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1. FC Köln: Fanliebling und Trainer Steffen Baumgart feiert runden Geburtstag

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Von: Max Dworak

Steffen Baumgart setzt seine Schiebermütze ab und bedankt sich bei den Zuschauern.
Steffen Baumgart, seit Juli 2021 Trainer des 1. FC Köln, ist 50 Jahre alt geworden. © Moritz Müller/Imago

Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln, feiert seinen 50. Geburtstag. Der Erfolgscoach blickt in Köln auf ein halbes Jahr voller Emotionen und Freude zurück.

Köln – „Wer rauchen will, soll rauchen. Es wäre gut, wenn sie es nicht vor dem Bus machen“, waren die ersten legendären Worte, die Steffen Baumgart nach seinem Amtsantritt im Sommer 2021 in Köln vom Stapel ließ. Von Beginn an wusste der neue Trainer des 1. FC Köln mit Sympathie und Ehrlichkeit zu überzeugen und coachte sich in die Herzen der Fans. Nach 189 Tagen FC darf sich „Baumi“ nun gebührend im Rahmen seines 50. Geburtstages feiern lassen.

1. FC Köln: Steffen Baumgart, der Sprücheklopfer mit der nötigen Härte

Dass Steffen Baumgart ein Mann der gehaltvollen – und nicht leeren Worte – ist, zeigte sich spätestens, als er im Oktober 2021 für seinen Spruch „Ein Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle“, von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur den Preis für den „Fußball-Spruch des Jahres“ erhielt. Es ist ganz eindeutig die simple, und zugleich realistische Art zu kommunizieren, die Steffen Baumgart zu dem Kult-Trainer gemacht hat, der er heute ist.

Schnell könnte der Gedanke reifen, Steffen Baumgart würde ein dauerhaft gelassener Typ sein. Dass dies ein Irrglaube ist, wurden vielen Fans spätestens klar, nachdem Mark Uth in der Saison-Vorbereitung besonders elegant aussehen wollte: „Sch**** Hacke! Die wollen mich doch verarschen, oder?!“, hallte es von der Seitenlinie anschließend in Richtung des FC-Profis. Auch Ondrej Duda, der Kölner Top-Scorer der Spielzeit 2020/21, bekam den Zorn seines Trainer zu spüren, weil er es seinem Teamkollegen wenige Wochen später am 2. Spieltag in der Allianz Arena gleichtun wollte.

1. FC Köln: Steffen Baumgart krempelt das FC-System um

Wer die Klasse halten möchte, der muss leiden: Nach einer knüppelharten Saisonvorbereitung und einigen Pflichtspielen auf dem Buckel realisieren nicht wenige, die es mit dem FC gut meinten, dass Steffen Baumgart eine besondere Philosophie mit in die Domstadt brachte: „Es kann doch nicht sein, dass wir uns als 1. FC Köln freiwillig hinter Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach anstellen. Nur, weil das jetzt vielleicht 20 Jahre so gegangen ist. Wir müssen doch einen Weg einschlagen, den Anschluss zu finden, um vielleicht irgendwann vor denen zu stehen. Das muss doch unser Ziel sein. Wenn wir das von vorne herein ausschließen, werden wir das nie schaffen“, meinte der Ex-Paderborn-Coach in Bezug auf die zwei ewigen Rivalen und erntete weiter fleißig Beifall.

Sein Offensiv-Fußball, der nach 19 Pflichtspielen für den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale, und in der Bundesliga für einen starken, achten Platz sorgte, wurde von den Kölner Anhängern von Tag eins angenommen und umgehend gelobt. In der Fußball-Welt bekommt der Übungsleiter seither reichlich Zuspruch, weshalb Bayern-Trainer Julian Nagelsmann seine Lobeshymnen nicht zurückhalten konnte: „Der hat einfach eine ganz andere Herangehensweise als viele seiner Vorgänger in Köln. [...] Mit dem nahezu gleichen Kader spielen die eine ganz andere Art von Fußball“, sagte der 34-Jährige im Podcast „Einfach mal Luppen“ von Weltmeister Toni Kroos.

1. FC Köln: Steffen Baumgart, der Kritiker

Um seine Meinung ungefiltert kundzutun, schreckt Steffen Baumgart jedoch auch nicht vor öffentlicher Kritik an der Politik – oder sogar den eigenen Fans – zurück. Mit seiner Wutrede zum Zustand des Geißbockheims, in welcher er die mangelnde Unterstützung durch die Politik anmerkte, eckte er sicherlich auch an. Was allerdings am Ende in den Köpfen blieb, war Folgendes: Dieser Mann lässt sich nicht den Mund verbieten und spricht diskussionswürdige Themen ohne Kompromisse an. So bekamen sogar die FC-Supporter einen verbalen Denkzettel verpasst, nachdem sie ihre Profis in der Partie gegen Union Berlin von den Rängen aus auspfiffen: „Die Zuschauer müssen einen Weg gehen, genau wie wir auch“, stellte der angefressene Fußball-Lehrer unmissverständlich klar.

In Bezug auf die Corona-Pandemie nahm Steffen Baumgart ebenfalls kein Blatt vor den Mund und gab deutlich zu verstehen, welche Bedeutung er dem Thema „Impfen“ zumisst: „Ich persönlich empfehle jedem, sich impfen zu lassen. Wir leben zum Glück in einem freien Land – ich selbst weiß, wie das Leben in einer Diktatur ist – und sollten auch den freien Willen respektieren.“

Wo verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, gibt es selbstredend Reibung: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der im November klar für eine Impfpflicht im Profi-Sport plädierte, bekam die ungeschönte Ansicht von Steffen Baumgart in all seiner Ehrlichkeit zu spüren: „Warum sollte eine Impfpflicht für Spieler eingeführt werden, wenn wir es nicht einmal schaffen, diese bei Pflegepersonal, das tagtäglich am Menschen arbeitet, einzuführen? Ich finde, wir sollten darüber nachdenken. Und wenn wir schon darüber nachdenken, dann wäre es vielleicht auch wichtig, Pflegekräfte dementsprechend zu bezahlen“, entgegnete Steffen Baumgart und sprach sich klar gegen eine Impfpflicht aus.

Steffen Baumgart hat in einem halben Jahr schon so einiges in seiner neuen Wahlheimat Köln bewegen können. An seinem 50. Geburtstag sollte der Cheftrainer der Geißböcke für einen kurzen Moment durchatmen, und die Ereignisse der letzten sieben Monate Revue passieren lassen. Die Verantwortlichen und Fans des Traditionsvereins können zudem darauf hoffen, dass ihr Heilsbringer noch lange den Dirigenten gibt: „Wenn der Verein das gerne möchte, dann können wir gerne über eine Verlängerung sprechen. Ich jedenfalls habe nicht vor, bald meine Sachen zu packen“, sagte Steffen Baumgart jüngst bezüglich einer möglichen Ausweitung seines Vertrages. (md) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Rheinland & NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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