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1. FC Köln: Thomas Kessler, vom Profi zum Funktionär – eine FC-Karriere

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Von: Max Dworak

Thomas Kessler ist in einer Collage als Spieler auf dem Rasen und als Manager neben Steffen Baumgart zu sehen.
Vom Spieler zum Funktionär: Thomas Kessler ist seit 1. Juli 2021 Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. © Herbert Bucco/Imago & Sven Simon/Imago & Eduard Bopp/Imago

Thomas Kessler leitet beim 1. FC Köln seit Juli 2021 die Lizenzspieler Abteilung. In den Jahren davor spielte er selbst lange Zeit im Verein.

Köln – Als Horst Heldt den Posten des Sportchefs beim 1. FC Köln räumen muss, geht alles ziemlich schnell: Nach dem geglückten Klassenerhalt im Mai 2021 verkündet der Bundesligist, dass Jörg Jakobs und Thomas Kessler künftig die sportliche Leitung übernehmen werden. Für Kessler, der erst 2020 seine Profi-Karriere beendet hatte, beginnt ab diesem Zeitpunkt offiziell die Laufbahn als Vereinsverantwortlicher. 24RHEIN wirft einen Blick auf seine Leistungen als Fußballer und lässt sein erstes Jahr als Manager Revue passieren.

1. FC Köln: Thomas Kessler – ein waschechter Geißbock macht Karriere

Der sportbegeisterte Thomas Kessler wächst im beschaulichen Pulheim (Rhein-Erft-Kreis), einem kleinen Städtchen nordwestlich von Köln, auf. Beim SC Grün-Weiß Brauweiler kann er bereits in jungen Jahren auf sich aufmerksam machen: „In Brauweiler fing alles an. Damals hatten wir hier noch keinen Rasen, da musste auf Asche gespielt werden“, erzählt Kessler während eines Besuchs an seiner alten Wirkungsstätte. „Mit viel Training habe ich es dann als bester Torwart in die Mittelrheinauswahl geschafft“, so Kessler weiter.

Thomas Kessler gibt Anweisungen an seine Mitspieler.
Thomas Kessler in der U19 des 1. FC Köln. © Eduard Bopp/Imago

Als 14-jähriger Jugendlicher hat sich die jahrelange Arbeit schließlich ausgezahlt: Künftig kümmert sich der 1. FC Köln um seine sportliche Entwicklung. Für Thomas Kessler geht ein Traum in Erfüllung: „Ich weiß noch, wie ich früher als Zuschauer den FC-Profis mit 50 000 anderen Fans von der Tribüne aus zugeschaut habe.“ Der Schritt vom Fan zum Vereinsmitglied ist vollends geglückt.

Das ist Thomas Kessler

Geburtsdatum: 20. Januar 1986

Position: Leiter Lizenzbereich

Beim 1. FC Köln im Amt seit: 1. Juli 2021

Karriereende als Spieler: 1. Juli 2020

2004: Thomas Kessler schafft Sprung aus der Jugend zur 2. Mannschaft

Die Nachwuchsschmiede der Geißböcke durchläuft 1,97 Meter große Keeper bis einschließlich zur U19, ehe im Jahr 2004 der Sprung zu den Amateuren erfolgt. In der Regionalliga macht Kessler allerdings in der Spielzeit 2004/05 lediglich zwei Einsätze, in der U19-Bundesliga, wo er in dieser Saison primär aufläuft, hält der 18-Jährige ganze zwölf Mal den Kasten sauber. Für die Qualifikation zur Endrunde reicht es mit den Junioren allerdings nicht. Seinen ersten Titel kann sich Kessler dennoch nach Ablauf der Spielzeit im Sommer 2005 in den Schrank stellen: Mit der zweiten Mannschaft angelt er sich – wenn auch mehr als stiller Beobachter denn als aktiver Teilnehmer – den Mittelrheinpokal mit einem 4:0-Triumph über Lokalrivale Fortuna Köln.

Da sich der Sieger des Mittelrheinpokals für den DFB-Pokal qualifiziert, feiert Thomas Kessler am 20. August 2005 sein Debüt im wichtigsten deutschen Pokal-Wettbewerb. Nach einer 0:4-Klatsche gegen Bundesligist Hannover 96 ist dann aber gleich wieder Schluss. Am Ende einer katastrophalen Saison steigen die Kölner Amateure zudem in die Oberliga ab.

Thomas Kessler: Profi-Debüt unter Christoph Daum

Am 13. Mai 2007, dem 33. Spieltag in der 2. Bundesliga, kommt Kessler unter Trainer Christoph Daum gegen die Offenbacher Kickers (2:2) zu seinem ersten Profi-Einsatz. Stefan Wessels, der eigentliche Stammkeeper, hatte sich im Vorfeld der Partie einen Rippenbruch zugezogen. Auch im Spiel danach gegen den 1. FC Kaiserslautern, bei dem es für den FC um nichts Nennenswertes mehr geht, darf Kessler ran. Abermals lautet der Endstand 2:2. „Durch den Trainerwechsel von Latour zu Daum bekam ich dann die Chance, mich im Verein gut zu präsentieren. […] Er hat immer an mich geglaubt, und so konnte ich mich schließlich als Nummer zwei durchsetzen“, sagt der Schlussmann im Jahr 2008.

Thomas Kessler wartet auf einen Torschuss.
Thomas Kessler (unscharf im Hintergrund) bei seinem Profi-Debüt am 13. Mai 2007 in der 2. Bundesliga gegen die Kickers Offenbach. © Eduard Bopp/Imago

In der Saison 2007/08 kommt Kessler in der 2. Bundesliga auf vier weitere Spiele. Die Nummer Eins im Kölner Kasten ist indes der kolumbianische Nationaltorhüter Faryd Mondragón. Auch in den nächsten zwei Spielzeiten 2008/09 und 2009/10 kommt das FC-Eigengewächs nicht über seinen Status als Ersatzkeeper hinaus. Nichtsdestotrotz gibt Kessler am 12. Mai 2009 bei der 1:2-Pleite gegen Hertha BSC Berlin seine Erstliga-Premiere. Es folgen zwei weitere Einsätze an den Folge-Spieltagen, beim 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV, datiert vom 16. Mai 2009, glänzt er per langem Abstoß sogar als Torvorbereiter.

Wechsel zum FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt

Im Sommer 2010 wird bekannt, dass Kessler eine örtliche Veränderung anstrebt und nach Hamburg zum Aufsteiger FC St. Pauli verliehen wird: „Ich freue mich, dass es nun endlich geklappt hat. Nach gut zehn Jahren beim 1. FC Köln ist das genau der richtige Moment und der richtige Verein für einen Wechsel“, sagt der 24-Jährige zu seiner neuen Herausforderung. In insgesamt 26 Partien kann der einstige FC-Reservemann nun ordentlich Spielpraxis sammeln. Am 20. Spieltag, dem 29. Januar 2011, kommt es zum Wiedersehen mit seinen alten Teamkollegen aus Köln. Beim 3:0 Heimsieg der Kiez-Kicker im Millerntor-Stadion ist der neue Pauli-Torhüter äußerst wachsam, seine Vorderleute brennen zudem ein echtes Offensiv-Feuerwerk ab.

Thomas Kessler privat

Thomas Kessler ist seit 2014 verheiratet und hat drei Kinder. Im April 2017 wird Kessler erstmals Vater, als Tochter Emelie zur Welt kommt. Im November 2019 werden seine Zwillinge Mia und Leon geboren. Bereits während seiner aktiven Laufbahn studiert Kessler neben dem Job als Fußballprofi Sportmanagement.

Dennoch ist das Abenteuer 1. Bundesliga für die Paulianer nach 34 Spieltagen fürs Erste wieder zu Ende. Thomas Kessler, der in dieser Saison 51 Gegentore kassiert, verabschiedet sich zur Spielzeit 2011/12 aus Hamburg und heuert bei Zweitligist Eintracht Frankfurt an. Nach vier Pflichtspielen für die Hessen kehrt er im Sommer 2012 schließlich zum 1. FC Köln zurück.

Rückkehr zum 1. FC Köln, Karriereende im Jahr 2020

Thomas Kessler, der in Köln fortan zwischen Regionalliga- und Bundesliga-Team hin- und herpendelt, ist im Herbst seiner Karriere noch mal gefragt. Im Jahr 2016/17 absolviert Kessler 13 Einsätze für die Rheinländer, nachdem Stammkeeper Timo Horn sich im November 2016 eine Knieverletzung zugezogen hatte: „Wir wissen, dass wir gute Jungs haben. Mit ‘Kess’ haben wir einen arrivierten und erfahrenen Torhüter, den wir jederzeit spielen lassen können“, bekundet Trainer Peter Stöger seine Wertschätzung für Thomas Kessler.

Timo Horn und Thomas Kessler recken gemeinsam die Meisterschale der 2. Bundesliga in die Höhe.
Im Jahr 2019 wird Thomas Kessler (rechts) zum zweiten Mal Meister der 2. Bundesliga mit dem 1. FC Köln. © DeFodi/Imago

Sportlich wird es in der Folge still um Thomas Kessler. Sein nächstes und gleichzeitig letztes Pflichtspiel bestreitet der Reservetorhüter am letzten Spieltag der Spielzeit 2018/19 beim 1:1-Remis gegen den 1. FC Mageburg. Nach 2013/14 reckt Kessler erneut die Meisterschale der 2. Bundesliga in den Himmel.

Im Sommer 2020 erklärt Kessler seine Fußballkarriere endgültig für beendet. Und das, obwohl er im März noch mit einer weiteren Spielzeit als Aktiver geliebäugelt hatte. Ein Abschiedsspiel auf dem Rasen des RheinEnergie-Stadions ist dem 34-Jährigen nicht vergönnt. Zuvor hatte sein Jugendverein SC Grün-Weiß Brauweiler via Facebook noch vergeblich für einen letzten Auftritt ihres Dorf-Helden geworben.

1. FC Köln: Kessler übernimmt als Lizenzspieler-Leiter

Bei seinem Abschied am Geißbockheim wenige Monate später ist die Stimmung dank des geglückten Klassenerhaltes deutlich besser. Schon während seiner Abschiedsworte kündigt der Ex-Profi seine baldige Rückkehr in neuer Arbeitskleidung an: „Für mich gehen 20 Jahre als Spieler vorbei. Ich freue mich aber sehr, dass wir uns schon bald wiedersehen, auch wenn ich dann keine Sportklamotten mehr trage.“

2021 übernimmt Kessler, der ein einjähriges Trainee-Programm im Management-Bereich beim 1. FC Köln absolviert hat, die Position des Leiters der Lizenzspielerabteilung. Unter anderem möchte sich der ehemalige Keeper für eine gesunde Gehaltsstruktur im Verein einsetzen und den Bundesligist für die Zukunft mit aufstellen: „Ich bin das Bindeglied zwischen der Geschäftsführung und dem Team“, fasst Kessler seinen Aufgabenbereich nach Amtsantritt kurz zusammen.

Thomas Kessler lehnt an der Bande des Trainingsplatzes am Geißbockheim, neben ihm steht Steffen Baumgart.
Seit Juli 2021 ist Thomas Kessler (links) Angesteller des 1. FC Köln und leitet die Lizenzspieler-Abteilung Vereins. Mit Trainer Steffen Baumgart (rechts) befindet er sich in ständigem Austausch. © Herbert Bucco/Imago

Im Mai 2022 wird außerdem bekannt, dass Kessler das von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball Bund (DFB) ausgestellte Zertifikat „Management im Profifußball“ erfolgreich erworben hat.

Für die kommende Spielzeit 2022/23 sieht Kessler den Traditionsklub in einer aussichtsreichen Position und hofft auf ein ähnlich erfolgreiches Jahr wie 2021/22: „Ich sehe uns für die kommende Spielzeit unabhängig davon gut aufgestellt. Weil es auch in der kommenden Spielzeit nur um ein übergeordnetes Ziel geht. Wir wollen schnellstmöglich die 40 Punkte Marke knacken und die Klasse halten.“ Mit Steffen Baumgart an der Seitenlinie wartet zudem die erste Conference League Saison der Vereinsgeschichte. (md) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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