20 Millionen Euro Staatshilfen

Wegen Umsatzeinbußen: 1. FC Köln beantragt NRW-Bürgschaft – Ex-Geschäftsführer äußert sich

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Die FC-Führung um Finanzchef Alexander Wehrle scheint es sich wohl anders überlegt zu haben.
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Aufgrund großer finanzieller Sorgen nimmt der 1. FC Köln nun doch eine Landesbürgschaft in Anspruch. Dazu hat sich jetzt auch Ex-FC-Geschäftsführer Andreas Rettig geäußert.

Update vom 1. April, 11:33 Uhr: Zum Antrag auf eine NRW-Bürgschaft des 1. FC Köln hat sich mit Andreas Rettig nun ein Ex-Geschäftsführer des Vereins geäußert. Gegenüber dem Express erklärte Rettich, er sei von dem Vorhaben der Kölner überzeugt und halte es für einen richtigen Weg, mit sogenannten „Genussrechten“ aus der Schulden-Krise zu kommen. Um sich zusätzliches Eigenkapital zu sichern, fragt der FC bei ausgesuchten Unternehmen an, ob diese den Club finanziell unterstützen wollen.

Für die Unternehmen wirft das Invest erst dann Zinsen ab, wenn die Kölner wieder schwarze Zahlen schreiben. „Das eingesammelte Geld kann bei entsprechender Laufzeit als Eigenkapital in der Bilanz verbucht werden, weil die Verbindlichkeiten erst nachrangig bedient werden müssen. Zudem haben die Geldgeber bei dieser Lösung keinerlei Mitspracherecht“, erklärt Rettig gegenüber dem Express. Einen guten Wunsch für seinen Ex-Club hat er auch noch übrig:  „Ich hoffe sehr, dass dem FC das gelingt und dass sie diese Krise überstehen.“

Wegen Umsatzeinbußen: 1. FC Köln beantragt NRW-Bürgschaft

Erstmeldung vom 31. März, 13:15 Uhr: Köln – Die Corona-Pandemie hat die ganze Bundesliga und somit auch den 1. FC Köln hart getroffen. Aufgrund der mangelnden Zuschauereinnahmen müssen die Geißböcke seit einem Jahr hohe Umsatzverluste hinnehmen. Wie es scheint ist diese Last nun zu groß geworden. Denn die Kölner werden nun eine Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen – und das obwohl der Verein das Ende Januar noch heftig dementiert hatte.

1. FC Köln greift doch auf Staatshilfen zurück – Umsatzeinbußen bis zu 63 Millionen Euro

Der 1. FC Köln hat beim Land Nordrhein-Westfalen eine Landesbürgschaft in Höhe von 20 Millionen Euro beantragt. Einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts bestätigte Finanz-Geschäftsführer Alexander Wehrle am Mittwoch. Der Kredit bei der FC-Hausbank, der mit der Landesbürgschaft abgesichert wird, laufe sechs Jahre. In den ersten beiden Jahren muss der Verein nur Zinsen zahlen, in den vier Jahren danach zahlt er je fünf Millionen Euro ab. „Wir haben uns relativ spät dazu entschieden, weil wir versucht haben, es mit eigenen Mitteln zu schultern. Aber mit insgesamt rund 63 Millionen Umsatzverlust kommt man als mitgliedergeführter Verein nicht daran vorbei“, sagte Wehrle.

Für die Saison 2019/20 präsentierte Wehrle bei einem Umsatz von 122,5 Millionen Euro einen Verlust von 23,8 Millionen Euro nach Steuern. Der Umsatzverlust durch Corona zwischen März und Juni 2020 habe 13 Millionen Euro betragen. In der laufenden Saison muss der Verein laut Wehrle mit Umsatzverlusten von bis zu 50 Millionen Euro rechnen. Trotz der Pandemie verfüge der 1. FC Köln aber über ein „sehr stabiles Eigenkapital“ von 14,8 Millionen Euro, betonte der Finanzchef. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Eigenkapital aber mehr als halbiert.

1. FC Köln versucht durch Kredite noch mehr Geld zu besorgen

Um die Probleme zu schultern, hat der Verein zudem mit seiner Hausbank eine Betriebsmittellinie bis zum 30. Juni 2022 vereinbart, sicherte sich ein bis zum 30. Juni 2023 laufendes Darlehen über fünf Millionen Euro und will sogenannte Mezzanine-Kredite aufnehmen. Bei diesen werden die Anleger im Fall einer Insolvenz erst nach den klassischen Gläubigern wie Banken bedient. Dafür erhalten sie wiederum eine höhere Verzinsung ihres Einsatzes. Diese Kredite werden noch bis zum 30. Juni 2021 eingesammelt, am Ende soll ein zweistelliger Millionenbetrag stehen. Die Anleger haben laut Wehrle „kein Mitspracherecht und Einflussmöglichkeiten“. Der Verein hat sich stets gegen den Verkauf von Anteilen an Investoren positioniert.

1. FC Köln leidet unter Finanzproblemen

Auch aufgrund der sich immer weiter zuspitzenden finanziellen Situation drohen dem 1. FC Köln im kommenden Transfer-Sommer mehrere Abgänge beim Stammpersonal. Im vergangenen Jahr hatten die Geißböcke als Gegenmaßnahme unter anderem die Stadionzahlungen auf eigene Faust gekürzt, was damals für einer großen Diskussion sorgte.

Das in dieser Saison schlechte sportliche Abschneiden hilft dem FC ebenfalls nicht gerade die Finanzprobleme zu verkleinern. So verpasste man es unter anderem durch das Aus im DFB-Pokal-Achtelfinale der Situation mit 1,4 Millionen Euro zumindest etwas entgegenzuwirken. Jedoch gab es Anfang Januar immerhin einen kleinen Lichtblick, als Großsponsor DEVK seinen Vertrag mit den Geißböcke verlängert hatte. Doch um die Corona-Einbußen auszugleichen braucht der FC noch wesentlich mehr Geld, was nun wohl aus staatlicher Hand kommen könnten. (os mit dpa)

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