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Kaffee-Jubel von Modeste: Mehr als einen Rüffel darf es vom DFB nicht geben

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Von: Andreas Ohlberger

Anthony Modeste hält beim Torjubel eine Packung Kaffee in die Kamera
Kuriose Szene: Anthony Modeste bejubelte seinen 2:1-Treffer gegen Bielefeld mit einer Packung seines eigenen Kaffees. © Gladys Chai von der Laage/Imago

Der Kaffeetüten-Jubel von Anthony Modeste im Bundesligaspiel des 1. FC Köln gegen Arminia Bielefeld sorgt inzwischen bundesweit für Aufruhr. Ein Kommentar.

Anthony Modeste, Torjäger in Diensten des 1. FC Köln – ist mittlerweile nicht mehr nur im Toreschießen-Geschäft erfolgreich, sondern baut sich ein zweites Standbein im Kaffee-Business auf. Das hat inzwischen auch der Letzte gemerkt, nachdem Modeste am 31. Bundesligaspieltag sein Tor zum 2:1 (43.) gegen Arminia Bielefeld mit einer Packung seiner eigenen Kaffeemarke vor den Fans bejubelt und die Tüte anschließend verschenkt hat.

Anthony Modeste: Erfolg im Fußball- und Kaffee-Business sei ihm gegönnt

Der Erfolg in beiden Geschäftsfeldern sei dem Publikumsliebling gegönnt. Das Vorhaben, sich für die Zeit nach der Profi-Karriere – die mit 34 Jahren nicht mehr allzu fern ist – abzusichern, ist vorausschauend und löblich. Dass er dabei auch noch in die Fußstapfen eines anderen prominenten Ex-Stürmers des 1. FC Köln tritt und die gastronomische/kulinarische Richtung einschlägt, passt dann auch. Was dem Poldi Eis und Döner, ist dem Tony sein Kaffee.

Anthony Modeste: Kaffee-Jubel könnte sich als Störfaktor für den 1. FC Köln erweisen

ABER! Dass er seine Produkte nun schon zum Torjubel benutzt und sie werbewirksam in die Kamera hält, ist dann schon des Guten etwas zu viel. Auch wenn ich Tony Modeste keinesfalls unterstelle, hier bewusst seine persönlichen Interessen über die der Mannschaft gestellt zu haben – ich kann jeden verstehen, der an dieser Aktion Anstoß nimmt. Unpassend. Überflüssige Inszenierung. Und vor allem wird dadurch eine unnötige Diskussion angestoßen, die sich auf der Zielgeraden der erfolgreichsten FC-Saison seit langem noch als Störfaktor entpuppen könnte.

Denn jetzt will sich sogar der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem „Kaffee-Jubel“ beschäftigten. „Wir werden den Vorgang untersuchen“, so der Ausschussvorsitzende Dr. Anton Nachreiner. Angeblich soll es, so heißt es beim Express, um den Tatbestand der unerlaubten Werbung gehen.

Nur, mit Verlaub, auf welcher Grundlage? In den „Durchführungsbestimmungen zur Spielordnung“ des DFB ist über unzulässige „Jubel-Accessoires“ nichts zu finden. Lediglich Werbung und Werbebeschränkungen auf der Spielkleidung und Bandenwerbung sind geregelt. Da heißt es unter anderem, die Werbung dürfe nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral, die gesetzlichen Bestimmungen oder die guten Sitten verstoßen.

Anthony Modeste: Verstoßes gegen „allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral“?

Steffen Baumgart hat es nach dem Bielefeld-Spiel genau richtig eingeordnet, als er sagte: „Das ist immer dünnes Eis. Du darfst nicht überdrehen, sonst kriegst du meistens – etwas hart ausgedrückt – vor die Fresse.“ Und damit sollte das Thema abgehakt sein. Dann gab‘s für Modeste einen Rüffel – vielleicht zahlt der auch einen Beitrag in die Kaffeekasse Mannschaftskasse. Und das Thema ist erledigt.

Ich lache mich jedenfalls tot, wenn ausgerechnet der Verband, bei dem Razzien der Polizei in der jüngeren Vergangenheit zum Alltag gehörten, Anthony Modeste wegen Verstoßes gegen die „allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral“ zu einer Strafe verurteilen würde. Denn wie es um die bestellt ist, steht – Stichwort: Winter-WM in Qatar oder Kunstschnee-Winterspiele in Peking – auf einem ganz anderen Blatt. (ao)

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