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1. FC Köln: So wichtig waren FC-Profis bei den deutschen WM-Triumphen

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Von: Peter Stroß

Deutschland jubelt nach dem WM-Sieg in Rom.
Bodo Illgner (Mitte) war nur einer von vier FC-Profis bei der WM 1990. © IMAGO / Sportfoto Rudel

Aktuell stellt der 1. FC Köln keinen Nationalspieler zum DFB ab. Hansi Flick wäre aber gut beraten, zur WM 2022 einen FC-Profi mitzunehmen, wie die Historie zeigt.

Köln – Am 11. Oktober 2021 kämpft die deutsche Nationalmannschaft gegen Mazedonien (20:45 Uhr) weiter um die Qualifikation für die WM 2022. Einen Spieler des 1. FC Köln sucht man im Kader von Hansi Flick vergeblich. Spätestens bei der Endrunde allerdings sollte sich der Neu-Nationalcoach gut überlegen, ob er nicht doch auf mindestens einen Akteur der Geißböcke setzt.

Wieso? Ganz einfach: Bis 2014 ist Deutschland nur Weltmeister geworden, wenn mindestens ein Profi des Effzeh zum Aufgebot hörte. Überhaupt zeigt ein Blick in die Historie, dass kölsche Kicker mit dem Adler auf der Brust unverzichtbar waren, wie die folgenden fünf WM-Augenblicke exemplarisch beweisen.

1) Kölner WM-Held: Hans Schäfer entscheidend am WM-Sieg 1954 beteiligt

Hans Schäfer im Luftduell mit Mihaly Lantos
Hans Schäfer (2.v.re.), hier im Luftduell mit Mihaly Lantos (2.v.li.), hatte im Finale 1954 großen Anteil am 3:2-Erfolg. © IMAGO / Ferdi Hartung

Bei der WM 1954 in der Schweiz stellte der 1. FC Köln gleich zwei Spieler der Nationalmannschaft. Neben Paul Mebus gehörte auch Hans Schäfer zum Team von Sepp Herberger, dass das Finale mit 3:2 gegen Ungarn gewann. Der Linksaußen des 1. FC Köln mit der Rückennummer 20 hatte dabei entscheidenden Anteil am Siegtreffer.

„Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! Toooor! Tooor! 3:2 für Deutschland!“ Der Kommentar von Radioreporter Herbert Zimmermann zum entscheidenden Treffer in der 84. Minute ist bis heute legendär – und ein Zeitzeugnis dafür, dass der WM-Triumph von Bern ohne den Einsatz des FC-Profis wohl nicht zustande gekommen wäre.

2) Ein FC-Trio für den zweiten Titel: Overath, Cullmann und Flohe bei der WM 74

Ruud Krol und Wolfgang Overath heben bei Ansicht des Balles ab.
Mit 100 Prozent Einsatz tat Wolfgang Overath im Finale 1974 alles dafür, dass Deutschland am Ende Weltmeister wurde. © IMAGO / WEREK

Mit Bernd Cullmann, Heinz Flohe und Wolfgang Overath standen beim zweiten WM-Erfolg 1974 gleich drei Akteure des 1. FC Köln im Aufgebot. Der Kapitän der Kölner stand angesichts seiner Leistungen bei dem Turnier im eigenen Land sicher im Mittelpunkt.

Mit seinen zwei Treffern hatte der Mittelfeldregisseur entscheidenden Anteil daran, dass die Schön-Elf das Finale erreichte und dort gegen die Niederlande mit 2:1 gewann. Wie dieser Augenblick beweist, war er sich aber auch für Drecksarbeit nicht zu schade.

3) WM 1990: Pierre Littbarski und Thomas Häßler legen den Grundstein

Mit seinem schwachen linken Fuß schießt Thomas Häßler die DFB-Auswahl zur WM.
Mit seinem schwachen linken Fuß schießt Thomas Häßler die DFB-Auswahl zur WM. © IMAGO / Horstmüller

Erst zwei, dann drei, dann vier: Am dritten WM-Sieg trugen mit Bodo Illgner, Pierre Littbarski, Thomas Häßler und Paul Steiner mehr FC-Kicker denn je zum Titelgewinn bei. Dass Franz Beckenbauer nach dem Finale in Rom einsam seine Kreise im Mittelkreis des Olympiastadions drehen durfte, hatte er aber überhaupt erst seiner FC-Connection zu verdanken.

Denn nur sieben Monate zuvor stand die komplette Teilnahme an der WM auf der Kippe. Im entscheidenden Qualifikationsspiel am 15. November 1989 im Müngersdorfer Stadion brauchte Deutschland gegen Wales unbedingt einen Sieg. Der entscheidenden Treffer war – vor heimischer Kulisse – eine Kölner Koproduktion. Die Vorarbeit leistete Pierre Littbarski, seine Flanke von links erreichte Thomas Häßler, der den Ball volley flach rechts unten zum 2:1 im Waliser Tor versenkte. Der Treffer, Häßlers erstes Länderspieltor, wurde später zum Tor des Monats gewählt.

4) WM 2006: Lukas Podolski ballert Deutschland ins Viertelfinale

Lukas Podolski schießt aufs Tor.
Mit zwei Treffern binnen acht Minuten stellte Lukas Podolski gegen Schweden die Weichen für den 2:0-Sieg. © IMAGO / Pressefoto Baumann

Die Anzahl an FC-Spielern in WM-Kadern nahm nach dem Triumph 1990 rapide ab. 1994 in den USA vertrat nur noch Bodo Illgner die rot-weißen Farben. Die Endrunden in Frankreich 1998 und Japen/Südkorea 2002 gingen ohne einen Vertreter des 1. FC Köln in der DFB-Elf über die Bühne. Umso schöner, dass 2006 dann wieder ein „Kölscher Jung“ dabei war – und gleich für Furore sorgte.

Der internationale Stern von Lukas Podolski ging spätestens im Achtelfinale am 24. Juni 2006 gegen Schweden auf, dass „Prinz Poldi“ mit zwei Treffern in der 4. und 12. Minute (beide auf Vorlage von Miroslav Klose) fast im Alleingang zugunsten der Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann entschied. Mit dem WM-Titel im eigenen Land klappte es damals nicht. Den goldenen WM-Pokal stemmte Lukas Podolski dann erst 2014 in den Nachthimmel von Rio de Janeiro. Allerdings nicht mehr als Spieler des 1. FC Köln, sondern bei Arsenal London unter Vertrag.

6) Jonas Hector – der letzte deutsche FC-Vertreter bei einer WM

Die Enttäuschung steht Jonas Hector nach dem 0:2 gegen Südkorea ins Gesicht geschrieben.
Die Enttäuschung steht Jonas Hector nach dem 0:2 gegen Südkorea ins Gesicht geschrieben. © IMAGO / Matthias Koch

2018 schaffte es in Jonas Hector zum bis dato letzten Mal ein FC-Profi für Deutschland zu einer WM. Auch wenn sich an die Endrunde in Russland niemand mehr erinnern möchte, so lag das enttäuschende Ausscheiden in der Gruppenphase sicher nicht am Linksverteidiger des 1. FC Köln.

Beim Sieg gegen Schweden spielte Hector 90 Minuten, gegen Südkorea wurde er in der 78. Minute ausgewechselt – da stand es noch 0:0. Im Oktober 2020 gab der heute 31-Jährige seinen Rücktritt aus der DFB-Elf bekannt. Dass 2022 erneut ein Spieler des 1. FC Köln bei der anstehenden WM für Deutschland aufläuft, ist derzeit eher unwahrscheinlich. (ps) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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