noch so kleine Zündelei aus, bevor ein Flächenbrand entsteht. „Wir sind im Profigeschäft, Seb ist mit seiner Situation nicht zu hundert Prozent zufrieden, weil er nicht immer spielt. Wenn sich ein Spieler mit anderen Dingen beschäftigt, ist das normal und wir gehen damit vernünftig um.“

Sebastian Andersson hat im für Profi-Fußballer fortgeschrittenen Alter von 30 Jahren und angesichts seiner Krankengeschichte den Ehrgeiz, wenn sein Körper es zulässt, so oft wie möglich auf dem Feld zu stehen. Das kann ihm niemand verdenken. Schließlich kann kein Profi mit Bestimmtheit vorhersagen, wie lange seine aktive Laufbahn andauert. Und wenn das beim FC nicht möglich ist, muss er eben Alternativen ausloten. Das passiert in jedem anderen Bundesliga-Club in jeder Transferperiode auch. Und klar ist doch ohnehin: Erzielt Sebastian Andersson – wie zuletzt in der Relegation in Kiel – entscheidende Tore für den 1. FC Köln, interessiert sich keiner mehr dafür, dass er mal mit einen Wechsel geliebäugelt hat. Dann bleibt der Flirt mit Antalyaspor das, was er tatsächlich ist. Eine unbedeutende Randnotiz. (ao) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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