Politik gibt sich versöhnlich

Ärger beim 1. FC Köln über Stadionzahlungen – baldige Einigung ist nicht in Sicht

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Der 1. FC Köln zahlt aktuell wohl deutlich weniger für die Nutzung des RheinEnergie-Stadions.
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Der 1. FC Köln soll laut Stadtpolitik eigenhändig die Zahlungen für die Stadionpacht gekürzt haben. Die Politik zeigt sich versöhnlich, doch eine Einigung ist nicht absehbar.

  • Der 1. FC Köln hat scheinbar eigenhändig die Pachtzahlungen für das RheinEnergie-Stadion gekürzt
  • FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle widerspricht Vorwürfen aus der Stadtpolitik deutlich
  • Politiker äußern sich versöhnlich – doch eine schnelle Übereinkunft zwischen Stadt und dem FC ist unwahrscheinlich

Update vom 9. Dezember, 10:55 Uhr: Es ist ein ewiges hin und her zwischen dem 1. FC Köln und der Stadt Köln. Nachdem die Kölnische Rundschau noch von einer teilweisen Übereinkunft zwischen den beiden Parteien berichtete, widersprach FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle dieser Meldung nun gegenüber dem Geissblog Köln: „Es gibt keine Einigung. Wir befinden uns weiter in Gesprächen.“

Am Montag hatte der Finanzausschuss der Stadt Köln getagt und laut GBK mehrere Modelle zur Schlichtung des Konflikts vorgestellt. Bei einem sei auch vorgesehen, dass der 1. FC Köln die komplette Stadionpacht nachzahlen müsse. Genau das lehnt der Verein aber seit Monaten vehement ab. So ist man beim Effzeh der Meinung, dass man das Stadion im Frühjahr einfach gar nicht in seiner vertraglich vorgesehenen Form nutzen konnte und selbst zum Ende der Bundesliga-Saison 2019/20 nur ohne Zuschauer, was ebenfalls nicht der eigentlichen Nutzung entspräche.

Es scheint also, dass man beim 1. FC Köln seiner Linie treu bleibt, weshalb in diesem Jahr wohl nicht mehr mit einer Übereinkunft zu rechnen ist.

Nach Aussagen von FC-Geschäftsführer Wehrle: Kölner Stadtpolitik gibt sich versöhnlich

Update vom 5. Dezember, 12:55 Uhr: Nach den Aussagen von Alexander Wehrle vom 1. FC Köln melden sich nun erneut Kölner Stadtpolitiker beim Kölner Stadt-Anzeiger zu Wort. So versucht Grünen-Fraktionsvize Manfred Richter zunächst etwas Spannung aus dem Konflikt zu nehmen: „Ich bin davon überzeugt, dass wir weiterhin vertrauensvoll zusammenarbeiten werden“, bleibt aber im Anschluss bei der Meinung, dass der Effzeh nicht korrekt vorgegangen wäre.

Noch versöhnlicher geben sich aber Politiker anderer Parteien. Christian Joisten von der SPD äußert sich beispielsweise sehr diplomatisch: „Der 1. FC Köln ist wegen Corona in eine schwierige finanzielle Lage geraten. So geht es allerdings vielen anderen Unternehmen auch, aber auch die Stadt hat mit den schweren Folgen ausbleibender Steuereinnahmen in diesen Zeiten zu kämpfen“, aufgrund dessen müssen man zu einer Lösung finden, die für alle Beteiligten passe.

Einen Schritt weiter geht dann schließlich der Kölner CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau: „Unsere Haltung als CDU Köln ist eindeutig: Wir wollen den FC unterstützen. Genau das muss jetzt zwischen dem Verein und der Stadt besprochen werden. Ich bin mir sicher, dass wir im Ergebnis eine Unterstützung hinbekommen werden.“ Wenn alles gut läuft kann der 1. FC Köln letzendes sogar auf finanzielle Unterstützung der Stadt Köln hoffen.

1. FC Köln: Geschäftsführer Alexander Wehrle nimmt FC aus der Schusslinie – Gespräche mit KSS laufen

Update vom 5. Dezember, 11:00 Uhr: Im Zuge der Pressekonferenz zum Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg hat sich FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle auch zu der aktuellen Situation zur Stadionpacht geäußert und den Aussage aus der Politik vehement widersprochen: „Wir haben nichts eigenständig entschieden, sondern waren und sind im engen Austausch mit KSS und der Verwaltung.“

Laut Wehrle habe der 1. FC Köln von Anfang an die Kölner Sportstätten (KSS) miteinbezogen: „Wir sind seit April, nachdem der Spielbetrieb eingestellt wurde, im engen Dialog mit den Kölner Sportstätten (KSS) und den Verantwortlichen aus der Verwaltung. Wir haben sehr vertrauensvolle, gute und konstruktive Gespräche geführt.“ Das Wichtigste sei nun weitere Lösungen für die Zukunft zu finden: „Wir haben jetzt zwei Aufgaben: Zum einen die Spielzeit 19/20 mit den fünf Heimspielen ohne Zuschauer abzuschließen und dann für die laufende Saison eine Lösung zu finden. Denn eins ist klar: Wir haben seit März kein Heimspiel mehr mit Zuschauern unter Volllast gehabt. Wir sind als Hauptmieter in einer Situation, in der wir Gespräche führen müssen.“ Sicher keine einfache Situation für denn Effzeh, der aufgrund der aktuellen Situation nämlich offensichtlich unter enormen finanziellen Druck steht.

1. FC Köln zahlt weniger Pachtkosten fürs Stadion – Kölner Sportstätten fehlt nun Geld

Erstmeldung vom 4. Dezember 2020:

Köln – Es ist durchaus kein leichtes Jahr beim 1. FC Köln. Neben der sportlichen Achterbahnfahrt hat der Effzeh scheinbar auch finanzielle Probleme, aus denen bereits im Frühjahr Konsequenzen gezogen wurden. Wie der WDR berichtet soll der FC die rund 9,5 Millionen Euro Pachtkosten pro Jahr für die Nutzung des RheinEnergie-Stadions nun eigenhändig gekürzt haben. So zahlt der 1. FC Köln seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland nur noch 25 Prozent der eigentlich vertraglich ausgemachten Pacht, was aufs ganze Jahr gesehen ungefähr 2,4 Millionen Euro entspricht. Im Umkehrschluss würden somit den Kölner Sportstätten, dem Betreiber des Stadions, über 7 Millionen Euro fehlen.

Tatsächlich sind die Stadionkosten für den 1. FC Köln ein verhältnismäßig hoher Kostenfaktor. Einerseits ist der Effzeh einer der wenigen Bundesliga-Vereine, die nicht an ihrem Stadion beteiligt oder gar Eigentümer sind und andererseits zahlen die Geißböcke im Vergleich zu den anderen Klubs wirklich viel Geld zur Nutzung ihrer Spielstätte.

Kein Geld vom 1. FC Köln: Stadt muss wohl finanziell aushelfen – Politiker üben scharfe Kritik

Da den Kölner Sportstätten (KSS) aufgrund der Nichtzahlungen des 1. FC Köln nun natürlich Geld fehlt, muss jetzt wohl die Stadt Köln 1,5 Millionen Euro bereitstellen. Das absurde an der Sache: Die KSS gehören zu 100 Prozent der Stadt Köln, weshalb die Kosten so oder so letztlich dort und damit am Steuerzahler hängen bleiben. Sowohl der KSS als auch der FC wollten sich zu konkreten Summen aber nicht äußern.

Ganz anders sieht das mit der Politik aus. Denn auf Nachfrage des WDR meldeten sich mehrere Stadtpolitiker zu Wort. Beispielsweise meint Manfred Richter von den Grünen: „Es ist Profisport und wir müssen sehen, dass die Mindereinnahmen nicht abgewälzt werden auf den städtischen Haushalt und die Steuerbürger. Der jetzige Zustand ist nicht tolerabel.“, weiter kritisiert Richter vor allem die Vorgehensweise des 1. FC Köln: „Die Eigenmächtigkeit kam überraschend. Partner müssen die Verträge einhalten, da waren wir sehr irritiert.“

1. FC Köln: Ermäßigung könnten gegen EU-Recht verstoßen – Politik und FC aktuell nicht beste Freunde

Auch die CDU in Person von Kölns Parteichef Bernd Petelkau äußert sich besorgt. Vor allem Dingen glaube er, dass die Unterstützung des FC durch eine Pachtermäßigung allein rein rechtlich schwierig wäre. Aufgrund des strengen EU-Rechts könne das bereits als wettbewerbsrechtlicher Verstoß gesehen werden.

In jedem Fall kommt die Diskussion zu diesem Thema für FC nicht gerade zu einem guten Zeitpunkt. Denn aktuell steht man mit der Stadtpolitik bereits über den geplanten Ausbau des Geißbockheims am Grüngürtel in Konflikt. Jedoch stellt sich nun die Frage, wie sich der Effzeh diesen Ausbau aktuell überhaupt leisten will, wenn der Verein finanziell so gebeutelt ist. (os)

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