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„100% FC“-Sprecher: „Ich liebe den 1. FC Köln – meinen Verein!“

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Von: Max Dworak

Philipp Herpel sitzt auf der Tribüne des RheinEnergie-Stadions in Köln
Philipp Herpel bringt sein Fußball-Fachwissen seit 2016 in der Mitgliederinitiative „100 % FC“ ein. © Sebastian Bahr

Am 6. November 2021 lädt der 1. FC Köln zur Jahreshauptversammlung ein. Auch Philipp Herpel wird als Vereinsmitglied vor Ort sein.

Köln – Philipp Herpel, einer der Köpfe hinter der Mitgliederinitiative „100% FC – Dein Verein“, ist seit nunmehr fünf Jahren darum bemüht, den 1. FC Köln mit seinen Ideen weiterzubringen. Im Interview mit 24RHEIN äußert sich der Diplom-Ingenieur unter anderem zur Kommerzialisierung im Profi-Fußball und verrät zudem, was er sich von der kommenden Jahreshauptversammlung erhofft.

Guten Tag Herr Herpel, Sie sind einer der Sprecher von „100% FC – Dein Verein“. Seit wann gibt es diese unabhängige Mitgliederinitiative, beziehungsweise seit wann bringt sie ihre Ideen aktiv beim 1. FC Köln ein?

Unsere Mitgliederinitiative gründete sich 2016. Ziel war es, mit einer Satzungsänderung 2017 die Mitbestimmung von FC-Mitgliedern beim Verkauf von Anteilen in der Satzung des 1. FC Köln bereits beim Verkauf des ersten Anteils zu verankern. Es erfüllt uns schon ein wenig mit Stolz, dass die Unabhängigkeit unseres Fußball-Clubs in nahezu jeder vereinspolitischen Diskussion mittlerweile die berechtigte Wertschätzung erfährt – dies mit einer vergleichsweise kleinen Gruppe von ca. 20 aktiven Leuten erreicht haben zu können, ist schon klasse.

Können Sie kurz beschreiben, was genau die Idee hinter „100% FC – Dein Verein“ ist?

Wir treten seit unserer Gründung für die Stärkung demokratischer Strukturen im Sinne eines unabhängigen 1. FC Köln ein. Was viel zu wenigen Menschen bekannt ist: Der 1. Fußball-Club Köln ist heute bereits der sechstgrößte, unabhängige Fußball-Club der Welt. Diesen Wert an sich möchten wir immer wieder ins Bewusstsein aller FC-Fans und Mitglieder rufen.

Mehr und mehr geht es aber ausschließlich ums Geld, Macht und die Einflussnahme auf die Geschicke im Fußballsport. In immer mehr Städten müssten Fans eigentlich ehrlicherweise sagen: „Ich bin Teil eines Produkts, ich diene der Rendite von Kapitalgebern oder der Produktbewerbung.“

Philipp Herpel, Sprecher der Mitgliederinitiative „100% FC - Dein Verein“

Wie sehen Sie die grundsätzliche Entwicklung im Profi-Fußball im Zuge der Kommerzialisierung, gerade mit Blick in andere Top-Ligen Europas?

Kurzum: Furchtbar. Der Fußball sollte den Fans gehören und die Fußballindustrie mehr auf die Fans hören. Mehr und mehr geht es aber ausschließlich ums Geld, Macht und die Einflussnahme auf die Geschicke im Fußballsport. In Köln können wir noch sagen: „Ich liebe den 1. FC Köln – meinen Verein!“ In immer mehr Städten müssen Fans eigentlich ehrlicherweise sagen: „Ich bin Teil eines Produkts, ich diene der Rendite von Kapitalgebern oder der Produktbewerbung wie beim Dosensport.“

In den letzten Wochen kam auch das Thema „Erneuerung des Geißbockheims“ wieder auf, nachdem Steffen Baumgart sich diesbezüglich während einer Pressekonferenz geäußert hat. Wie bewerten Sie diese offene Baustelle des Vereins?

(lacht) Ich kenne das Geißbockheim und dessen bauliche Zwänge und Grenzen ganz gut. Es ist schon bedauerlich, dass unser FC in den 20 letzten Jahren anscheinend weder das alte Shampoo von Hennes Weisweiler beseitigen noch die Umkleiden auf einen akzeptablen Stand bringen konnte. Dass man hinsichtlich der strittigen Erweiterung keinen Plan B in der Tasche hat, kann man nur bedingt der Stadtpolitik anlasten. Wo könnte unser Trainingsstandort eventuell neu gebaut oder gegebenenfalls auch nur ergänzt werden? Wir wissen es seit Jahren nicht. Da sind die Klub-Verantwortlichen seit Jahren leider weniger aktiv, als es uns FC-Fans lieb sein dürfte. Das Umkippen von Frau Reker und der CDU im Hinblick auf klare Absprachen ist natürlich genauso ein starkes Stück.

Auf Ihrer Homepage loben Sie auch die unabhängige und investorenfreie Arbeit von Borussia Mönchengladbach. Gibt es etwas, das sich der 1. FC Köln vom Konkurrenten abschauen kann?

Gladbach, Freiburg, Mainz… wo fangen wir an, wo wollen wir aufhören.? Alle gut geführten Vereine weisen in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten ein sehr viel besseres Verhältnis von Aufwand und Ertrag aus als unser FC – gerade da sollte man nach unserer Einschätzung ansetzen.

Bei der bevorstehenden Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln wird die Wahl des neuen Mitgliederrats auf der Tagesordnung stehen. Auch dieses Jahr wird Ihre Mitgliederinitiative – wie schon 2018 – eine Wahlempfehlung online stellen, damit sich jedes Vereinsmitglied ein besseres Bild der BewerberInnen machen kann. Welche Fragen stellte „100% FC“ den 23 zur Wahl stehenden KandidatInnen im Vorfeld?

Wir haben den BewerberInnen fünf Fragen gestellt, die sich mit vereinspolitischen Themen und unserer Vereinsstruktur befassen. Ganz konkret behandelt die Umfrage Dialogformate zwischen den Mitgliedern unseres Vereins, die Zusammensetzung und Aufgabe der Gremien sowie die Rolle, die uns Mitgliedern bei der Entwicklung einer Strategie für den 1. FC Köln eingeräumt wird. Wir hoffen, dass unsere Umfrage auf www.100profc.de die Mitglieder in deren Einschätzung der KandidatInnen und bei ihrer Wahlentscheidung unterstützt.

Aktuell besteht der Mitgliederrat aus elf Personen. Kann sich diese Zahl am Ende einer jeden Legislaturperiode verändern?

Ja, der Ausgang der Wahlen, respektive das Verhältnis von Ja- und Nein-Stimmen der jeweiligen KandidatInnen bestimmen, wie groß der Mitgliederrat sein wird. Satzungsgemäß sind es am Ende aber maximal 15 Mitglieder.

Die Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln findet am 6. November dieses Jahres statt. Was erhoffen Sie sich von dieser Veranstaltung?

Für uns ist dies DER Festtag im Kalenderjahr des 1. FC Köln. So etwas gibt es bei Fußball-Konzernen wie in Leverkusen oder Leipzig nicht. Wir erhoffen uns, dass genau dies allen Anwesenden stets bewusst ist. Genau vor diesem Hintergrund erhoffen wir uns, dass wir Mitglieder allesamt besonders achtsam und wertschätzend mit unserem Verein, aber auch miteinander umgehen – in diesem Jahr genauso wie in den kommenden.

Die detaillierten Umfrageergebnisse zu den bevorstehenden Wahlen zum neuen Mitgliederrat finden Sie hier.

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