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1. FC Köln: Marvin Schwäbe und Timo Horn – das Saison-Fazit

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Von: Max Dworak

Timo Horn und Marvin Schwäbe stehen sich gegenüber, im Vordergrund prangt der Banner „Abschlusszeugnisse“.
Timo Horn (links) verlor seinen Stammplatz inmitten der Saison an Marvin Schwäbe (rechts). (Symbolbild) © RHR-Foto/Imago & Revierfoto/Imago & Herbert Bucco/Imago

1. FC Köln: Wie lief die Saison der Torhüter Timo Horn und Marvin Schwäbe? Leistung, Gegentore und Einsatze – das Saison-Fazit.

Köln – Kurz vor dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena (1. Runde) ahnte noch niemand, dass die Tage von Timo Horn als Nummer Eins im Tor des 1. FC Köln gezählt waren: „Es gibt eine klare Nummer 1, das ist Timo. Und es gibt eine klare Nummer zwei, das ist Marvin“, so der Wortlaut von Trainer Steffen Baumgart kurz vor seinem ersten Pflichtspiel an der Seitenlinie. Ein gutes halbes Jahr später sollte dann die Überraschung folgen. Wie sich nach 34 Spieltagen herausstellte: Eine mutige, aber richtige Entscheidung.

1. FC Köln: Timo Horn gegen Marvin Schwäbe – die Vorgeschichte

Im Sommer 2021 verkündet der 1. FC Köln die Verpflichtung von Marvin Schwäbe vom frischgebackenen dänischen Meister Bröndby IF. Zunächst ist der ablösefreie Neuzugang als Backup für Timo Horn eingeplant, der in seine zehnte Profi-Saison als Stammtorhüter geht. Allerdings gibt es eine kleine, feine Neuerung unter Baumgart: „Im Pokal habe ich mich aber für Marvin entschieden. In einer Gruppe sollte aber jedes das Gefühl haben, dazuzugehören. Wenn man zwei Wettbewerbe hat, kann man das so machen – wenn die Leistung stimmt. Und die hat bei Marvin gestimmt.“

Vor der ersten Runde des DFB-Pokals ist demnach klar, dass Schwäbe den Vorzug erhalten wird. In den vergangenen neun Spielzeiten spielte Horn stets in beiden Wettbewerben die erste Geige – ein Ersatzmann kam nur zu Spielpraxis, wenn die Nummer Eins nicht selbst einsatzfähig war. Als Schwäbe in Jena schließlich debütiert und es nach 120 Minuten aufgrund eines 1:1-Remis ins Elfmeterschießen geht, lässt er erstmals seine Qualitäten auf der Linie aufblitzen. Zwei gehaltene Bälle später feiert das Netz Schwäbe als „Elfer-Killer“ und der FC zieht in Runde zwei ein.

1. FC Köln: Timo Horn – eine komplizierte Saison mit Verletzungspech

Für Timo Horn beginnt die neue Spielzeit mit dem ersten Spieltag in der Bundesliga gegen Hertha BSC Berlin. Nach 90 Minuten steht ein 3:1-Sieg für den 1. FC Köln auf der Anzeigetafel – so weit, so gut. Im zweiten Pflichtspiel gegen den FC Bayern fängt sich Horn drei Treffer, bis zum 13. Spieltag kann er in keiner Partie die Null halten. In der Summe stehen so 21 Gegentore in den individuellen Leistungsdaten des Keepers zu Buche. Mit 15 Punkten aus zwölf Spielen befindet sich der FC zu diesem Zeitpunkt auf Rang zwölf in der Tabelle – eine noch ausbaufähige Bilanz.

Vor der Partie gegen Erzrivale Borussia Mönchengladbach dann der Rückschlag: Horn muss aufgrund einer Knie-Verletzung, die er sich am 12. Spieltag gegen den FSV Mainz 05 zugezogen hatte, auf unbestimmte Zeit aussetzen. Wie sich später herausstellt, wird ihn diese Zwangspause seinen Stammplatz kosten.

Timo Horn – Leistungsdaten der Bundesliga-Saison 2021/22

► 13 Spiele

► 21 Gegentore

► 1 Mal zu Null

► Paradenquote: 63,2 Prozent (Platz 25 von 39 in der Bundesliga)

Quelle: kicker.de; Stand: 17.5.22

Auch wenn Horn am 23. Spieltag noch ein letztes Mal von Beginn an zwischen den Pfosten steht (Marvin Schwäbe hatte sich mit Corona infiziert und war somit in häuslicher Quarantäne), nimmt die Ära Horn nach fast zehn Jahren Dominanz ein jähes Ende. Bereits früh in der Spielzeit, als Schwäbe noch von der Ersatzbank zuschaut, wird die Kritik am deutschen Olympiatorwart von 2016 lauter. Zu oft wirkt Horn unsicher, lässt Torschüsse unglücklich abklatschen oder versucht sich auf halsbrecherische Art und Weise im Aufbauspiel. Wenige Spieltage vor seiner Verletzung, beim katastrophalen 0:5 in Hoffenheim, ist er jedoch weitestgehend machtlos. So lässt sich die abgelaufene Spielzeit des 29-Jährigen wie folgt zusammenfassen: Unentschlossenes Auftreten und Glanzmomente wechseln sich innerhalb einer Partie in Regelmäßigkeit ab. Dennoch sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Horn bei vielen Gegentoren – wie eben in Sinsheim – keine Schuld trifft.

24RHEIN-Note: 4

1. FC Köln: Derby-Held Marvin Schwäbe stößt Timo Horn vom Thron

Vor der Pressekonferenz im Bundesliga-Hinspiel gegen Borussia Mönchengladbach, datiert vom 27. November 2021, verhilft Baumgart seinem Ersatz-Keeper Schwäbe zur Bundesliga-Premiere: „Marvin wird ins Tor rücken und sein erstes Bundesligaspiel machen. Ich freue mich auf sein Debüt.“ Im Grunde hat er auch keine andere Wahl, ist seine eigentliche Nummer Eins doch mit Knieproblemen verhindert. An jenem 13. Spieltag, etwa gegen 17:15 Uhr, tobt das RheinEnergie-Stadion: Nach 90 bärenstarken Minuten der Baumgart-Elf darf sich auch Schwäbe kräftig auf die Schulter klopfen und ein 4:1 bejubeln. Von Baumgart gibt es ein Extra-Lob: „Heute hat er bestätigt, dass wir ihn nicht umsonst geholt haben. Er hat in den entscheidenden Phasen, in denen das Spiel hätte kippen können, gut gehalten. Er kann mehr als zufrieden sein.“

Marvin Schwäbe – Leistungsdaten der Bundesliga-Saison 2021/22

► 30 Spiele

► 1 Tor

► Paradenquote: 72 Prozent (Platz 19 von 39 in der Bundesliga)

Quelle: kicker.de; Stand: 18.5.22

Im weiteren Saisonverlauf soll sich dieser erste, positive Eindruck weiter verfestigen. In Horns Abwesenheit liefert der 27-Jährige Woche für Woche ab und sichert dem FC bis zur Winterpause zehn von 15 möglichen Zählern. Am 17. Spieltag, als die Kölner 1:0 gegen den VfB Stuttgart gewinnen, hält er den Kasten der Geißböcke zudem erstmals in der Spielzeit sauber. Als Baumgart Schwäbe dann im Januar zur neuen Nummer Eins ernennt, kann von Überraschung längst nicht mehr die Rede sein: „Ich habe mit Timo schon gesprochen. Er nimmt die Situation voll an, weil er ein guter Sportsmann ist“, lauten Baumgarts Worte zu seiner endgültigen Entscheidung.

Trotz 0:4-Heimpleite gegen Bayern München am 19. Spieltag – wo der neue Stamm-Schlussmann bei den Gegentreffern chancenlos ist –, lässt sich Schwäbe nicht verunsichern und ist den Kölnern bis zum 34. Spieltag ein sicherer Rückhalt. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang wohl seine Qualitäten am Ball, die er seinem Konkurrenten Horn definitiv voraus hat. Beim Saisonfinale in Stuttgart kann Schwäbe zudem erneut seine Stärke auf der Linie unter Beweis stellen, als er einen Strafstoß in der 12. Minute pariert. Unter dem Strich beendet der einstige Backup von Horn die Bundesliga-Spielzeit 2021/22 mit 21 Einsätzen, 28 Gegentoren und drei Spielen zu Null.

24RHEIN-Note: 2

Marvin Schwäbe bleibt Nummer Eins – Timo Horn vor Abschied?

Nach einer überzeugenden ersten FC-Saison kann sich Schwäbe freuen, dass ihm der Platz in Baumgarts erster Elf auch im nächsten Jahr sicher ist. Dies bestätigte der Trainer höchstpersönlich in der Talkrunde „Loss mer schwade“: „Marvin fängt in der Vorbereitung als Nummer eins an und Timo wird der Herausforderer sein.“

Ob sich Horn mit seiner Herausforderer-Rolle noch länger zufriedengeben wird oder seine Jugendliebe gar verlässt, weiß aktuell noch niemand. Ein Verbleib ist aus diesem Grund ebenso denkbar wie ein Abschied. Baumgart jedenfalls wünscht sich, dass seine Nummer zwei weiterhin ein Kölner bleibt: „Ich gehe davon aus, dass Timo bleibt. So, wie ich bei allen davon ausgehe, dass sie bleiben.“

Horn selbst kann sich nach 20 Jahren beim 1. FC Köln durchaus eine neue Aufgabe vorstellen, wie er im Februar durchsickern ließ: „Ich habe immer den Anspruch und den Ehrgeiz zu spielen. Was sich dann ergibt, wird man sehen.“ Der Vertrag des Kölner Urgesteins läuft noch bis Sommer 2023. In einigen Wochen werden wir wahrscheinlich schlauer sein, wie es für ihn weitergeht. Vom 1. Juli bis zum 1. September 2022 ist der Transfermarkt geöffnet. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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