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Keine Tore, keine Spielidee – warum der 1. FC Köln im Abstiegskampf planlos agiert

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Horst Heldt (l.) und Markus Gisdol hoffen gegen Schalke endlich wieder auf FC-Tore.
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Null Tore, zwei Punkte: Nach fünf sieglosen Spielen steckt der 1. FC Köln in einer handfesten Krise. Hoffnung auf Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

  • Der 1. FC Köln stellt mit 13 Toren die zweitschlechteste Offensive der Bundesliga
  • Seit 484 Minuten erzielten die Geißböcke kein Tor mehr
  • Markus Gisdol findet trotz vieler Versuche keine spielerischen Lösungen, Horst Heldt sind die Hände gebunden

13 Tore in 16 Spielen, das ist die traurige Bilanz des FC in dieser Bundesligasaison. Die Geißböcke strotzen vor Harmlosigkeit, bieten spielerische Magerkost. Markus Gisdols taktische und personelle Experimente sind vorerst gescheitert, Neuzugänge nicht in Sicht. Ein Kommentar

Köln – „Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat, un mer trecke durch die Stadt, un jeder hätt jesaat, Kölle Alaaf, Alaaf, Kölle Alaaf“ – den Text dieses Karnevalsklassikers von „De Räuber“ kennt wohl jeder FC-Fan in- und auswendig, schließlich ertönt das Lied seit Jahren bei Torerfolgen der Geißböcke im heimischen RheinEnergie-Stadion.

In dieser Spielzeit aber könnte so mancher FC-Fan textunsicher werden, was nicht allein am Zuschauerverbot in der Bundesliga liegt. Der 1. FC Köln schießt schlicht und einfach keine Tore mehr. Fünfmal in Folge stand zuletzt die Null – nur leider auf der falschen Seite.

Der 1. FC Köln findet unter Markus Gisdol in der Bundesliga spielerisch keine Lösungen

Seit 484 Minuten wartet die Gisdol-Elf aktuell auf einen eigenen Treffer. Zieht man die sechs Tore nach Standardsituationen ab, stehen magere sieben Treffer aus dem Spiel heraus zu Buche. Noch erschreckender: Mit 165 herausgespielten Torchancen weist der Effzeh in einer weiteren wichtigen Statistik ligaweit mit Abstand die schlechteste Bilanz auf.

Zahlen, die alarmieren! Und eines ganz deutlich machen: Der 1. FC Köln muss sich offensiv neu erfinden. Das aber ist leichter gesagt, als getan. An Versuchen hat es unter Trainer Markus Gisdol nicht gemangelt. Nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ änderte er mehrfach Taktik sowie Personal – statt genialen Ideen entpuppten sich seine Planspiele aber meist als gescheiterte Experimente. Die Offensivprobleme sind tiefgründig, es fehlt eine Spielphilosophie und die fußballerische Identität.

Horst Heldt unter Zugzwang: Alternativen im Offensivbereich werden dringend benötigt

Auf Hilfe von Horst Heldt kann Gisdol im Gegensatz zur letzten Saison nur bedingt hoffen. Damals sorgte der Sportchef mit Mark Uth, Toni Leistner sowie Elvis Rexhbecaj für neue spielerische Reize, die sich positiv auswirkten. In dieser Transferperiode hielt er bislang (aus nachvollziehbaren Gründen) die Füße still. Für den FC, der dringend einen Stürmer braucht, ist das ein Dillemma.

Denn: Es mangelt schlicht und einfach an potenten Offensivspielern. Wer wirklich glaubt, Anthony Modeste finde in naher Zukunft noch einmal zur alten Stärke zurück, hat wohl lange kein Bundesligaspiel geschaut. Jan Thielmann, Marius Wolf und Ondrej Duda sorgen auf Dauer nicht für genug Gefahr.

Bis zur Rückkehr von Sebastian Andersson, der trotz magerer zwei Saisontore als Heilsbringer herbeigesehnt wird, vergehen noch Wochen. Der 1. FC Köln braucht aber jetzt Tore und Punkte. Allein, es fehlt der Glaube dieser eklatanten Offensivschwäche endlich beizukommen. Erfinden Heldt und Gisdol das Offensivspiel des FC in den kommenden Wochen nicht neu, droht nicht nur eine sehr frustrierende Rückrunde, sondern auch der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. (ps)

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